| Interview mit Irmgard Abt

"Oft ist der Preis das entscheidende Kriterium"

"Es gibt viel zu viele Siegel."
Bild: Abt

Irmgard Abt, Geschäftsführerin von Abt Print und Medien in Weinheim, setzt schon seit dem Jahr 2004 auf ein zertifiziertes Umweltmanagement. Auftraggeber beginnen sich erst jetzt und sehr zaghaft, für das Thema zu interessieren.

acquisa: Wie handelt der Markt – agieren schon alle Mailingproduzenten grün?

Irmgard Abt: Nein. Der eine oder andere denkt darüber nach, aber auch nur, wenn es die Auftraggeber speziell einfordern. Es gibt ein grundsätzliches Problem: Wenn man die ganze Prozesskette betrachtet – drucken, personalisieren, kuvertieren, versenden –, dann existiert nicht ein Siegel für alles, sondern unterschiedliche Zertifizierungen für verschiedene Teile der Prozesskette. Die Auftraggeber können die Siegel oft nicht unterscheiden. Das macht die Sache schwierig. Oft reden auch Agenturen den Auftraggebern das Thema aus, weil sie keinen Überblick haben – es gibt viel zu viele Siegel.

acquisa: Warum kommuniziert die Branche die Vorteile der grünen Mailingproduktion nicht stärker?

Abt: Das funktioniert nur, wenn der, dem ich es anbiete, die umweltfreundliche Produktion als Vorteil und Mehrwert erkennt. Oft ist aber der Preis das entscheidende Kriterium.

acquisa: Ist die umweltfreundliche Produktion denn so viel teurer?

Abt: Nein, viel teurer ist sie nicht. Aber wenn die Auftraggeber nur auf den Preis gucken statt auf die Leistung, und wenn es um die dritte Stelle hinterm Komma geht, dann verliert die umweltfreundliche Produktion.

acquisa: Die Qualität ist gleich?

Abt: Ja, sicher, Sie bekommen heute perfekte umweltfreundliche Papiere und Öko-Farben sind genauso brillant wie herkömmliche.

acquisa: Wie hoch ist der Aufwand für die Dienstleister, die sich zertifizieren lassen?

Abt: Das kostet Zeit und Geld, denn es sind interne Audits erforderlich. Hinzu kommen die Kosten für externe Zertifizierer.

acquisa: Das klingt alles sehr mühsam – warum machen Sie das überhaupt?

Abt: Wir handeln aus Überzeugung. Außerdem gibt es natürlich Kunden, die sich darüber freuen, wenn sie auf ihre Werbemittel schreiben können »Produziert mit 100 Prozent Ökostrom«. Denn es gibt Zielgruppen, die sehr umwelt- und nachhaltigkeitsaffin sind. Und ich sehe einen Trend: Die umweltfreundliche Produktion fällt heute auf einen fruchtbareren Boden als noch vor fünf Jahren. Damals hat es gar keinen interessiert. Wir lassen uns erstmal nicht unterkriegen.

Schlagworte zum Thema:  Direktmarketing, Mailing, Dialogmarketing

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