16.10.2013 | Interview mit Jonathan Kirsch

"Der B2B-Sektor sucht neue Wege, um Geschäfte anzubahnen"

"Mittelständische Firmen bekommen sehr selten Rabatte."
Bild: Business-Coupon.de

Anfang dieses Jahres ging mit Business-Coupon.de hierzulande die erste Online-Plattform für B2B-Couponing an den Start. acquisa spricht mit dem Gründer und Geschäftsführer Jonathan Kirsch über das ehrgeizige Projekt.

acquisa: Herr Kirsch, was genau ist auf Ihrer Plattform möglich und wer soll sie nutzen?

Jonathan Kirsch: Rund 99 Prozent aller Firmen in Deutschland sind mittelständisch. Doch im Gegensatz zu großen Konzernen bekommen sie keinen oder nur sehr selten Rabatte. Das wollen wir ändern. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, mittelständische Unternehmen, die keinen strategischen Einkäufer haben, für unsere Plattform zu gewinnen, sie dort zu konsolidieren und mit dieser Einkaufsgemeinschaft bei den Anbietern günstige Konditionen auszuhandeln.

acquisa: Aber B2B ist von persönlichen Geschäfts- und Lieferantenbeziehungen geprägt. Wie passt Couponing in diese Geschäftswelt?

Kirsch: Wir sehen die Plattform auch als Kontaktanbahner. Wir schaffen Kennlernangebote, die man für kleines Geld erwerben kann. Während B2C-Couponing nur Schnäppchenjäger erreicht, die beim nächsten Mal das Angebot des Wettbewerbers wahrnehmen, ist die Situation im B2B-Sektor anders. Wir fördern durch preislich attraktive Coupon-Angebote das Kennenlernen von Geschäftspartnern. Die Coupons sind dann im besten Fall die Grundlage für lang andauernde Geschäftsbeziehungen zwischen Anbieter und Nachfrager. Wir wollen von den Anbietern auch keine 80 Prozent Preisnachlass. Wir brauchen lediglich einen Mehrwert, niemand soll seine Preise ruinieren.

acquisa: Couponing über Gutschein-Portale ist im B2C-Sektor ins Stocken geraten – haben Sie keine Angst, mit Ihrer Plattform bald an diesen Punkt anzukommen?

Kirsch: Nein. Das Stocken hat uns sogar genützt, weil die Leute über das Konzept nachdenken. Das ist kein Nachteil für uns. Es gibt im B2B-Sektor wenig Innovatives, um auf sich aufmerksam zu machen. Wir agieren zudem nicht aggressiv wie manche B2C-Plattformen, sondern gehen das Thema ruhig, besonnen und mehrwertorientiert an. Außerdem agieren wir sehr leistungsbezogen. Wird kein Coupon verkauft, muss der Anbieter keine Provision an uns zahlen.

acquisa: Welche Angebote laufen auf Ihrer Plattform besonders gut?

Kirsch: Wir haben zum Beispiel für die Cebit VIP-Tickets mit Rabatt angeboten. Auch durch einen TV-Moderator individualisierte Ansagen für die Telefonanlage wurden stark nachgefragt. Nach unseren Erfahrungen funktionieren Online-Coupons für alle leicht verständlichen Produkte bis maximal 1.000 Euro gut, die auch im Nachhinein keine besondere Betreuung benötigen.

acquisa: Sehen Sie sich als Vorreiter einer großen Entwicklung oder bleibt B2B-Online-Couponing eine Nische?

Kirsch: Die Digitalisierung des Marketing ist im B2B-Sektor deutlich zu spüren. Man sucht neue Wege, um Geschäfte anzubahnen. Junge, internetaffine Führungskräfte haben zunehmend das Sagen im Mittelstand. Wie groß B2B-Couponing wird, ist noch nicht abzusehen. In den USA und UK ist es auf dem Vormarsch. Das erste Feedback hier stimmt uns optimistisch.

Schlagworte zum Thema:  Direktmarketing, Mittelstand, Kundenbindung, Online-Marketing, B2B

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