15.12.2014 | Top-Thema Interview mit Timur Vermes über "Er ist wieder da"

"Ich hab das Marketingpotenzial nicht ignoriert"

Kapitel
"Lustig, aber auch für denkende Menschen erträglich."
Bild: MissBehaviour.de

Vermes erzählt, wie es nach dem ersten Erfolg weiterging und wie es für ihn weitergehen könnte. Und welches Buch er nach Marketinggesichtspunkten eigentlich hätte schreiben sollen.

acquisa: Sie scheinen sich mit der Funktionsweise der Medienlandschaft gut auszukennen. Haben Sie das Marketingpotenzial mit eingeplant?

Vermes: Sagen wir: Ich hab’s nicht ignoriert. Aber ich hab’s nicht extra eingebaut. Nach Marketinggesichtspunkten säße ich jetzt vor dem Manuskript von "Adolf Hitler und die veganen Vampirbräute vom Zauberinternat". Und die Verlage würde es vermutlich nicht interessieren.

acquisa: Das Cover des Buches ist fast schon ikonisch. Wie kam es zustande?

Vermes: Da müssen Sie die Lübbe-Marketingabteilung und den Grafikteufel Johannes Wiebel fragen.

acquisa: Haben Sie selbst schon Werbeanfragen bekommen?

Vermes: Ich? Als Testimonial? Nö. Oder als Werbetexter? Auch nicht mein Idealjob: Ich hab mal für die Erlanger Brauerei Kitzmann ein bisschen getextet und in einem großen Vorschlagshaufen auch den Slogan abgeliefert: "Das deutsche Reich wär’ nicht versunken – hätte der Führer Kitzmann ’trunken." Wurde abgelehnt – verständlicherweise.

acquisa: Nicht nur das Buch, auch das Hörbuch ist überaus erfolgreich. Wie kam es, dass Christoph Maria Herbst als Hörbuch-Sprecher engagiert wurde?

Vermes: Das war eine sehr gute Entscheidung. Der Verlag hat’s ihm vorgeschlagen, er hat es gemocht – was wichtig ist, weil Herr Herbst sich wirklich aussuchen kann, was er einliest. In Marketing-Hinsicht war das doppelt wichtig: Neben einem exzellenten ­Sprecher kriegt man auch noch jemanden, der mit seinem Namen für ein gewisses ­humoristisches Mindestniveau steht. Zudem ist er jemand, der nicht für Geld alles einliest, sondern eine Meinung hat. Er signalisiert also: Lustig, aber auch für denkende Menschen erträglich.

acquisa: Das Buch soll, wie man hört, auch verfilmt werden. Gibt es Details?

Vermes: Superführer, Superschweiger, Supertochter, supergeil.

acquisa: "Er ist wieder da" schreit ja förmlich nach einer Fortsetzung. Wird es diese geben? Arbeiten Sie bereits daran? Oder wollen Sie doch wieder lieber für acquisa schreiben – Sie kennen ja unsere Top-Honorare …

Vermes: Eine Fortsetzung gibt’s nicht, jedenfalls habe ich bislang keinen Dreh gefunden, der sinnvoll wäre. Das kann in zwanzig Jahren anders aussehen: John Updike hat seinen "Rabbit" alle zehn Jahre auf die amerikanische Gesellschaft losgelassen, und jedes Mal eine sinnvolle, neue Momentaufnahme gezeichnet. Aber seine Figur machte eine Entwicklung durch, mein Hitler kann das nicht, der lernt ja nichts dazu.

Schlagworte zum Thema:  Marketing, Werbung

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