15.12.2014 | Top-Thema Interview mit Timur Vermes über "Er ist wieder da"

"Die Botschaft lässt sich auf dem Cover schnell vermitteln"

Kapitel
"Hitler ist für die Medien ideal nutzbar."
Bild: MissBehaviour.de

Marken und Medien spielen in dem Roman eine wichtige Rolle. Timur Vermes über die Wiederkennbarkeit seiner Hauptfigur, mediale Mechanismen - und Kritik an seinem Buch.

acquisa: Auffällig in Ihrem Buch ist die Sprache Hitlers …

Vermes: Weil bei uns praktisch niemand einen Blick in "Mein Kampf" wirft.

acquisa: Gab es diesbezüglich nicht auch jede Menge Kritik? Anfeindungen?

Vermes: Es gab professionelle und ehren­amtliche Kritiker, die das Buch nicht mochten. Das gehört dazu. Und es gab einige, die sagten: "Das kann man nicht machen." Aber bei Fragen nach dem Warum kam nie etwas Stichhaltigeres als "Weil man das eben nicht ­machen kann." Da könnte ich dann höchstens sagen: "Ich finde aber doch." Eine lohnende Diskussion kommt so nicht zustande. Schade, eigentlich.

acquisa: Welche Rolle spielen Marken als Koordinaten des Wiedererkennens für die Hauptfigur, aber auch den ­Leser?

Vermes: Dass man auf dem Cover mit Scheitel und Bart spielen kann, liegt ja auch an der Vorarbeit des Herrn Hitler. Der hat sich schon sehr bewusst wiedererkennbar gestylt. Dadurch lässt sich die Botschaft auf dem Cover schnell vermitteln: "Irgendwas mit Hitler, und unterhaltsam soll’s wohl auch sein." Sie legen aber damit auch die Messlatte hoch: Wenn die ersten 1.000 Käufer das Buch lesen und finden, dass das Versprechen nicht gehalten wird, dann hilft das ­ganze Cover nichts. Sie haben sowieso mit Misstrauen zu rechnen: Dass Leute kommen und sagen: "Das Cover ist so geil, das haben die garantiert schon ent­wickelt, bevor es das Buch gab. So gut wie das Cover kann das Buch gar nicht sein."

acquisa: Es werden in Ihrem Buch sehr viele Medien genannt. Warum stellen Sie diesen Bereich so stark heraus?

Vermes: Erstens braucht Hitler zur Umsetzung seiner Pläne die Medien. Andererseits ist Hitler für die Medien ideal nutzbar, das sieht man ja auch ohne mein Buch. Was nicht vorstellbar wäre, ist, dass mein wieder erwachter Hitler in einem Hinterhof versauert. Irgendein "Bild"- oder "Express"-Leser würde ihn aufgabeln, dann würde eine Boulevardzeitung einen Journalisten hin­schicken, der guckt, ob der Kerl wirklich so echt aussieht, dann würden sie feststellen, dass er auch so spricht – und ruckzuck sind Sie wieder in den ­Medien. Es könnte allenfalls klappen, wenn Hitler sich dezidiert zurückziehen will – aber dann haben Sie eben keinen halbwegs echten Hitler mehr, sondern Sie haben ihn sich so zurechtgebastelt, wie Sie ihn für Ihre Geschichte haben wollen. Das wollte ich nicht.

Schlagworte zum Thema:  Marketing, Werbung

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