| Interview mit Ingo Bohlken

"Wir werden den Online-Marketing-Bereich weiter ausbauen"

"Ziel ist es, die erste Adresse als neutraler Technologiedienstleister für die werbetreibende Wirtschaft zu sein."
Bild: Deutsche Post DHL

Was die deutsche Post in Sachen Online-Marketing vorhat? Warum crossmediales Marketing es oft noch schwer hat und wie sich die Digitalisierung aufs Dialogmarketing auswirkt? Antworten von Ingo Bohlken, CEO Dialogmarketing bei der Deutschen Post.

acquisa: Wird die Deutsche Post AG weitere komplementäre Unternehmen aus dem Digital Marketing zukaufen?

Ingo Bohlken: Wir beobachten den Markt sehr genau und werden den Online-Marketing-Bereich weiter ausbauen. Ziel ist es, die erste Adresse als neutraler Technologiedienstleister für die werbetreibende Wirtschaft zu sein und damit auch unsere Positionierung als der Anbieter von integrierten Dialogmarketing-Lösungen zu festigen.

acquisa: Die Zukäufe haben unter anderem das Ziel, das crossmediale Leistungsangebot der Deutschen Post auszubauen. Nun hat der Dialog Marketing Monitor 2013 ausgerechnet Defizite im Crossmedia-Marketing diagnostiziert und eine engere Verzahnung von Offline- und Online-Marketing gefordert. Nutzen die Kunden von Nuggad, Intelliad und Optivo verstärkt DM-Angebote der Deutschen Post – und umgekehrt?

Bohlken: Natürlich beziehen wir bei Crossmedia-Projekten unsere Tochterunternehmen mit ein und umgekehrt. Wir verbinden Angebote aus dem Online- und Offline-Bereich, zum Beispiel, um Zielgruppen gezielt zu identifizieren und mit synchronisierter Werbung per Post und online im Internet anzusprechen. Dazu nur mal ein gemeinsam von Nuggad und Deutsche Post Direkt entwickeltes Beispiel: Mit Zielgruppen-Insights können Unternehmen ihre Zielgruppe über eine Messung auf der eigenen Website oder dem Webshop präzise ermitteln. Das Unternehmen erhält ein Reporting, das die Besucherstruktur nach Soziodemografie und Produktinteressen aufschlüsselt. Diese online gewonnenen Ergebnisse können in die Offline-Welt übersetzt und dafür genutzt werden, die Selektion von Direktmarketingadressen für personalisierte oder teiladressierte Mailings und Sendungen zu optimieren. Auch der umgekehrte Weg ist möglich: Über "Microdialog Targeting" können Werbetreibende, die erfolgreich Zielgruppenadressen der Deutschen Post Direkt zur Neukundenansprache eingesetzt haben, diese Zielgruppen datenschutzgerecht auch in Form von Online-Display-Kampagnen erreichen.

acquisa: Warum ist es offenbar für werbetreibende Unternehmen so schwierig, crossmediales Marketing umzusetzen?

Bohlken: Tatsächlich nutzen viele Unternehmen mehrere Kanäle für ihr Marketing. Dabei werden Werbebriefe, Webseiten oder E-Mails aber immer noch unabhängig voneinander geschaltet. Der Grund, warum Werbemaßnahmen in den meisten Fällen immer noch nicht verknüpft werden, liegt in der Organisation vieler Unternehmen. Landauf, landab wird Online- und Offline-Werbung getrennt voneinander gesteuert. Es gibt unterschiedliche Abteilungen, Agenturen, Verantwortliche. Unterschiedliche Kennzahlen und Erfolgskontrollsysteme. Und gar nicht so selten konkurrieren die beiden Welten um den Erfolg und damit um das Budget. Fehlallokationen sind hier systemimmanent.

acquisa: Wie beurteilen Sie generell die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Dialogmarketing-Branche?

Bohlken: Die Digitalisierung ist ein Megatrend, der alle Branchen betrifft. Natürlich auch das Marketing und hier insbesondere das Dialogmarketing. Insofern werden Online-Medien weiter an Bedeutung gewinnen. Mit der steigenden Zahl der Werbe-Touchpoints steigen aber auch die Qualitätsanforderungen an die Dialogkommunikation. Relevante Inhalte, passgenaues Medium, richtiger Zeitpunkt – das sind online wie offline wesentliche Voraussetzungen, die Unternehmen in Zukunft erfüllen müssen, damit der Kunde bereit ist, mit ihnen zu kommunizieren.

Schlagworte zum Thema:  Online-Marketing, Direktmarketing, Dialogmarketing, E-Mail-Marketing

Aktuell

Meistgelesen