14.06.2013 | Top-Thema Interview mit Heike Scholz

"Das Smartphone ist schon heute ein zentrales Einkaufstool"

Kapitel
"Wir Deutschen zahlen schon nicht mit Kreditkarte, warum sollten wir jetzt mit dem Handy bezahlen?"
Bild: Heike Scholz

Der Handel findet sich nur schwer in der Mobile-Welt zurecht. Dabei sehen viele Experten zum Beispiel Mobile Payment als wichtiges Zukunftsfeld. Wie die Entwicklung weitergehen wird, ist offen; einen Blick in die Zukunft kann man vielleicht in Japan oder in den aufsteigenden Schwellenländern erhaschen.

acquisa: Welche Rolle spielen Mobile Marketing bzw. Smartphones im Handel? Dort steht ja gerade das Thema Multichannel sehr im Fokus …

Scholz: Der Handel war ja lange sehr misstrauisch gegenüber Mobile, wegen der Möglichkeit des Preisvergleichs etc. Aber er musste etwas tun, um den Menschen ein neues Kauferlebnis zu bieten, das sie bindet. Immerhin ist das Smartphone schon heute ein zentrales Einkaufstool. Shopping ist in den Umfragen immer unter den Top-5-Tätigkeiten der Handy-Nutzer. Allerdings habe ich noch kein wirklich gutes Konzept gesehen. Der Handel hat zu lange mit dem Preisargument gearbeitet, das geht jetzt nach hinten los.

acquisa: Wie schätzen Sie die Entwicklung in Sachen Mobile Payment am Point of Sale ein?

Scholz: Das Thema ist nicht isoliert zu sehen. Wir Deutschen zahlen schon nicht mit Kreditkarte, warum sollten wir jetzt mit dem Handy bezahlen? Der Standard kann NFC werden, aber auch da haben wir noch einen weiten Weg vor uns. Mobile Payment wird erst in zwei, drei Jahren massentauglich sein, denn es ist nicht so trivial wie andere Dinge, die wir mobil bereits tun. Und dann muss es sich noch im Massenmarkt durchsetzen. Das wird nur gelingen, wenn es in einem Wallet mit anderen Services wie dem Erwerb von Tickets, Schlüsseln, Kundenkarten etc. gekoppelt ist.

acquisa: Asien gilt als Vorreiter des Mobile Marketing? Ist dem noch so?

Scholz: Mobile Advertising in Japan ist einen Schritt weiter. Dies gilt auch für die Social-Media-Kanäle. Im japanischen Pendant zu Whatsapp, Line, sind die Marken zum Beispiel schon als Avatare vertreten. An den Schnittstellen von Mobile und Social Media tut sich dort viel. Ansonsten bin ich ein wenig vorsichtig. Sicher ist: Wir werden in Zukunft sehr viel aus Ländern wie Indien oder China sehen. Deren Lösungen sind allemal spannender als das, was oftmals aus Europa und den USA kommt. Allerdings handelt es sich dabei oft um Entwicklungen für Schwellenländer, die wir hier gar nicht brauchen.

Schlagworte zum Thema:  Mobile Marketing, Dialogmarketing, Marketing

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