14.06.2013 | Top-Thema Interview mit Heike Scholz

"Beim Mobile Marketing kommt es schneller zur Reaktanz"

Kapitel
"Auf den großen Shift der Budgets warten wir noch."
Bild: Heike Scholz

In den Köpfen von Führungskräften und Marketern muss sich noch einiges tun. Denn Mobile ist nicht einfach ein kleinerer Online-Screen. Sondern ein sehr persönlicher Kanal, der spezielle Werbung erfordert.

acquisa: Und wie sieht es beim Mobile Advertising aus? Wie verhalten sich die Branchen, die traditionell viel Geld für Werbung ausgeben?

Scholz: Mobile Advertising ist wieder etwas anderes. Da sind die Automobilhersteller vorne dabei, und natürlich auch die Telekommunikationsunternehmen. Auch die FMCG-Produzenten sind hier schon sehr rührig. Oder Unternehmen wie die Lufthansa. Da wird nicht geschlafen. Aber auf den großen Shift der Budgets warten wir noch. Das ist noch nicht in den Köpfen der Entscheider, wird aber kommen. Und der Erfolg ist bei Maßnahmen in Mobile auch gut messbar.

acquisa: Wie absatzorientiert kann Mobile Marketing sein?

Scholz: Das Smartphone hat ja den Vorteil, dass es portabel ist und weiß, wo es sich befindet. Wir können die Leute also bei spontanen Kaufentscheidungen kriegen. Das kann dann auch zu Kaufimpulsen führen. Google hat im Zusammenhang mit der mobilen Suche – natürlich – interessante Untersuchungen gemacht. Es wurde herausgefunden, dass rund 40 Prozent der Leute eine Entscheidung treffen, wenn sie bei der Suche auf ihrem mobilen Endgerät Werbung sehen. Die Reaktion erfolgt aber nicht immer über den Mobile-Kanal, sondern die Kunden wechseln den Kanal, weil die mobilen Angebote oft noch nicht ausgereift sind. Leider wird Mobile vielfach noch als kleiner Online-Screen gesehen und dadurch völlig falsch eingesetzt.

acquisa: Wie viele User reagieren eigentlich auf Mobile Ads? Wie muss Mobile Marketing aussehen, damit die User nicht zum Werbeblocker greifen? Da gibt es ja Bemühungen von Seiten der Hersteller, deren Nutzung einzuschränken …

Scholz: Die Untersuchungen zu diesem Thema unterscheiden sich nicht besonders von denen zum klassischen Online-Marketing. Gut gemachte Werbung, die den Kunden zur richtigen Zeit am richtigen Ort mit der richtigen Botschaft erreicht, trifft auf Akzeptanz. Allerdings darf sie nicht zu sehr stören. Denn dass es zur Reaktanz kommt, ist beim Mobile Marketing schneller passiert. Weil Smartphones extrem persönlich sind. Ein Tablet gibt man eher mal an jemanden weiter. Ebenfalls wichtig: Man darf den User nicht enttäuschen. Er darf nicht den Eindruck gewinnen, dass es nur darum ging, ihn auf eine übliche Webseite zu locken.

Schlagworte zum Thema:  Mobile Marketing, Dialogmarketing, Marketing

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