26.03.2014 | Top-Thema Interview mit Dieter Brandes

"Mit zu vielen Informationen und Datenmassen geht oft die Orientierung verloren"

Kapitel
"Wozu braucht ein Filialunternehmen für jeden Markt und jeden Monat die Kennzahl Umsatz pro Quadratmeter?"
Bild: Institut für Einfachheit

Big Data hin oder her - in der Beschränkung auf das Wesentliche liegt für Brandes die eigentliche Meisterschaft. Auch wenn der Kunde manchmal nach Vielfalt verlangt.

acquisa: Big Data und Analytics sind zwei Begriffe, die eher für mehr als für weniger Komplexität stehen. Setzen Unternehmen auf das falsche Pferd?

Brandes: So ist es. Mit zu vielen Informationen und Datenmassen geht oft gerade die notwendige Orientierung und der Blick auf das Wesentliche verloren. Man verzettelt sich im "Nice to have", denn die Computer können alles. "Not less is more but just enough is more", formuliert der amerikanische Designer Milton Glaser. Fast immer haben wir zu viel von allem. In der Beschränkung auf das Wesentliche liegt die Meisterschaft. Wozu braucht ein Filialunternehmen für jeden Markt und jeden Monat die Kennzahl Umsatz pro Quadratmeter?

acquisa: Früher gab es bei Aldi genau eine Form von Marmelade in vielleicht drei Geschmacksrichtungen. Heute kann man zwischen allen möglichen Angeboten wählen. Will der Kunde überhaupt Einfachheit – oder Vielfalt?

Brandes: Der Kunde will in der Regel beides. Einfachheit hilft ihm bei der Auswahl. Vielfalt möchte er auch. Allerdings erschwert ihm die Vielfalt leicht die Orientierung, und die Einfachheit geht verloren. In einem Supermarkt zählte ich 160 Joghurt-Sorten. Aldi war früher der Laden der Einfachheit für den Kunden. Heute nähert sich Aldi mit mehr als 2000 Artikeln dem traditionellen Supermarkt.

Schlagworte zum Thema:  Management, Marketing, Big Data, Kundenservice, Handel

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