26.03.2014 | Top-Thema Interview mit Dieter Brandes

"Komplexität entsteht durch unklare Ziele"

Kapitel
"Manche Unternehmen können nicht klar, überzeugend und einfach erklären, warum die Kunden gerade ihr Produkt kaufen sollten."
Bild: Institut für Einfachheit

Komplexität killt Umsatz. So sieht das die überwiegende Mehrheit der Führungskräfte. Warum wird dennoch alles komplexer? Weil die Ziele unklar sind und der Mut zum Verzicht fehlt.

acquisa: Sie plädieren für Einfachheit. In den meisten Unternehmen erlebt man das Gegenteil.

Dieter Brandes: Sie haben Recht. Überall begegnen wir einer immer weiter um sich greifenden Komplexität. Die Berater von Bain & Co. befragten 2012 weltweit 400 Führungskräfte, von denen 80 Prozent die interne Komplexität und nicht etwa mangelndes Marktpotenzial für den "lautlosen Killer" profitablen Wachstums hielten. Eine rasante Zunahme von Komplexität beobachten wir zudem in der Umwelt, bei der Globalisierung, im Internet und in der staatlichen Gesetzgebung.

acquisa: Wenn keiner Komplexität möchte: Woher kommt sie denn dann?

Brandes: Komplexität entsteht durch unklare Ziele und besonders auch dann, wenn der Mut zum Verzicht fehlt, wenn alles das gemacht wird, was möglich ist. Nice to have heißt die Falle. Auch Angst vor Fehlern und der damit verbundene Hang zur Perfektion begünstigen komplexe Systeme und Regeln. Viele Elemente und vielfache Verbindungen zwischen diesen Elementen begründen die Komplexität. Manche Unternehmen können nicht klar, überzeugend und einfach erklären, warum die Kunden gerade ihr Produkt oder in ihrem Laden kaufen sollten. Andere ermitteln mühsam die Kosten von Betriebsprozessen, um diese zu verringern. Kosten kann man aber auch reduzieren, ohne sie vorher zu errechnen. Fast alle verschwenden Energie und Zeit mit der Quantifizierung von Jahreszielen für die Mitarbeiter. Umfangreiche Bonussysteme und Budgeting-Prozesse sind weitere Komplexitätstreiber.

Schlagworte zum Thema:  Management, Marketing, Big Data, Kundenservice, Handel

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