| Interview mit Christian Rees

"Fulfillment bietet die Möglichkeit, sich vom Wettbewerb zu differenzieren"

"Das Geschäft brummt."
Bild: Baur Fulfillment Solutions

Mitte 2012 trat bei der oberfränkischen Baur-Tochter Baur Fulfillment Solutions (BFS) in Burgkunstadt ein neues Führungstrio an, um den Betrieb zukunftsfähig zu machen – der Fulfillment-Dienstleister hatte damit zu kämpfen, des enormen Wachstums Herr zu werden. BFS arbeitet für Baur und Otto, aber auch für Mandanten wie S.Oliver oder Fressnapf. BFS-Geschäftsführer Christian Rees im Interview.

acquisa: Herr Rees, wie laufen die Geschäfte?

Christian Rees: Glücklicherweise gut. Bei unseren Kunden läuft es sehr, sehr gut und so brummt auch bei uns das Geschäft.

acquisa: Sie sind vor gut eineinhalb Jahren mit zwei Kollegen angetreten, um BFS für das schnelle Wachstum fit zu machen. Was haben Sie konkret getan?

Rees: Es gibt zwei Arten von Problemen: Wachstum und Schrumpfung. Wachstum ist das schönere. Wir haben uns für ein neues ERP-System entschieden, das uns eine höhere Flexibilität bietet. Im Distanzhandel wird die IT ständig angepasst – da braucht man als Fulfillment-Dienstleister ebenfalls sehr anpassbare Systeme. Zugleich haben wir ein neues Lagerverwaltungssystem etabliert. Eigentlich dürfte man nur ein Projekt auf ein Mal anschieben, aber wir mussten das zeitgleich tun – und es ist nahezu reibungslos gelaufen.

acquisa: Mit dem boomenden Onlinehandel wachsen auch die Ansprüche an Fulfillment-Dienstleister.

Rees: Ja, die Produkt- und Dienstleistungsvielfalt nimmt zu. Auch unsere Kunden möchten die Ware am nächsten Tag zu niedrigen Kosten geliefert haben. Zudem liegt heute im Trend, dass Fulfillment-Dienstleister ihre Kunden beraten. Wir machen Konzepte und Beratung, um die Prozesse unserer Kunden zu optimieren, denn wir haben die Prozesse im Griff und langjähriges Versandhandels-Know-how.

acquisa: Wird diese Expertise von den Auftraggebern belohnt oder herrscht ein Preiskampf?

Rees: Der Preiskampf herrscht insbesondere im logistischen Bereich. Ansonsten helfen Systeme und intelligente Steuerung: Wir testen derzeit mit dem neuen System alle Möglichkeiten, um Geschwindigkeits- und Kostenvorteile zu erzielen, die wir an unsere Kunden weitergeben. Fulfillment sollte aber nicht nur als Kostenfaktor gesehen werden: Es bietet den Händlern die Möglichkeit, sich durch einen hohen Servicelevel vom Wettbewerb zu differenzieren.

acquisa: Wenn Sie einen Fehler machen, haben ihre Kunden ein Problem und umgekehrt. Führt diese gegenseitige Abhängigkeit zu einer partnerschaftlicheren Dienstleister-Auftraggeber-Beziehung?

Rees: Ja, denn je größer und je verwobener das Geschäft, desto partnerschaftlicher ist die Beziehung. Wenn Auftraggeber uns ihre Prozesse vom Kundendialog bis zum Zahlungsmanagement anvertrauen, ist das ein immenser Vertrauensbeweis. Das geht nur, wenn man ein Verhältnis auf Augenhöhe pflegt.

Bewegung kam jüngst in den Fulfillment-Markt, als Arvato die insolvente Netrada Gruppe übernommen hat.

Schlagworte zum Thema:  Versandhandel, E-Commerce, Vertrieb, Direktmarketing, Dialogmarketing

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