14.10.2013 | Top-Thema Interview mit Hans-Willi Schroiff

"Marktforschung ist ein hervorragender Vorlagengeber"

Kapitel
"Die generative Kraft für neue Produktideen muss im Unternehmen selbst liegen."
Bild: Innochainge

Neue Produktideen müssen aus dem Unternehmen selbst kommen, denn Innovationen sind der Kern der Wertschöpfung. Die Rolle des Crowdsourcing ist eher eine ergänzende. Die Marktforschung ist allerdings kein Allheilmittel zur Prognose von Produkterfolgen.

acquisa: Was hilft denn Marktforschung im Vorfeld? Wie valide sind die Daten, die so ermittelt werden?

Schroiff: Es gibt wohl zu keinem Thema so viel Missverständnisse wie über die Funktion der Marktforschung in der Prognose von Produkterfolgen. Leider trägt die Marktforschungsbranche in Deutschland auch noch erheblich dazu bei, diesen Eindruck zu vergrößern, indem sie permanent Lippenbekenntnisse leistet, was denn die Aussage- und Prognosekraft ihrer teilweise ganz unterschiedlichen Tools angeht. Wir beide halten Marktforschung für absolut essenziell, aber wir würden nie so weit gehen und ihr Fähigkeiten zuschreiben, die sie nicht besitzt. Marktforschung ist unverzichtbar in der Abbildung der aktuellen Marktrealitäten und Konsumenten-Befindlichkeiten und erarbeitet damit die Grundlage zu einem tiefen Verständnis dessen, was Verbraucher aktuell bewegt. Aber wir sehen deutliche Grenzen im nächsten zwingenden Schritt – in der kreativen Extrapolation des Hier und Jetzt in einen neues Konsumenten-zentriertes Produktangebot. Marktforschung ist ein hervorragender Vorlagengeber, aber das Tor muss eine professionell agierende Marketingfunktion im Unternehmen schießen. Nicht im Alleingang, sondern mit der gesamten Mannschaft.

acquisa: Ist Crowdsourcing ein Ausweg aus der Malaise?

Schroiff: Wir sehen einen großen inspirativen Nutzen beim Crowdsourcing darin, das Spektrum an Eindrücken zu erweitern, indem wir uns anhören, welche Vorstellungen die Konsumenten bezüglich der Ausgestaltung von Produkten haben. Aber wer unser Buch liest, wird feststellen, dass wir unabdingbar daran glauben, dass die generative Kraft für neue Produktideen im Unternehmen selbst liegen muss, und zwar in erster Linie in einer Konsumenten-zentrierten Marketingfunktion. Der Konsument kann uns darin trefflich unterstützen, aber wir sollten es nicht so weit kommen lassen, unser eigenes Ideenvakuum durch Verbraucher füllen zu lassen. Wer die Crowd als Fußvolk für Ideenlose nutzt, hat nicht verstanden, wo die Wertschöpfung im Marketingprozess liegt. Und hier zählen wir im Unternehmen auf eine fruchtbare Kombination von Wissen, Verstehen, Kreativität, Design-Thinking, Risikobereitschaft und vor allem unternehmerisches Denken und Handeln. Neues entsteht, indem man Altes gezielt über Bord wirft und sich als Unternehmen in seinem genetischen Code fortwährend den sich verändernden Marktbedingungen anpasst.

Schlagworte zum Thema:  Marktforschung, CRM, Vertrieb, Marketing

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