29.01.2015 | Mittelstand

Viele Unternehmen erkennen die Chancen der Digitalisierung noch nicht

Die Agrarwirtschaft setzt sich intensiv mit der Digitalisierung auseinander.
Bild: Haufe Online Redaktion

Auch wenn sich der Mittelstand der digitalen Transformation bewusst ist, fehlt es noch an Visionen und Strategien für den Umgang damit. Das zeigt eine Studie.

Über drei Viertel der mittelständischen Unternehmen in Deutschland erwarten, dass sich durch die Digitalisierung die wirtschaftlichen Abläufe hinsichtlich Geschwindigkeit, Möglichkeiten und Reichweiten grundlegend ändern werden. Und sie sehen ohne zunehmende Digitalisierung ihre eigene Wettbewerbsfähigkeit in Gefahr. Dennoch ist nur bei jedem zweiten Unternehmen die Digitalisierung auch ein Bestandteil der Unternehmensstrategie. Für fast die Hälfte der Unternehmen spielt die Digitalisierung der Geschäftsprozesse hingegen derzeit gar keine oder nur eine geringe Rolle. Das zeigen die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage von Gfk Enigma im Auftrag der DZ Bank.

In den Firmen, die die Digitalisierung strategisch angehen, treiben 30 Prozent das Thema aktiv voran, der Rest reagiert lediglich auf Kundenwünsche oder Wettbewerbsanforderungen. "Der Handlungsdruck scheint gering, weil es dem Mittelstand derzeit wirtschaftlich gut geht“, sagt Stefan Zeidler, Firmenkundenvorstand der DZ Bank. "Insgesamt ist das Thema Digitalisierung für viele Unternehmen noch schwer zu fassen, so dass die Angst vor den Risiken, wie die fehlende Datensicherheit oder die Abhängigkeit von der Technik, die Chancen noch klar überlagert."

Bei den wahrgenommenen Chancen der Digitalisierung stehen die Effizienzgewinne und damit verbundene Kosteneinsparungen im Vordergrund. Welche Chancen die Digitalisierung für den Vertrieb, die Kundenansprache oder für das Erschließen neuer Märkte bietet, erkennen die wenigsten Unternehmen, so Zeidler.

Mit steigender Umsatzgröße, ab 25 Millionen Euro pro Jahr, wächst auch die Bedeutung der Digitalisierung in den Unternehmen. In dieser Umsatzgrößenklasse spielt dieses Thema für mehr als 60 Prozent der befragten Unternehmen eine wichtige Rolle. Dagegen sind es mit einem Anteil von 70 Prozent vorwiegend die kleinen Unternehmen mit einem Umsatz unter fünf Millionen Euro pro Jahr, für die der Einsatz digitaler Technologien im Herstellungs- und
Wertschöpfungsprozess derzeit keine oder nur eine geringe Rolle spielt.

Grundsätzlich gehen 82 Prozent der Unternehmen davon aus, dass Digitalisierung notwendig ist, um wettbewerbsfähig zu bleiben.  Nahezu jedes zweite Unternehmen gibt an, dass der Einsatz digitaler Technologien bereits heute die
eigene Branche verändert habe. Zwei Drittel der Befragten sagen daher auch, dass die Digitalisierung der Geschäftsprozesse perspektivisch eine sehr wichtige oder wichtige Rolle spielen wird.

Die Unternehmen, für die Digitalisierung derzeit bereits relevant ist, verfügen laut Studie über ausreichend qualifizierte Mitarbeiter. Das für digitale Technologien zur Verfügung gestellte Budget ist jedoch überschaubar und wird auch in den kommenden drei Jahren kaum ansteigen. Bei knapp der Hälfte der Unternehmen sind lediglich bis zu fünf Prozent vom Gesamtbudget für Investitionen in Digitalisierungsvorhaben eingeplant.

Führend beim Einsatz digitaler Technologien ist laut Umfrage die Agrarwirtschaft. Hier spielt die Digitalisierung für 74 Prozent der Befragten bereits heute eine sehr wichtige bzw. wichtige Rolle. Weitere Vorreiter beim Thema Digitalisierung sind die Unternehmen aus der Ernährungs- und Tabakbranche, von denen 64 Prozent die Bedeutung der Digitalisierung schon heute als sehr wichtig oder wichtig einstuften. Schlusslicht bildet - trotz E-Commerce-Konkurrenz - der Handel, für den überproportional häufig (45 Prozent) Digitalisierung heute noch unbedeutend erscheint.

Befragt wurden 1.000 Inhaber und Geschäftsführer mittelständischer Unternehmen in Deutschland mit einem Jahresumsatz zwischen 500.000 und 125 Millionen Euro.

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Schlagworte zum Thema:  Digitalisierung, Internet der Dinge, Mittelstand

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