0

| Live-Kommunikation

"Event-Marketing ohne Social Media? Undenkbar!"

"Event-Marketing ist unendlich viel mehr als Sekt und Häppchen", sagt Detlef Wintzen.
Bild: insglück

Events sind heute fester Teil der Kommunikation von Unternehmen. Oft sogar der wichtigste. Und Live-Kommunikation ist nicht mehr denkbar ohne Social Media. Das erfordert hohe Kompetenz von allen Beteiligten, meint Detlef Wintzen, Geschäftsführer der Agentur insglück und Vorstand im Branchenverband Famab.


Welche Rolle spielt Live-Kommunikation heute im Marketing-Mix? Hat sich da etwas verändert im Vergleich zu früher?

Einen wirklichen Bruch gab es Ende der 1990er Jahre. Etwa mit der Jahrtausendwende gab es, zum Teil auch nach den Anschlägen von 9/11, einen starken Einschnitt. Zu diesem Zeitpunkt hat sich die gesamte Event-Marketingbranche verändert. Ich würde sagen, ab da begann die eigentliche Professionalisierung. Was auch an der extremen Zunahme der Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten in diesem Bereich ablesbar ist.  Warum? Weil der Event für viele Unternehmen zu einem wirklichen Kommunikationsinstrument wurde.

In vielen Branchen ist Live-Marketing heute nicht nur ein Mittel im Marketing-Köcher, sondern das eine und entscheidende. Das sieht man schon an der Entwicklung der Spendings. Die haben in den letzten 15 Jahren ihr Volumen immer weiter vergrößert, nur Digitalmarketing weist vergleichbare Wachstumsraten auf. Kurz gesagt: Live- und Digitalmarketing sind die großen Gewinner.

Welche Branchen setzen denn vor allem auf Live-Marketing?

Im Pharmabereich ist Live-Kommunikation das entscheidende Instrument, weil dort aus Kodex-Gründen viele andere Formen der Werbung schwierig sind – oder zumindest enorm eingeschränkt. Und die Automobilbranche ist ohne die gut inszenierten Live-Präsentationen ihrer Modelle für ihre Stakeholder gar nicht denkbar.

Wichtig ist aber auch der ganze Bereich der internen Events – vom Jahresauftakt-Kickoff für den Vertrieb über die Vorstellung neuer Produkte bis hin zu umfangreichen Veranstaltungen im Rahmen von Change-Prozessen: Auch innerhalb der Unternehmen sind Events der beste Weg der Kommunikation. Denn was gibt es sonst? Vielleicht das Intranet oder die Mitarbeiterzeitung, aber damit erreicht man die Mitarbeiter nur mittelbar und oftmals nicht dialogisch.

Wie wichtig sind Social Media heute als Teil des Events?

Sie sind schlicht unverzichtbar. Das beginnt bei der digitalen Vorfeldkommunikation mit den Zielgruppen, geht über das Live-Streaming oder den Einsatz anderer digitaler Tools bei der eigentlichen Veranstaltung bis hin zur Social-Media-Nachbereitung der generierten Bilder und Informationen. Viele Events werden heute direkt live übertragen, auf Youtube oder auf der Unternehmensseite, bei Google Plus oder sonstwo.

Und auch während der Veranstaltung wird getwittert, gevotet und gepostet. Es gibt kaum noch einen Event, bei dem Social Media nicht Bestandteil des Geschehens wären. Das bedeutet für die Agenturen, dass sie Social-Media- und digitale (Kommunikations-) Kompetenz haben müssen. Ohne das geht es nicht mehr. Social Media bringen der Live-Kommunikation neue Wege für die Aufmerksamkeitserzeugung und die Wahrnehmung in den Zielgruppen; es ist fast wie das Erreichen einer neuen Stufe in der Live-Kommunikation.

Gilt "je doller, desto besser"? Anders gefragt: Müssen Events möglichst spektakulär sein – oder worauf kommt es an?

In den 1990er Jahren galt vielfach "Es muss krachen". Es gab viel Tamtam, und die Inhalte spielten keine oder eine sehr untergeordnete Rolle. Doch mit dem neuen Jahrtausend hat sich die Branche – wie gesagt – sukzessive professionalisiert. Und sie tut dies immer noch. Wie die digitale Kommunikation ist auch die Live-Kommunikation eine junge Branche – nicht älter als 20 Jahre und gerade erwachsen geworden. Und in den Jahren der Professionalisierung ist viel passiert, die Spreu hat sich vom Weizen getrennt. Heute geht es verstärkt um die Vermittlung von Inhalten, Haltungen und Techniken. Und darum, dies emotional packend und direkt zu vermitteln. Wer Live-Kommunikation erfolgreich machen möchte, braucht heute umfassende Fachkenntnis, Verständnis für die Spezifika der jeweiligen Branche, für die er tätig ist, und deren speziellen Anforderungen und Herausforderungen.

Es macht einen Unterschied, ob der Event sich an Kunden, an die Presse, an Mitarbeiter oder Shareholder richtet. Erst dann kann man das Produkt, die Marke inszenieren und darstellen. Natürlich hängt das auch davon ab, welche Art von Events man macht. Aber wenn es um Corporate Events geht, ist Kompetenz in den genannten Dingen unabdingbar, um den hohen Ansprüchen der Unternehmen zu genügen. Nur eine nette Band auf die Bühne zu stellen, reicht schon lange nicht mehr. Live-Kommunikation ist unendlich viel mehr als Sekt und Häppchen.

Das komplette Interview mit Detlef Wintzen lesen Sie in der Februarausgabe von acquisa mit dem Schwerpunkt Event-Marketing.



Haufe Online Redaktion

Event, Marketing, Social Media, Live-Marketing

Aktuell

Meistgelesen