05.11.2012 | Interview mit Walter Plötz

"Es hat sich enorm viel getan"

"Wir dürfen vor lauter technischer Machbarkeit nicht den Blick für die Kreativität verlieren."
Bild: Walter Plötz

Von 2002 bis 2007 war Walter Plötz bereits Juryvorsitzender des Deutschen Dialogmarketing Preises (ddp). Nun ist er wieder Kopf des Gremiums. Mit uns sprach das Gründungsmitglied und Managing Partner von Defacto kreativ Hamburg über Vergangenheit und Zukunft des Dialogmarketing und des ddp.

acquisa: Der ddp wird 30 Jahre alt. Wie sehen Sie als Kreativer den Entwicklungsbogen, den das Dialogmarketing über die Jahre genommen hat?

Walter Plötz: Es hat sich enorm viel getan. Die ersten ddp-Jahre waren naturgemäß geprägt vom Medium „Mailing“. Heute gibt es jede Menge Kanäle, die beim ddp bewertet werden. Früher stand das reine Verkaufen im Vordergrund, heute ist Dialogmarketing eine wichtige Säule der Markenkommunikation. Zu dieser Entwicklung hat natürlich auch das Digitale beigetragen, dass es in den ersten 10 bis 15 ddp-Jahrgängen noch nicht gab. Fast alle großen Versandhändler forcieren zum Beispiel die Investitionen ins Digitale. Das Papier wird heute dagegen eher für Premium-Aussendungen genutzt. Dort findet man viele tolle Ideen für spannende und kreative Mailing-Erlebnisse.

acquisa: Alle sprechen vom datengestützten Dialog. Wie gehen Kreativität und datengetriebenes Marketing zusammen?

Plötz: Das ist ein schwieriges Feld. Wir dürfen vor lauter technischer Machbarkeit nicht den Blick für die Kreativität verlieren. Da Kreativität im Dialogmarketing aber immer auf eine bestimmte Zielgruppe ausgerichtet sein muss, sind wir auch abhängig von der Generierung von Daten und ihrer sorgfältigen Pflege. Wir müssen unsere Zielgruppen kennen, um ihr kreativ begegnen zu können.

acquisa: Im Kreativbereich ist die alte Diskussion um den Sinn von Awards wieder entbrannt. Wie sehen Sie das allgemein und für den ddp?

Plötz: Es ist schade, dass diese Diskussion geführt werden muss, denn gute Kreative wollen Awards gewinnen. Awards sind Aushängeschild für die Agentur und Motivation für die Mitarbeiter. Anscheinend nehmen aber manche Agenturen sehr viel Geld in die Hand, um Goldideen eigens für Wettbewerbe zu kreieren. Deshalb würde ich mir wünschen, dass bei ADC und Co. mehr echte Arbeiten eingereicht werden. Bei einem Spezialwettbewerb wie den ddp haben wir damit allerdings weniger zu kämpfen. Er ist der einzige Wettbewerb, der erstens nur Dialogmarketing bewertet und zweitens dabei neben Kreativität auch Markterfolg prüft. Gleichwohl untersucht das Steering-Komitee natürlich alle ddp-Arbeiten auf Fake-Gesichtspunkte. Wir hoffen, dass die Diskussion um Awards keine Auswirkungen auf die Zahl der Einreichungen beim ddp hat.

acquisa: Sie sind nach 2002 bis 2007 zum zweiten Mal Juryvorsitzender. Was können Sie uns über die kommende Ausschreibung verraten?

Plötz: Wir haben im letzten Jahr einiges verändert, damit bilden wir alle wichtigen Dialogmarketing-Kategorien ab. Der ddp ist damit modern aufgestellt. Deshalb setzen wir in diesem Jahr auf Kontinuität. Auch die Preisverleihung wird wieder in Berlin stattfinden. Neue Gesichter gibt es allerdings in der Jury, zum Beispiel neue Kreativ-Kollegen aus Österreich und der Schweiz. Das beflügelt den ddp immer wieder.

Schlagworte zum Thema:  Online-Marketing, Mailing, Agentur, Direktmarketing, Dialogmarketing

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