08.07.2016 | Call-Center-Markt

"Wachstum liegt nicht mehr allein in unserer Hand"

Um mit der rasanten Entwicklung auf dem Call-Center-Markt mithalten zu können, sind enorme Investitionen und Skaleneffekte nötig. Deshalb haben die beiden Buw-Gründer ihr Unternehmen an Convergys verkauft, sagt Jens Bormann.
Bild: Haufe Online Redaktion

Convergys, die weltweite Nummer 2 im Call-Center-markt, übernimmt das Call-Center-Geschäft von der Buw Unternehmensgruppe aus Osnabrück. Jens Bormann, einer der beiden Gründer, erklärt, warum sie verkauft haben und warum gerade jetzt. Tenor: Wachstum sei für ein mittelständisches Unternehmen nicht mehr allein zu finanzieren. 

Herr Bormann, Sie und Ihr Partner Karsten Wulf haben das Call-Center-Geschäft von Buw verkauft. Warum?

In den vergangenen Jahren hat sich der Call-Center-Markt in Deutschland komplett gedreht. Jeder nationale Player muss sich der Globalisierung stellen, egal wie stark er auf dem Heimatmarkt ist. Marken wie Apple, Nike und andere schreiben heute nur noch global aus, wenn man da mitmachen möchte, muss man global aktiv sein. Und das geht aus der Position eines deutschen Mittelständlers nicht. Wir brauchten also einen globalen Investor. Denn man muss massiv in Technologie investieren, die Digitalisierung lässt einem gar keine Wahl. Und außerdem sind viele Projekte heute so strukturiert, dass man erst einmal Geld vorstrecken muss, bis die ersten Calls überhaupt getätigt werden.

Wachstum aus eigener Kraft ist nicht mehr möglich?

Wir sind in 23 Jahren von einem 2-Studenten-Start-up zu Europas größtem inhabergeführten Call-Center-Dienstleister geworden. Wir sind die Nummer 3 in Deutschland und wissen, wie Wachstum geht. Aber bei den heutigen Marktbedingungen liegt Wachstum nicht mehr allein in unserer Hand. Wir sind froh, mit Convergys einen starken Partner gefunden zu haben, der unser Wunschpartner war und der die Call-Center-Sparte von Buw in die Zukunft führen kann und wird. Er übernimmt alle unsere 16 Standorte und die 6.000 Mitarbeiter. Das war uns wichtig: Die Zukunft unserer Mitarbeiter und ihrer Familien zu sichern.

Und Sie wollen den Weg nicht weiter mitgehen?

Karsten Wulf und ich haben das Unternehmen gegründet und bis heute als geschäftsführende Gesellschafter geführt. Wer das erlebt hat, taugt nicht dazu, sich in Konzernstrukturen einzugliedern. Deshalb war immer klar und auch Bedingung für den Kaufvertrag, dass wir beide mit der Unterschrift ausscheiden.

Und was machen Sie jetzt? Golfen?

Ich selber werde die Unternehmen Buw consulting, Buw digital und Dialogum weiterführen. Ich freue mich darauf, quasi im Start-up-Modus weiter die Themen Kundenmanagement und digitale Transformation voranzutreiben. Ich habe Karsten Wulf seine Anteile an diesen bisherigen Tochterunternehmen abgekauft. Er und ich gemeinsam werden weiterhin Buw Finance führen.


Weiterführende Links:

Convergys übernimmt Buw Unternehmensgruppe

Digitale Transformation – ohne Strategie und Bereitschaft geht es nicht

Schlagworte zum Thema:  Call-Center, Kundenmanagement, Digitalisierung

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