| Digitalisierung

Versicherungswirtschaft steht vor großem Umbruch

Die Versicherungswirtschaft wird nur langsam digitaler, begreift den Trend jedoch als Chance.
Bild: Haufe Online Redaktion

Die Versicherungswirtschaft hat erkannt, dass die Digitalisierung ihr Geschäft stark verändern wird. Die Tragweite scheint allerdings noch nicht allen bewusst zu sein, sonst wäre das Vorgehen nicht explorativ, sondern strategisch.

Drei Viertel der internationalen Versicherungsentscheider gehen fest davon aus, dass die Digitalisierung ihre Branche in den nächsten fünf Jahren maßgeblich verändern wird (mehr über die digitale Revolution im Finanzsektor). Knapp 60 Prozent rechnen in den kommenden drei Jahren mit starken Zukäufen im Bereich digitaler Versicherungs-Start-ups, um sich in puncto Digitalisierung besser aufzustellen. So lautet das Ergebnis einer Studie von Accenture, für die (digitale) Führungskräfte von 141 Versicherern aus 21 Ländern befragt wurden (darunter elf aus Deutschland).

Auf der Einkaufsliste stehen demnach Unternehmen aus den Bereichen Telematik (47 Prozent), Big Data und Analytics (38 Prozent) sowie (Preis-)Vergleichsportale (43 Prozent). 43 Prozent der Befragten haben zudem bereits Start-ups übernommen oder planen dies in naher Zukunft. 

Bisher haben die Versicherer vor allem in mobile Kommunikation und Apps (68 Prozent), Data-Mining und Systeme zur Betrugsprävention (59 Prozent) sowie Social Media Monitoring (54 Prozent) investiert.

"Die Versicherungswirtschaft hat erkannt, dass die Digitalisierung ihr Geschäft stark verändert. Wir sehen auf die Branche eine bisher noch nicht dagewesene Ära des Wandels zukommen, die in der Konsequenz zu völlig neuen Produkten, Services und Geschäftsmodellen führen wird", sagt Dr. Markus Wersch, Leiter des Bereichs Versicherungswirtschaft bei Accenture in Deutschland. "Zielgerichtete Zukäufe spielen hier eine wichtige Rolle, gerade um mit der rasanten technologischen Entwicklung Schritt zu halten."

Für digitale Initiativen planen Sach- und Unfallversicherer im Durchschnitt Investitionen in Höhe von 47 Millionen US-Dollar für die kommenden drei Jahre ein. Im gleichen Zeitraum wollen Lebensversicherer im Schnitt jeweils 40 Millionen US-Dollar investieren.

Allerdings fehlt dabei offenbar eine klare strategische Verankerung: So betrachten 60 Prozent der Versicherer ihre digitalen Investitionen als "explorativ". Lediglich 22 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass die getätigten Investments ihres Unternehmens in disruptive Innovationen fließen und damit einen tatsächlichen Transformationsprozess im Unternehmen anstoßen. Als Umsetzungshindernisse für die Digitalstrategie gaben 45 Prozent der Versicherungsentscheider "Altsysteme" und bestehende IT-Strukturen an, gefolgt von einem Mangel an Expertise (30 Prozent).

Kooperation statt Strategie?

Entsprechend fehlt einem Fünftel (21 Prozent) der befragten Versicherer eine wirkliche digitale Strategie, und ein knappes Drittel (32 Prozent) beschränkt seine Ambitionen lediglich auf die Digitalisierung der Vertriebs- oder Kundenkontaktprozesse. Weniger als die Hälfte (47 Prozent) der befragten Versicherungsunternehmen decken mit ihrer Digitalstrategie die gesamte Wertschöpfungskette von der Produktentwicklung bis hin zum Kundenbeziehungsmanagement ab.

Fast drei Viertel (72 Prozent) der befragten Versicherer sind bereits eine Vertriebspartnerschaft eingegangen oder planen dies in naher Zukunft. Dabei sieht die Assekuranz vor allem Banken als Partner (69 Prozent). 44 Prozent hält sogar Kooperationen mit Technologieunternehmen wie Google oder Facebook für möglich. 

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Schlagworte zum Thema:  Digitalisierung, Finanzwirtschaft, Big Data, Analytics

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