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Handelsunternehmen scheitern an Umsetzung von Innovationen

Im Handel wird gerne an Altbewährtem festgehalten.
Bild: Haufe Online Redaktion

Im internationalen Vergleich hinken deutsche Handelsunternehmen bei der Umsetzung von Innovationen meist drei bis fünf Jahre hinterher. Die Ursachen sind hausgemacht, belegt eine Studie des Beratungsunternehmens Bearing Point und des IIHD Instituts, weil langfristige Strategien fehlen.

Demnach fokussieren sich deutsche Handelsunternehmen oft aufs Operative anstatt zukunftsfähige Strategie zu entwickeln. Innovationen zeigen sich fast ausschließlich als kurz angelegte Prozessoptimierungen, bei denen es um reine Effizienzsteigerungen geht. Um mit Konkurrenten in Großbritannien oder den USA mithalten zu können, wären  jedoch langfristige Ansätze nötig.

Außerdem neigen hiesige Unternehmen dazu, "Big Ideas“ nicht wahrzunehmen oder diese als irrelevant einzuschätzen. Denkweisen wie „unsere Kunden wollen das nicht“ oder „das haben wir noch nie gemacht“ seien typisch deutsch, sagt auch Kay Manke, Partner bei Bearing Point. In der Folge kümmern sich Unternehmen auch nicht um Wissens- und Kompetenzgewinnung bei neuen Innovationen, die als Grundlage für die Schaffung neuer Wettbewerbsvorteile dienen.

Das sind die prägenden Trends im Handel

Wenige, jedoch grundlegende Innovationen bestimmen die Handelslandschaft der Zukunft. Auf folgende Trends muss sich die Branche laut Bearing Point einstellen:

  • Der Cross-Channel-Handel mit mehreren Touchpoints als Teil einer Marke gewinnt an Bedeutung. Im Zuge der Digitalisierung gilt es, Kundendaten zu gewinnen und diese so aufzubereiten, dass mit ihnen gearbeitet werden kann. (Selbst große Händler arbeiten noch an ihrer Multichannel-Strategie)
  • Durch Analysemethoden rücken Händler näher an ihre Kunden heran, verstehen sie besser und schaffen es, maßgeschneiderte Angebote zu liefern. In den meisten Unternehmen ist die IT-Landschaft für diese Anforderungen noch nicht ausgerichtet. Gleiches gilt für Management- und Organisationsstrukturen, Entscheidungsprozesse und Arbeitsabläufe.
  • Vor dem Hintergrund einer zunehmenden Relevanz von Warenbeständen als Investment, steigender Risiken durch hohe Bestände von Waren aus vergangenen Kollektionen und den Folgen hoher Retourenquoten, gewinnt das Thema Merchandising besonders im Textilhandel an Relevanz. Neue Systeme zur Warenplanung und –dispositionen tragen zur Optimierung bei.
  • In Zeiten von Mobile-Commerce wird die Filiale zur zentralen Anlaufstelle der Kunden. Eine wichtige Rolle spielt dabei das Smartphone. Durch QR-Codes oder Near Field Communication verbindet es beide Welten miteinander und steigert das Kundenerlebnis. Gleichzeitig wird die Filiale zum dezentralen Warenlager und Distributionszentrum, in dem der Kunde online bestellte Ware abholen kann.
  • Das Erfolgsgeheimnis lautet "Geschwindigkeit“. Die Halbwertszeit von Innovationen und Wettbewerbsvorteilen nimmt ständig ab, sodass Schnelligkeit zur Grundlage neuer Geschäftsmodelle wird. Amazon arbeitet beispielsweise am Konzept des "Anticipatory Shipping“: Der Händler versendet Waren bereits bevor der Kunde feststellt, dass er sie braucht.

 Vieles von dem, was noch nach Science Fiction klinge, werde schon bald Realität, prognostiziert Professor Jörg Funder vom IIHD Institut. Innovative Händler würden sich deshalb schon bald von der Konkurrenz absetzen. Wer da nicht mithält, hat kaum eine Chance, langfristig im Wettbewerb zu bestehen. 


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Schlagworte zum Thema:  Multichannel, Vertrieb, E-Commerce, Online-Marketing, Mobile Commerce, Handel, CRM

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