02.10.2012 | Top-Thema Interview mit dem Landesbeauftragen für Datenschutz Schleswig-Holstein Thilo Weichert

"Bei Transparenz besteht weitgehend noch Fehlanzeige"

Partner CRM für alle

Kapitel
"Bei unentgeltlichen Angeboten zahlt man mit seinen Daten."
Bild: Thilo Weichert ULD

Fehlende Kontrollierbarkeit geht im Cloud Computing auf Kosten des Vertrauens, davon ist Thilo Weichert überzeugt. In Sachen Datenschutz gibt es seiner Meinung nach sowohl im B2B- als auch B2C-Bereich reichlich Handlungsbedarf.

acquisa: Herr Weichert, welche drei Adjektive fallen einem Datenschützer beim Thema Cloud-Computing ein? 

Thilo Weichert: Unkontrollierbar, vertrauensunwürdig, unverantwortlich – das gilt nicht immer, aber heutzutage leider ziemlich oft.

acquisa: Warum „unkontrollierbar“?

Weichert: Wer seine Datenverarbeitung outsourcet, der möchte wissen, was mit seinen Daten passiert, und möchte hierüber voll bestimmen können. Das ist beim Cloud Computing regelmäßig nicht gewährleistet. Bei B2C-Anwendungen hat der User überhaupt keine Kontrolle. Aber auch bei B2B-Clouds liefern die Anbieter zwar viel warme Worte, aber wenig Garantien. Es ist ein bisschen wie mit der Schlange Kaa im Dschungelbuch, wenn sie „vertraue mir“ säuselt. Bei Konsumentenangeboten, insbesondere bei unentgeltlichen, zahlt man mit anderer Münze, nämlich mit seinen Daten. Auch bei Angeboten für die Wirtschaft fehlt es regelmäßig – noch – an Kontrollierbarkeit.

acquisa: Und warum oft „vertrauensunwürdig“ und „unverantwortlich“?

Weichert: Wenn ich etwas nicht kontrollieren kann, kann ich dem zumeist auch nicht vertrauen. Dies gilt erst recht bei Anbietern, die ich nicht kenne und nicht wirklich beurteilen kann. Die Cloudanbieter wollen Geld verdienen. Geld kann man auch ohne eine reale Grundlage für gerechtfertigtes Vertrauen verdienen. Das erleben wir beim Datenschutz leider oft. Vertrauenswürdigkeit setzt volle Transparenz und einen Qualifikationsnachweis voraus. Bei Transparenz besteht weitgehend noch „Fehlanzeige“, und selbst den Qualifikationsnachweisen und Zertifikaten kann erst dann getraut werden, wenn die Handelnden und die Kriterien transparent sind. Hieran fehlt es ebenso. Unverantwortlich ist eine Datenverarbeitung, wenn fremde Daten in einer nicht vertrauenswürdigen Umgebung verarbeitet werden. Fremde Daten sind die Daten von Kundinnen und Kunden, Lieferanten, Bediensteten, Interessierten, Bürgerinnen und Bürgern allgemein. Kundendatenverarbeitung ist ein Art von Datentreuhänderschaft. Wer diese Treuhänderschaft aus der Hand gibt, handelt unverantwortlich.

Schlagworte zum Thema:  CRM, Adressmanagement, Database, Direktmarketing, Datenschutz

Aktuell

Meistgelesen