| Interview mit Hannelore Grunwald

„Billig ist eine Sackgasse“

"Durch Nachhaltigkeit gewinnt man Markenbotschafter".
Bild: Agentur Grunwald

Kundenbindung erreicht man über nachhaltige Angebote, so Hannelore Grunwald, Gründerin und Geschäftsführerin der Agentur Grunwald. Im acquisa-Gespräch erklärt sie, wie ein erfolgreiches Green Marketing aussehen kann.

acquisa: Finanzkrise, Eurokrise, Zukunftssorgen: Welche Bedeutung hat Nachhaltigkeit heute für die Konsumenten? 

Hannelore Grunwald: Nachhaltigkeit ist aus unserer Sicht kein Trend, sondern wird unsere Zukunft neu definieren. Wir, das heißt Konsumenten und Unternehmen, müssen deshalb künftig umdenken und uns völlig neu orientieren. Dazu gehört es, umsichtiger zu werden und nicht mehr in Mustern wie „Geiz ist geil“ zu denken. Es geht also praktisch darum, eine zukunftsfähige Haltung zu zeigen. Auf den Konsum übertragen bedeutet das: weniger kaufen, aber dafür wertvoller. Wir sind gut beraten, unser Denken und Handeln auf echte Qualität auszurichten, die sinnvoll und langlebig ist. Vor allem sollten wir uns vor dem Hintergrund schwieriger Zeiten selbst fragen: Was brauchen wir wirklich? Und wofür brauchen wir das?

acquisa: Täuscht der Eindruck, oder reden viele Menschen von Naturschutz und sozialer Verantwortung, kaufen dann aber doch gern billig bei Aldi ein?

Grunwald: Umdenken bedeutet in diesem Zusammenhang ein Denken und Handeln in „preiswert“ statt in „billig“. Billig ist eine Sackgasse, sowohl für den Naturschutz, als auch für die soziale Verantwortung. Wir werfen zu viel weg, nicht nur Lebensmittel, und vieles davon ist nicht mehr recycelbar. Wir sollten uns auf alte Tugenden besinnen und diese neu beleben. Beispiele: Fachhändler wieder stärken, saisonale und regionale Produkte stärker nachfragen. So ist zum Beispiel „Bio“ gut, aber „Bio“ aus der Region ist dabei besser als „Bio“ aus dem Nahen Osten oder aus Neuseeland. Am Ende des Tages liegt es an uns, den Konsumenten. Wir haben eine unglaubliche Macht. Und das wird immer mehr Unternehmen bewusst. Der Handel wird uns beobachten und genau das anbieten, was wir wollen. Weniger kann deshalb viel mehr sein, als man denkt. Der Wunsch, Natur, Umwelt und sozial verträgliche Arbeitsplätze zu stärken, ist mental schon vorhanden. Aber es fehlen oft noch die physischen Angebote im Markt. Produkte mit Qualität und einem Sinn stiftenden Nutzen zu vermarkten, macht ganz nebenbei auch mehr Spaß als nur über den billigeren Preis zu kommen.

acquisa: Wie können Unternehmen, die wirklich nachhaltig produzieren, diese Botschaft glaubhaft an den Markt, an die Kunden bringen? 

Grunwald: Durch Transparenz und Kommunikation! Nachhaltige Angebote müssen relevanter sein als konventionelle Alternativen. Dieser Mehrwert muss klar herausgearbeitet werden. Diese Angebote sind ihren Preis wert. Preiswert statt billig! Ein solches Angebot ist immer glaubwürdig. Diese Glaubwürdigkeit führt zur Kundenbindung und damit zu langfristigem Erfolg. "On the long run" rechnet sich das immer. Unsere Formel lautet deshalb: Kontinuität durch Qualität. Gewinnen Sie Kunden, die mit Ihren Produkten glücklich werden. Damit gewinnen Sie automatisch neue Markenbotschafter, die Ihre Produkte weiter empfehlen. Besseres Marketing kann man für sein Unternehmen und dessen Produkte nicht machen. 

acquisa: Welche Rolle spielen in diesem Zusammenhang die Social Media? Nestlé, adidas, aber auch der WWF haben schmerzhaft erfahren, wie schnell Nachhaltigkeitssünden aufgedeckt werden. 

Grunwald: Kunden sind heute kritischer und selbstbewusster. Fehlverhalten wird immer entlarvt und viral über soziale Medien verbreitet. Deshalb ist es wichtig, sein Angebot auf echte Qualität auszurichten und es transparent zu machen. Dennoch sollte man stets vorbereitet sein und ein „worst-case-scenario“ bedenken. Dabei muss man vor allem stets kritik- und dialogfähig bleiben und seine Kunden aktiv einbeziehen. Agieren statt Reagieren lautet hier das Zauberwort. So gewinnt man deren Vertrauen und mit dem Vertrauen ihre Gunst. So kann sich letztendlich auch manch vermeintlich negativer öffentlicher Dialog sogar positiv auf die Kundenbindung auswirken.

acquisa: Was ist Green Marketing und wo verläuft die Grenze zu Green Washing?

Grunwald: Man sollte sein Angebot konsequent nach sozialen, ökologischen und ökonomischen Zielen ausrichten: nach „people, planet, profit“. Sind „people“ und „planet“ sinnvoll einbezogen, kommt der „profit“ meist von alleine. Vorausgesetzt, es ist transparent und glaubwürdig. Fehlt ein Eckpfeiler, gerät Green Marketing aus dem Gleichgewicht und verharrt im Stadium schnöder Grünfärberei. Green Marketing umfasst und fordert im Vergleich zum konventionellen Marketing die beiden zusätzlichen Zielgrößen soziale und ökologische Verantwortung. Damit zeigt man eine Haltung, die das Unternehmen an sich bereits profiliert. Dieses Denken von innen nach außen beinhaltet auch den Umgang mit den eigenen Mitarbeitern, mit seinen Produkten oder Dienstleistungen, die sich gerade durch die beiden zusätzlichen Stellgrößen vom Wettbewerb positiv abgrenzen. So werden Unternehmen davon vielfach profitieren. Allerdings braucht man dafür Experten, die diese Herausforderung gemeinsam mit den Unternehmen annehmen.

Schlagworte zum Thema:  Kundenbindung, CRM, Social Media

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