Die Digitalisierung wirft viele neue Rechtsfragen auf. Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Die Digitalisierung stellt die Rechtsabteilungen der Unternehmen vor neue Herausforderungen, zum Beispiel in Sachen Datenschutz und IT-Sicherheit. Sogar bei der Produktentwicklung werden die Juristen verstärkt mitreden. Darauf vorbereitet sind sie nur teilweise.

Die Studie "Digital Economy und Recht" haben der Bundesverband der Unternehmensjuristen und die Wirtschaftskanzlei CMS vorgestellt. Darin geben Vertreter aus über 300 Rechtsabteilungen Auskunft darüber, wie sie auf die digitale Transformation vorbereitet sind, welche Herausforderungen und Risiken sie sehen und welche Themenfelder und Rechtsgebiete aus ihrer Sicht von der Digitalisierung am meisten betroffen sind.

Knapp 70 Prozent der Befragten sehen einen starken Einfluss der digitalen Transformation auf ihr Unternehmen und die Arbeit in der Rechtsabteilung. Die Digitalisierung bringt unter anderem ganz neue Rechtsfragen auf die Agenda. So erwarten 85 Prozent der Befragten, dass die Anforderungen an das Know-how bei spezifischen Rechtsgebieten wie dem Datenschutz und der IT-Sicherheit sowie bei Haftungs- und Regulierungsfragen steigen. Zwei Drittel der Studienteilnehmer gehen davon aus, dass sich die Rechtsabteilungen künftig verstärkt auf neue Themen und Geschäftsmodelle einstellen müssen. Neue rechtliche Fragestellungen würden zukünftig häufiger interdisziplinär im gemeinsamen Diskurs zwischen Juristen und Fachabteilungen zu lösen sein. Auch bei Produktentwicklungsprozessen werde eine frühe Einbindung von Juristen unerlässlich sein, so die Experten.

Wie gut wir auf die rechtlichen Herausforderungen der Digitalisierung vorbereitet sind

Den Rechtsstandort Deutschland bewerten die Unternehmensjuristen eher kritisch. Auf die Frage, wie gut er auf die Digitalisierung vorbereitet ist, vergeben sie lediglich die Schulnote 3. Bemängelt werden vor allem die zögerliche Haltung beim Einsatz neuer Technologien, fehlende Technikaffinität und eine wenig fortschrittliche Denkweise.

Aber auch die eigene Rechtsabteilung sehen nur knapp 30 Prozent als "gut" oder "sehr gut" auf die digitale Transformation vorbereitet. Als häufigste Gründe für eine nicht ausreichende Vorbereitung werden zu geringe Budgets und das Fehlen von Ressourcen genannt. Zudem werde das Thema Digitalisierung zu wenig durchdrungen, so dass notwendige Schlüsse für Veränderung ausbleiben. Weitere Kritikpunkte lauten: zu wenig Veränderungsbereitschaft, ein zu hohes Alter bei Kollegen, fehlende Fortbildungen und zu geringe Anpassungsgeschwindigkeit.

Dennoch planen bislang nur neun Prozent der Rechtsabteilungen für die Digitalisierung höhere Ausgaben ein. Jene Unternehmen, die zusätzliche Mittel einkalkulieren, wollen ihr Budget um 18 Prozent anheben. Knapp 40 Prozent wollen die anfallende Mehrarbeit durch Prozessoptimierungen auffangen und weitere 14 Prozent planen, bestehende Kapazitäten in anderen Rechtsgebieten zugunsten der Digitalisierung zu verlagern.

Insgesamt beurteilen über 60 Prozent den durch die Regulierung angestoßenen Veränderungsprozess jedoch positiv.

Schlagworte zum Thema:  Datenschutz, E-Commerce, Digitalisierung, Big Data, Internet der Dinge

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