26.10.2015 | Versicherungen

Digitalisierung: Versicherungsbranche fehlen Strategien

Mit der Geschwindigkeit ihrer Kunden können Versicherer nicht mithalten.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Ausmaß und Geschwindigkeit der Digitalisierung überrollen die Versicherungen weltweit. Das ist das Ergebnis des "Global Digital Insurance Benchmarking Report 2015“ des Unternehmensberaters Bain. Mehr als die Hälfte hat noch keine Strategie.

Bis 2020 wird der Anteil der digital aktiven Kunden weltweit auf 79 Prozent angestiegen sein. Die Geschwindigkeit, mit der die Digitalisierung voranschreitet, haben die Versicherungsunternehmen bisher unterschätzt. Rund 60 Prozent, so das Ergebnis des Reports, fehlen zentrale Elemente für die Bewältigung der digitalen Transformation. Dazu würde ein klares Zielbild inklusive Fahrplan sowie ein umfassendes Verständnis der Risiken gehören.

In den kommenden fünf Jahren wird jedoch der Anteil der Kunden, die ihre Versicherer digital erreichen wollen, schnell ansteigen. Von 50 Prozent (in Deutschland) auf dann 78 Prozent. Dies gilt für die Informationsbeschaffung bis hin zur Schadensmeldung.

Digitalisierung verändert Wertschöpfungsstufen

Die Unternehmen sind nur bedingt darauf vorbereitet. Anders als im Handel oder Retail-Banking, so die Studienautoren, wirkten diese Veränderungen im langfristig angelegten Versicherungsgeschäft zeitverzögert. Am deutlichsten verändern sich die Wertschöpfungsstufen: So erwarten die Unternehmen, dass die Nutzung digitaler Medien in der Schadensabwicklung um 31, im Service um 26 Prozent zunehmen wird. Dies geht zu Lasten von Agenturen und Servicecentern. Nahezu die Hälfte der Befragten hat jedoch keine Strategie, um diesen Wandel zu begleiten.

Viele Versicherer schafften es kaum, mit ihren Kunden mitzuhalten, geschweige denn ihre Strategie für das digitale Zeitalter zu entwickeln, sagt Dr. Henrik Naujoks, Leiter der europäischen Praxisgruppe Finanzdienstleistungen bei Bain & Company. Das öffne einer neuen Generation technologieaffiner Unternehmen Tür und Tor. Gerade in den angelsächsischen Ländern greifen Start-ups immer häufiger in die lukrativen Bereiche der Assekuranz-Wertschöpfungskette ein oder besetzen die Schnittstelle zum Kunden.

160.000 Versicherungsnehmer in 18 Ländern hat Bain für den aktuellen Benchmarking Report befragt.

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Schlagworte zum Thema:  Digitalisierung, Finanzwirtschaft, Kundenbindung, Big Data

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