| Digitalisierung

Smartphone wird Geldbeutel und Bankfiliale

Schon in zehn Jahren könnte Bargeld als dominierendes Zahlungsmittel ausgedient haben.
Bild: Haufe Online Redaktion

Kaum eine Branche wird sich durch die Digitalisierung so sehr verändern wie die Finanzwirtschaft. Das Smartphone wird in zehn Jahren drittwichtigstes Zahlungsmittel sein und die Bankfiliale ersetzen, so eine Bitkom-Studie.

2025 wird Bargeld demnach nicht mehr das dominierende Zahlungsmittel sein. 70 Prozent der Verbraucher werden ihre Kreditkarte zücken, 67 Prozent die Debitkarte und immerhin 62 Prozent werden mit ihrem Smartphone bezahlen. Damit wäre das Handy das drittwichtigste Zahlungsmittel im Handel.

Die Digitalisierung werde damit direkte Auswirkungen darauf haben, wie wir einkaufen und wie wir unsere Bankgeschäfte erledigen. Mehr als ein Drittel der Finanzunternehmen geht davon aus, dass es in zehn Jahren im Einzelhandel keine Kassen mehr geben wird. Kunden werden dann beispielsweise über ihr Smartphone erkannt, nehmen Produkte aus dem Regal und der Bezahlvorgang wird automatisch beim Verlassen des Geschäftes abgewickelt.

Digitalisierung macht den Gang zur Bankfiliale obsolet

Und auch die Bankenwelt selbst wird vor tiefgreifenden Veränderungen nicht verschont. So rechnen drei Viertel der Finanzexperten damit, dass es in zehn Jahren Usus sein wird, Bankgeschäfte per Smartphone abzuwickeln. So könnte zum Beispiel ein Kredit dann per App beantragt werden. Banken würden somit dorthin gehen, wo sich die Menschen immer öfter aufhalten – ins mobile Internet.

Jeder zweite Befragte geht überdies davon aus, dass Bankgeschäfte in den Social Media erledigt werden, 43 Prozent erwarten, dass Verbraucher gegenseitig Kredite über Crowdlending- oder Peer-to-Peer-Plattformen vergeben. Die Plattformen bringen diejenigen, die Geld brauchen, mit denen zusammen, die Geld verleihen wollen. Klassische Privatkundenbanken oder Sparkassen wären zumindest dazu dann nicht mehr nötig. Jeder Dritte rechnet deshalb damit, dass Banken nur noch die Infrastruktur bereithalten, die Ansprechpartner der Kunden jedoch Internet-Unternehmen sein werden.

Neue Angebote und neue Konkurrenten

Andererseits ermöglichen digitale Technologien neue Angebote für Kunden: Zwei Drittel der Befragten halten es für denkbar, dass es in zehn Jahren eine automatisierte und damit zeit- und ortsunabhängige Bankberatung durch Software geben wird. 62 Prozent gehen davon aus, dass Kundeninformationen aus öffentlichen Online-Profilen hinzugezogen werden.

Unterm Strich sieht die Finanzbranche die Veränderungen positiv: 96 Prozent sehen in der Digitalisierung eine Chance, nur vier Prozent ein Risiko. Als größte Konkurrenten werden Zahlungsdiensteanbieter wie Paypal oder Sofortüberweisung angesehen (je 69 Prozent), dicht gefolgt von großen Unternehmen der Digitalbranche (65 Prozent).

Weitgehend einig sind sich Finanzunternehmen darin, dass die Skepsis der Kunden innovationshemmend sein könnte (93 Prozent), 81 Prozent beklagen zudem die starke Regulierung der Finanzbranche.

Für die Studie hat der Digitalverband Bitkom 100 Geschäftsführer und Vorstände von Finanzunternehmen befragen lassen.

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Schlagworte zum Thema:  Digitalisierung, CRM, Finanzwirtschaft, Handel

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