| Digitalisierung

Deutschland droht den Anschluss zu verpassen

Spitzenreiter der Digitalisierung sind die Niederlande.
Bild: Copyright 2012 Rainer Sturm ⁄

Deutsche Unternehmen drohen in Sachen Digitalisierung den Anschluss zu verpassen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Beratungsunternehmens Accenture. Demnach belegt Deutschland im internationalen Vergleich nur Rang neun von 17 untersuchten Volkswirtschaften.

Anhand eines Index zur digitalen Marktdurchdringung (Digital Density Index) hat Accenture 17 Volkswirtschaften miteinander verglichen. Das Ergebnis wirft kein gutes Licht auf hiesige Unternehmen, denn mit 51,9 von 100 möglichen Punkten landet Deutschland nur auf dem neunten Rang. Bewertet wurden Umsatzvolumina im Onlinehandel, die Nutzung von Cloud-Anwendungen und anderer Technologien zur Prozessoptimierung, die Verbreitung technologischer Expertise in den Unternehmen sowie die Akzeptanz neuer, digitaler Geschäftsmodelle. Spitzenreiter bei der Erhebung sind die Niederlande mit einem Wert von 75,3 Punkten. Dahinter folgen die USA (65 Punkte), Schweden (59,6 Punkte) und Südkorea (57,9 Punkte).

Der Index zeigt auch, dass sich Investitionen in den digitalen Wandel recht schnell auszahlen. So könnte eine Anhebung um zehn Punkte das Wachstum der weltweit zehn größten Volkswirtschaften um zusätzliche 1,36 Billionen US-Dollar bis 2020 befeuern. Für Deutschland allein würde dies einen Schub von 75 Milliarden US-Dollar bedeuten, was einer Steigerung der durchschnittlichen Wachstumsrate um 0,27 Prozentpunkte pro Jahr und einem 1,9 Prozent höheren BIP im Jahr als bislang prognostiziert.

In Deutschland sehen die Studienautoren sowohl in den Unternehmen als auch bei der digitalen Infrastruktur und den regulatorischen Rahmenbedingungen Handlungsbedarf. Ob flexiblere Arbeitsmodelle oder digitale Formen der Zusammenarbeit, deutsche Unternehmen täten sich schwer, vom Mantra der physischen Präsenz am Arbeitsplatz Abschied zu nehmen, sagt Clemens Oertel, Geschäftsführer bei Accenture Strategy. Zudem sei die Versorgung mit Breitband- und mobilem Internet unterdurchschnittlich. Unternehmen und Politik sieht er gleichermaßen gefordert.


Gefahr für den Standort Deutschland
Deutlich werden die Defizite im detaillierten Vergleich mit den digitalen Pionieren: So liegen die Investitionen pro Kopf in die Kommunikationsinfrastruktur in Deutschland bei 55 US-Dollar, im globalen Durchschnitt sind es 191 US-Dollar, beim Spitzenreiter Niederlande sogar 341. Ein ähnliches Bild ergibt sich bei der Verbreitung mobiler Endgeräte. Hinzu kommt eine spürbare Zurückhaltung gegenüber digitalen Technologien. Demnach messen nur 42 Prozent der Unternehmen dem Internet der Dinge eine große Bedeutung als Wachstumsfaktor bei, in den USA sind es 58 Prozent.

Selbst die digitale Kommunikation zwischen Unternehmen und Kunden steckt noch in den Kinderschuhen. Ein Indiz: Der Anteil der Online-Werbeausgaben der Unternehmen liegt hierzulande bei 20, in Schweden bei 30, in Südkorea bei 33 und in Großbritannien sogar bei 36 Prozent.

Die digitale Durchdringung einer Volkswirtschaft werde jedoch immer mehr zum Standortfaktor, so Oertel. Unternehmen würden Investitionsentscheidungen künftig auch danach treffen, wo sich die digitalen Hotspots befinden. Rohstoffe, Verkehrsnetz und Fachkräfte sind in einer digitalisierten Welt nicht mehr die einzig wichtigen Kriterien. Mit einer Hand voll halbherzig umgesetzter Initiativen werde es nicht gelingen, im digitalen Wettbewerb zu bestehen, so Oertels Fazit.


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