| Cloud Computing

Kein Sorglospaket, aber eine Riesenchance für die Wirtschaft

Verlässliche Standards für die Cloud fordert Joachim Jobi, medien- und netzpolitischer Sprecher des BVDW.
Bild: Till Budde

Das Thema Cloud-Computing bewegt die Gemüter wie kaum ein anderes in der aktuellen IT- und netzpolitischen Diskussion. Dies zeigt unser Interview mit dem schleswig-holsteinischen Landesbeauftragten für Datenschutz, Thilo Weichert. Jetzt nimmt der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) Stellung und zeigt auf, wo er die Chancen der Cloud sieht.

In dem Interview thematisiert Weichert ausgewogen die Risiken der sogenannten Cloud und erörtert die aktuelle datenschutzrechtliche Bewertung dieser Entwicklung.

Eine andere Sichtweise auf das Phänomen Cloud-Computing wählt die Europäische Kommission in ihrer am 27. September 2012 veröffentlichten Strategie, in der die wirtschaftlichen Chancen der „Freisetzung des Cloud-Computing-Potenzials in Europa“ im Vordergrund stehen.  Nach der Einschätzung der für die Digitale Agenda der EU-Kommission zuständigen Kommissarin Neelie Kroes ändert „das Cloud-Computing (…) die Spielregeln in unserer Wirtschaft. Ohne Eingreifen der EU werden wir in starren nationalen Systemen verharren und wirtschaftliche Vorteile in vielfacher Milliardenhöhe verschenken. Wir müssen eine kritische Masse erreichen und brauchen ein einheitliches Regelwerk für ganz Europa. Deshalb müssen wir nun gezielt die vermeintlichen Risiken des Cloud-Computing angehen.“

Die Kommission trägt damit der Erkenntnis Rechnung, dass die volkswirtschaftlichen Vorteile erst bei einem breiten Einsatz von Cloud-Lösungen durch Unternehmen und den öffentlichen Sektor realisiert werden können. Geschieht dies, wird in dem Zeitraum bis 2020 mit 2,5 Millionen neuen Arbeitsplätzen und einer jährliche Steigerung des Bruttoinlandsprodukts der EU in Höhe von 160 Milliarden Euro gerechnet. Dies soll durch eine Reihe von Schlüsselaktionen erreicht werden, nämlich:

·         Die Schaffung einheitlicher europäischer Standards bis 2013 für die Interoperabilität und die Übertragung von Daten;

·         Die Unterstützung EU-weiter Zertifizierungsprogramme für vertrauenswürdige Cloud-Anbieter;

·         Die Ausarbeitung sicherer und fairer Muster-Vertragsbedingungen für das Cloud-Computing;

·         Die Schaffung einer Europäischen Cloud-Partnerschaft mit den Mitgliedstaaten und der Branche mit dem Ziel, den europäischen Cloud-Markt aktiv zu gestalten und die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Anbieter zu stärken.

Die Cloud bietet zahlreiche Vorteile

Abgesehen von diesem sehr erfreulichen gesamtwirtschaftlichen Potenzial der Cloud-Technologie liegen die Vorteile ihrer Nutzung auch für die Anwender auf der Hand. Die Cloud-Services machen nämlich die Anschaffung eigener Hard-und Software unnötig und ermöglichen eine hochdynamische und flexible Nutzung von Rechenleistung oder ganzer IT-Dienstleistungspakete zu dem Zeitpunkt, an dem sie tatsächlich benötigt werden. Dass es heute gleichwohl eine gewisse Zurückhaltung bei der Nutzung dieser Technologie zu beobachten ist, liegt an bestehenden Sicherheitsbedenken gegenüber den bereitgestellten IT-Strukturen. Besonders in kleinen und mittleren Unternehmen werden etwa die dezentrale Auslagerung und Verwaltung von Informationen und die Absicherung der Vertraulichkeit der ausgelagerten Daten genannt.

Datenschutz ist das A und O

Die Gewährleistung einer rechts- und datensicheren Nutzung von Cloud-Dienstleistungen ist in der Praxis aber ohne weiteres umzusetzen durch eine transparente Ausgestaltung der vertraglichen Kundenbeziehung und der Cloud-Services selbst. In den gängigen Verträgen werden den Anbietern heute zum Beispiel keine Eigentumsrechte, sondern nur ein einfaches Nutzungerecht an den in der Cloud gespeicherten Daten eingeräumt – und dies auch nur, soweit es zur Erbringung der vertraglich festgelegten Dienstleistung erforderlich ist. Aus datenschutzrechtlicher Sicht ist allerdings dann Zurückhaltung geboten, wenn außereuropäische Cloud-Services genutzt werden sollen. Es bestehen nämlich nach wie vor erheblich Unterschiede beim Datenschutzstandard  zwischen Europa, Asien und Amerika. Hier wäre eine weitere Harmonisierung auf hohem (Datenschutz-) Niveau wünschenswert und der Datensicherheit bestimmt nicht abträglich.  

Für den endgültigen Durchbruch und insbesondere die Akzeptanz der Cloud-Technologie im Markt bedarf es verlässlicher Standards bei beiden Verträgen ebenso wie in technischer Hinsicht. Die von der EU-Kommission vorgeschlagene Normung, verbunden mit der Zertifizierung der Anbieter und der Regelung verbindlicher Standards für die Verträge über Cloud-Dienstleistungen sind ein vielversprechender Weg, um das notwendige Vertrauen in die Sicherheit dieser Dienste zu stärken und der Technologie zum Durchbruch zu verhelfen.  

  

Autor

Dr. Joachim Jobi, Leiter Medien- und Netzpolitik, Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) e.V.

Schlagworte zum Thema:  Cloud Computing, Internet, Datenschutz

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