07.08.2015 | Top-Thema acquisa Expert Talk Marketing Automation

"Man muss keine Big-Bang-Strategie verfolgen"

Kapitel

Marketing Automation kann schon im Kleinen beginnen, mit einer sauber aufgesetzten Regelkommunikation. Auf jeden Fall sollten dabei die geltenden Datenschutzbestimmungen beachtet werden.

acquisa: Sie haben es gerade gesagt: Am besten wäre es, in die Analyse einzubeziehen, welche Webseiten der Interessent schon besucht hat. Damit sind wir beim Tracking und mit dem Tracking beim Datenschutz. Wie frei sind Unternehmen denn, die Daten zu nutzen, die ihnen zur Verfügung stehen?
Petersen: Ich kann nur für unser Haus sprechen. Wir nehmen das Thema sehr ernst. Zum einen, weil es klare rechtliche Vorgaben hierzu gibt. Zum anderen aber geht es gar nicht anders, als die Privatsphäre und Präferenzen der Kunden und ­Interessenten zu respektieren. Alles andere geht nach hinten los, unabhängig vom gesetzlichen Rahmen. Das haben die E-Mail-Blasts vor fünf oder zehn Jahren gezeigt. Solch eine Vorgehensweise ist nicht das, was die Kunden von einem seriösen Unternehmen heute erwarten.
Philipp: Grundsätzlich ist es eine Frage der Gesetzgebung im jeweiligen Land. Deutschland ist da sehr restriktiv. Ich kann und muss den User fragen, ob er in die Datenverarbeitung einwilligt. Dann dürfen Sie alles abbilden, was technisch möglich ist. Sie müssen aber immer schauen, was rechtlich erlaubt ist. Aber wir zum Beispiel speichern alle Daten in Deutschland, das ist für uns als deutsches Unternehmen wichtig. Zudem werden alle unsere Verträge immer vom Datenschutzbeauftragten des Kunden geprüft. Und es gibt auch Vor-Ort-Kontrollen, bei denen sich Kunden ein Bild davon machen, wie und wo wir ihre Daten lagern.
acquisa: Zum Abschluss an alle hier die Bitte um ein oder zwei Tipps für Unternehmen, die mit Marketing Automation anfangen wollen. Wie geht man am besten vor?
Hiss: Hinter dem Thema Marketing Automation stecken viele Buzzwords und mindestens ebenso unterschiedliche Erwartungen von Management, Marketing etc. Deshalb denke ich, es ist gut getan, wenn man sich einen Aspekt herausgreift und damit beginnt. Und sich nicht von der großen Vision überrollen lässt. Denn sonst droht die Gefahr, dass man in der Vision stecken bleibt. Besser ist es, im Kleinen anzufangen. Und sei es nur, Trigger-Kampagnen im E-Mail-Marketing aufzusetzen, um verhaltensbasierte E-Mail-Strecken zu erschaffen.
Philipp: Wenn man sieht, wie diese Systeme zum Teil beworben werden und wie einfach es zu sein scheint, mit Marketing Automation Leads zu generieren, kann es schon sein, dass Anwender sich von dieser Vision verleiten lassen und glauben, mit der Einführung des Systems werde alles ganz einfach. So leicht ist das aber nicht. Es hilft, sich mit Whitepapern in das Thema einzuarbeiten. Und auf jeden Fall zuerst die Regelkommunika­tion sauber auf­zusetzen. Ganz wichtig ist etwas, das viele leider vergessen: man macht sich Gedanken über Systeme und Kanäle, aber am Anfang muss die Buyer Persona stehen. Wen will ich erreichen, was braucht dieser Mensch? Davon hängt alles ab: der Content, die Prozesse und schlussendlich auch die Systeme.
Hiss: Das hat im ersten Schritt aber gar nichts mit Marketing Automation zu tun, sondern ist eine grundlegende Aufgabe des Marketing.
Petersen: Vielleicht als Denkanstoß: Das Marketing sollte den Vertrieb rechtzeitig als Stakeholder ins Boot holen, auch wenn es sich vordergründig erst einmal um eine Marketingaufgabe handelt. Denn am Ende ist der Vertrieb der Nutznießer der generierten Leads. Und, auch gut zu wissen: Man muss hier keine "Big Bang"-Strategie verfolgen, sondern man kann zum Beispiel im Rahmen eines Pilotprojekts in einem kleinen Bereich Erfahrungen sammeln und die organisatorischen Prozesse entsprechend definieren und, falls nötig, auch umbauen.

Schlagworte zum Thema:  Marketing Automation, Marketing, CRM, Database, Analytics, Expert Talk Marketing Automation

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