22.03.2013 | Top-Thema Zukunftsaufgabe Personalentwicklung

Mobile PE: ein Hilfsangebot für die Wohnungswirtschaft

Kapitel
Bild: PhotoAlto

Sinkende Schulabgängerzahlen und wachsender Altersdurchschnitt, immer neue Themen und steigende Anforderungen an Führungskräfte und Mitarbeiter: Die Wohnungsunternehmen müssen sich auf eine neue Situation einstellen. Um gerade die kleineren und mittelgroßen Unternehmen zu unterstützen, haben der GdW und die Bildungsanbieter der Wohnungswirtschaft unter Federführung des EBZ ein neues Konzept aus der Taufe gehoben: die „Mobile Personalentwicklung“ - ein gemeinsamer Beratungs- und Hilfebaukasten, aus dem sich kleine und mittlere Wohnungsunternehmen bedarfsgerecht bedienen können.

Es ist eine Zeitenwende: Viel versprechende Auszubildende zu finden, wird aufgrund sinkender Schülerzahlen schwieriger, die Zahl der älteren Mitarbeiter im Unternehmen steigt dagegen an. Fachleute für Schlüsselpositionen sind auf dem freien Arbeitsmarkt oft nicht mehr zu finden. Neue Technologien – für mehr Energieeffizienz, aber auch auf ganz anderen Gebieten – verlangen entsprechend neue Fachkenntnisse von den Akteuren.
Größere Wohnungsunternehmen begegnen diesen neuen Herausforderungen bereits seit mehreren Jahren, indem sie qualifizierte Personalentwickler einstellen.

Herausforderung für kleine Unternehmen
Kleine Unternehmen können eine eigene Stelle für Personalentwicklung in der Regel nicht wirtschaftlich darstellen. Bei ihnen ist Personalentwicklung fast durchgängig Chefsache: Entsprechende Aufgaben werden von Vorstand oder Geschäftsführung übernommen. Diese Führungskräfte aber sind stark ins operative Geschäft eingebunden, müssen sich heute ohnehin mit immer neuen Themen auseinandersetzen, so dass für eine dezidierte Personalentwicklung selten die Zeit bleibt.
Dennoch sind Nachwuchsrekrutierung, Nachfolgeplanung und Gesundheitsförderung auch für diese Unternehmen wichtig, wenn sie wettbewerbsfähig bleiben wollen. Axel Gedaschko, Präsident des GdW Bundesverband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft e. V., sagt dazu: „Kleine Unternehmen müssen ihre Personalentwicklung nicht so aufwändig organisieren, wie es größere Wohnungsunternehmen tun. Aber dennoch benötigen sie ein Konzept, eine Strategie und eine koordinierte Vorgehensweise. Sie dürfen das Thema nicht ausblenden.“

„Mobile PE“ als Lösung
Die mobile Personalentwicklung – kurz „Mobile PE“ – soll nun diesen kleinen Unternehmen zugutekommen, die einen großen Anteil der GdW-Mitglieder ausmachen. Im Auftrag des Bundesverbandes und unter Federführung des EBZ – Europäisches Bildungszentrum der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft haben die Bildungsanbieter der Verbände das Konzept erarbeitet. So wird es nun neben dem EBZ mit getragen von AWI (Akademie der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft), BBA – Akademie der Immobilienwirtschaft und SFA Südwestdeutsche Fachakademie der Immobilienwirtschaft. GdW-Präsident Axel Gedaschko betont: „Unternehmen ohne eigene Personalabteilung sollen nicht mehr allein gelassen werden. Zukünftig können sie zum Selbstkostenpreis die Beratungsleistung der Akademien in Anspruch nehmen – als mobile Personalabteilung, die ins Haus kommt, die Sachlage prüft und dann eine professionelle Beratung vornimmt.“
In einem ersten Schritt führen die Berater dann Gespräche mit Vorstand oder Geschäftsführung, informieren sich über Unternehmensphilosophie, Ziele und Besonderheiten des Unternehmens. Im zweiten Schritt folgen Mitarbeitergespräche und –interviews. Im Anschluss fertigen die Personalentwickler Stellenprofile an, sichten das im Unternehmen vorhandene Wissen, suchen nach Risikofaktoren, loten Stärken und Schwächen aus, erarbeiten konkrete Vorschläge für zukünftige Maßnahmen.

Branchennähe als Qualitätsgarantie
Wichtig ist den Beteiligten, dass das neue Angebot tatsächlich als Hilfestellung für die kleineren Unternehmen begriffen wird. Dazu gehört es auch, dass die Berater die entsprechende Förderkulisse mit berücksichtigen, wenn sie Vorschläge zur Aus- oder Weiterbildung von Mitarbeitern aussprechen. Erhebliche Einsparungen sollen sich so von Fall zu Fall für die Unternehmen erreichen lassen.
Eine Basisberatung soll nicht länger als drei Tage dauern, möglichst wenig Aufwand für den Auftraggeber bedeuten, keine Unruhe ins Unternehmen bringen. „Wir wollen nicht wie branchenfremde Beratungsunternehmen agieren, die oft alles durcheinanderwirbeln und die Zusammenhänge in den Wohnungsunternehmen nicht verstehen“, so Rüdiger Grebe, der Leiter der EBZ Akademie. „Für eine Basisberatung müssen wir nur etwa drei Tage im Unternehmen verbringen – für das Gespräch mit der Führungsebene, für Mitarbeiterinterviews und die Abschlussbesprechung.“ Der Selbstkostenpreis wird etwa drei- bis fünftausend Euro bei einem Unternehmen mit bis zu 20 Mitarbeitern betragen.

Modellprojekte bereits abgeschlossen
Im Verlauf von drei Pilotprojekten hat das EBZ das Konzept der mobilen Personalentwicklung bereits getestet: Der Wohnungsverein Herne eG, die Wohnungsgenossenschaft München-West eG und die B&S Bau- und Siedlungsgenossenschaft für den Kreis Herford eG haben sich dafür in den vergangenen Monaten zur Verfügung gestellt.
Rüdiger Grebe ist mit dem Verlauf der Pilotprojekte sehr zufrieden: „Viele unserer Überlegungen haben sich bestätigt, zugleich haben wir aus der Praxis aber wertvolle Erfahrungen mitgenommen, die wir jetzt schon in die Vorbereitung neuer Projekte einfließen lassen werden. Wir konnten dem Konzept so den letzten Schliff geben, etwa in Hinsicht auf die Mitarbeiterinterviews, die Gestaltung von Fragebögen, die Formulierung von Empfehlungen und Tipps für Schulungsmaßnahmen.“
In den Modellunternehmen selbst hat man nach Abschluss der Projekte einen guten Eindruck von der mobilen Personalberatung. Auf den Versuch eingelassen hat sich u.a. Thomas Schimmel, Vorstand der Wohnungsgenossenschaft München-West eG. Er sagt heute: „Für uns war der Besuch der Berater sehr hilfreich, weil sie echtes Interesse an unserer individuellen Lage gezeigt haben. Sie haben sich zudem bei ihrer Vorgehensweise unseren Wünschen angepasst, anstatt unserer Genossenschaft ein starres Konzept überzustülpen. Wir haben eine neue Sichtweise und neue Ideen erhalten, und der Besuch der ‚Mobilen Personalentwickler’ in unserem Haus war für uns auch ein hilfreicher Startschuss für viele kommende Veränderungen.“

Ausblick
Nun sind die Problemlöser startbereit. Verläuft alles wie geplant, können kleinere und mittelgroße GdW-Unternehmen ohne eigene Personalabteilung schon ab Herbst 2012 auf die mobile Personalentwicklung der vier beteiligten Bildungsanbieter zurückgreifen. Sie könnten die erfahrenen Berater mit Immobilien-Hintergrund und redlichen Absichten unkompliziert in ihr Haus einladen und von deren Fachwissen und Expertise profitieren. Nicht nur die Führungskräfte in den Wohnungsunternehmen würde das entlasten, sondern auch den Mitarbeitern nützen. GdW-Präsident Axel Gedaschko unterstreicht: „Personalentwicklung ist ein Handwerk und muss nicht kompliziert sein. Es geht dabei um realitätsnahe Betrachtungen, vorausschauende Einschätzungen und umsetzbare Maßnahmen. Ich kann die GdW-Unternehmen nur dazu einladen, sich an die Akademie ihrer Wahl zu wenden und das Angebot zu testen.“

Andreas Winkler, EBZ - Europäisches Bildungszentrum der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft, Bochum

Lesen Sie nachfolgend das Interview zum Thema.

Wie Wohnungsunternehmen Personalentwicklungsmaßnahmen umsetzen, lesen Sie in unserer Interviewserie zur „Strategischen Personalentwicklung“ hier.

Schlagworte zum Thema:  Personalentwicklung

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