22.03.2013 | Top-Thema Zukunftsaufgabe Personalentwicklung

Interview: Mobile Personalentwicklung - es geht um Vertrauen und Branchennähe

Kapitel
Bild: PhotoAlto

Thomas Schimmel, Karl-Heinz Abraham und Petra Eggert-Höfel haben die „Mobile Personalentwicklung” im heimischen Unternehmen getestet und die Berater bei ihrer Arbeit kennengelernt. Für die DW berichten sie von ihren Erfahrungen.

Wie war bisher die Beschäftigung mit dem ­Thema Personalentwicklung in Ihrem Haus?
Thomas Schimmel: Personalentwicklungsmaßnahmen bei der Wohnungsgenossenschaft München-West waren bisher – wie sicherlich bei vielen Unternehmen unserer Größenordnung – anhand des unmittelbaren Bedarfs ausgerichtet. Personalausbildung und -einstellung erfolgten, um den konkreten Herausforderungen gerecht zu werden, Wissen wird durch Seminare und Fortbildungen aktualisiert. Diese Vorgehensweise wollten wir nunmehr weiterentwickeln und den Bereich stärker vorausschauend mit unseren strategischen Zielen und der vorhandenen Personalsituation verknüpfen.

Karl-Heinz Abraham: Für mich war der 6. Gemeinsame Genossenschaftstag, im Jahr 2008 in Frankfurt am Main, ein markanter Termin: Damals hat der EBZ-Vorstandsvorsitzende Klaus Leuchtmann im Rahmen eines Vortrags dargelegt, was für ein Risiko Unternehmen eingehen, die sich nicht auf Personalengpässe vorbereiten. Seit damals habe ich mir zunehmend Gedanken über eine vorausschauende Personalplanung gemacht. Unsere Genossenschaft hat in der Folge auch verstärkt ausgebildet. Aber über ein niedergeschriebenes Personalentwicklungskonzept verfügt unser Unternehmen nicht.

Petra Eggert-Höfel: Wir hatten bisher kein Personalentwicklungskonzept. In unserem Unternehmen gibt es allerdings einen sehr offenen Zugang für alle Mitarbeiter zu Weiterbildungsmaßnahmen: Jeder Mitarbeiter bekommt Infos über alle fachspezifischen Weiterbildungsmöglichkeiten. Es kommt auch vor, dass von Seiten der Geschäftsführung oder des Teamleiters einem Mitarbeiter eine Maßnahme empfohlen wird. Im Alltag arbeiten wir darüber hinaus mit Zielvereinbarungen, die quartalsweise erarbeitet und für alle zugänglich im Intranet eingestellt werden.
Wie haben Sie den Besuch der Personalentwickler aus dem EBZ empfunden? Was war gut, was war nicht gut, wie praxisnah war die Beratung?
Petra Eggert-Höfel: Ich habe die Berater als sehr kompetent und gut vorbereitet empfunden. Die Nähe zur Wohnungswirtschaft ist hier ein ganz klarer Vorteil. Viele Stellenbeschreibungen passten gut oder annähernd auf unser Unternehmen, die Abweichungen waren schnell besprochen und von beiden Seiten verstanden.
Thomas Schimmel: Man hat sich auf unsere individuelle Lage eingestellt und war sehr daran interessiert, sich unseren Wünschen anzupassen. Dazu wurde sogar das Ursprungskonzept der Akademien erweitert. In unserer Situation war es zielführend, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter direkt über eine Mitarbeiterbefragung einzubinden. Dieser Wunsch wurde sofort aufgegriffen und in die Vorgehensweise integriert. Die Berater konnten sich auch sehr gut auf die Besonderheiten eines kleineren Wohnungsunternehmens einstellen. Denn auch wir sind mit allen Themengebieten der Personalentwicklung konfrontiert. Diese kommen nur nicht permanent vor, so dass nicht schon alle Strukturen vorhanden sind.

Karl-Heinz Abraham: Wir fühlen uns ebenfalls gut betreut. Schon im Vorgespräch wurde schnell klar, dass die Berater die Wohnungs- und Immobilienwirtschaft gut kennen, dass sie Zusammenhänge und Themen begreifen und deswegen auch ein gutes Gefühl dafür haben, wie bei uns gearbeitet wird.
Wie haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter diese Maßnahme angenommen?
Thomas Schimmel: Unser Führungsteam arbeitet von Anfang an sehr engagiert mit. Die strukturierte Vorgehensweise sehen wir als großen Vorteil an. Die Beteiligung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an der freiwilligen Befragung war mit über 80 % sehr hoch. Hier konnten wir zusammen mit dem EBZ das notwendige Vertrauen herstellen. Im weiteren Verlauf werden wir aus den Ergebnissen nun die Handlungsfelder ableiten. Ich gehe davon aus, dass das Engagement aller Beteiligten dann nicht nachlassen wird.

Karl-Heinz Abraham: Das war bei uns auch so. Übrigens führen wir in der Genossenschaft selbst jährlich Gespräche mit den Mitarbeitern und suchen nach Verbesserungsmöglichkeiten. Doch in den Gesprächen, die wir anbieten, merkt man, dass die Leute nicht wirklich über jedes Thema offen mit der Leitungsebene sprechen. Umso wichtiger sind für uns die Ergebnisse der vertraulichen Mitarbeiterbefragung, die im Rahmen der mobilen PE in unserem Haus durchgeführt worden ist.

Petra Eggert-Höfel: In dieser Phase befinden wir uns zum Teil noch. Die Teamleiter haben in der anberaumten PE-Runde sehr offen diskutiert und die Mitarbeiter haben auf die Ankündigung der Gespräche ebenfalls sehr positiv reagiert. Wir haben ausdrücklich klargestellt, dass es um die Identifikation von Entwicklungspotenzialen geht und keinesfalls um Umstrukturierungs- oder sonstige Maßnahmen.


Wie lautet Ihr Fazit?
Karl-Heinz Abraham: Ich kann allen Wohnungsunternehmen ohne eigene Personalabteilung nur empfehlen, diese Möglichkeit zu nutzen: Die mobile PE ist nicht nur eine Personal-, sondern auch eine Organisationsberatung, und sie gibt uns die Möglichkeit, viele Abläufe, Prozesse und Strukturen aus einem ganz neuen Blickwinkel zu betrachten. Sie bringt neue Ideen und neue Impulse ins Haus.

Thomas Schimmel: Ich hatte durchaus zuerst Bedenken, habe mir die Frage gestellt, wie der Besuch der Berater im Haus ankommt, und ob man mir am Ende nur eine Reihe von Seminaren verkaufen will. Im Nachhinein muss ich sagen: Die Sorgen waren unbegründet, die Erkenntnisse aus dem Modellprojekt sind für uns bereits jetzt wertvoll, auch wenn noch nicht alle Ergebnisse vorliegen und die Maßnahme noch nicht abgeschlossen ist. Ich hatte nie den Eindruck, dass es den Beratern um Folgegeschäfte ging. Zum Abschluss des Projektes werden wir anhand einer logischen, nachvollziehbaren Analyse selbst entscheiden, welche Maßnahmen wir im weiteren Verlauf mit welchem Partner umsetzen.

Petra Eggert-Höfel: Obwohl uns das endgültige Ergebnis noch nicht vorliegt, bin ich sehr zufrieden, an diesem Projekt teilgenommen zu haben. Zum einen wegen des veränderten Blickwinkels auf das eigene Unternehmen, zum anderen weil wir unseren Mitarbeitern so eine besondere Wertschätzung zeigen. Und natürlich auch wegen des eigentlichen Grundes, ein Werkzeug zu erhalten, das uns dabei unterstützt, gut ausgebildete, motivierte Mitarbeiter zu haben und zu halten.
Ich kann dieses Projekt nur empfehlen. Zunehmend bemerken wir, dass für uns als kleines Unternehmen im ländlichen Raum die Auswahl an geeigneten Mitarbeitern nicht größer wird. Maßnahmen wie ein Personalentwicklungskonzept können helfen, bei den vorhandenen Mitarbeitern Potenziale zu entwickeln und insbesondere jüngere Mitarbeiter längerfristig an das Unternehmen zu binden.


Vielen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Andreas Winkler.

Thomas Schimmel, Vorstand der Wohnungsgenossenschaft München West eG

Petra Eggert-Höfel, Vorstand der B&S bau- und Siedlungsgenossenschaft für den Kreis Herford eG

Karl-Heinz Abraham, Vorstand der Wohnungsgenossenschaft Herne eG

Wie Wohnungsunternehmen Personalentwicklungsmaßnahmen umsetzen, lesen Sie in unserer Interviewserie zur „Strategischen Personalentwicklung“ hier.

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