15.08.2012 | Top-Thema Wohngesundheit im mehrgeschossigen Wohnungsbau

NaWoh-Qualitätssiegel: Nachhaltigkeit im Wohnungsbau

Kapitel
Gartenpark Höhenkirchen München der Bayerischen Hausbau Projektentwicklung GmbH
Bild: Bayerische Hausbau

In der Immobilienwirtschaft ist die Nachhaltigkeit im Gebäudebereich seit Langem ein Thema. Verschiedene Siegel – Minergie-, Green-Building-, Effizienzhaus- oder DGNB-Label – konkurrieren im Immobiliensektor miteinander. Nachhaltigkeit nur auf einzelne Aspekte wie Energieeffizienz zu reduzieren, bildet die wohnungswirtschaftliche Realität nicht ab. Daher wurde das unabhängige Bewertungssystem „Nachhaltiger Wohnungsbau“ entwickelt.

Nachhaltiger Wohnungsbau umfasst ökologische, ökonomische, soziale und kulturelle Aspekte. Mit dem Ziel, diese in vielen Wohnungsneubauprojekten umgesetzten Aspekte sichtbar zu machen, die Qualität neu errichteter Wohngebäude zu steigern und die Grundsätze der Nachhaltigkeit beim Wohnungsbau in der Immobilienbranche noch stärker zu verankern, haben sich wohnungs- und immobilienwirtschaftliche Verbände sowie mit ihnen verwandte Einrichtungen zusammengeschlossen und im Februar 2012 den „Verein zur Förderung der Nachhaltigkeit im Wohnungsbau“ (NaWoh) gegründet. Er ist Träger für die Vergabe des Qualitätssiegels „Nachhaltiger Wohnungsbau“. Um Zertifizierungen kostengünstig – d. h. kostendeckend – anbieten zu können, erarbeitete der Verein eine Zertifizierungsordnung und ein Bewertungssystem. Es geht zurück auf die Arbeitsgruppe „Nachhaltiger Wohnungsbau” unter der Leitung von Hans-Otto Kraus (GWG München), beraten von Prof. Thomas Lützkendorf (Lehrstuhl Ökonomie und Ökologie des Wohnungsbaus, Karlsruher Institut für Technologie) und unterstützt vom Bundesbauministerium.
Das NaWoh-Qualitätssiegel
Das Qualitätssiegel Nachhaltiger Wohnungsbau wird für neue Wohngebäude, die den Kriterien des Bewertungssystems NaWoh entsprechen, an Bauherren vergeben, die sich einer freiwilligen Vollständigkeits- und Konformitätsprüfung unterzogen haben. Die Einhaltung der Kriterien und Qualitätsanforderungen bestätigt eine Urkunde. Um größtmögliche Transparenz herzustellen, werden nicht nur die Ergebnisse der Beschreibung und Bewertung detailliert angegeben, sondern auch ein Stärkenprofil des Neubaus erstellt. Unabhängig von dem Siegel dient das zugrunde liegende System zur Beschreibung und Bewertung der Nachhaltigkeit aber auch als ein Leitfaden und eine Planungshilfe, die zur Unterstützung der Qualitätssicherung im Neubauprozess einsetzbar ist.
Bewertungssystem
Das Bewertungssystem wurde entwickelt, um die verschiedenen Nachhaltigkeitsaspekte in der großen Breite der Wohnungsneubauten beschreiben und bewerten zu können. Es orientiert sich stark an der wohnungswirtschaftlichen Praxis und fokussiert die Handlungsmöglichkeiten von Wohnungsunternehmen als Bestandshalter, bezieht aber auch die Interessen von Mietern mit ein. Das System unterscheidet zwei Arten von Kriterien:
• bewertende Kriterien: Anhand definierter Bewertungsmaßstäbe ist die Erfüllung von Mindestanforderungen nachzuweisen.
• beschreibende Kriterien: Entsprechend einer Checkliste und unter Beachtung von Dokumentationspflichten werden bauliche, technische oder organisatorische Lösungen oder Vorgehensweisen beschrieben. Geprüft werden Art und Umfang der Beschreibung von Merkmalen, Eigenschaften oder Maßnahmen.
Die zu bewertenden Qualitäten umfassen fünf Obergruppen (Hauptkriteriengruppen), die wiederum in einzelne Indikatoren unterteilt sind:
1. Wohnqualität
2. Technisch-bauliche Qualität
3. Ökologische Qualität
4. Ökonomische Qualität
5. Prozessqualität
In Form von Steckbriefen (Kriteriensteckbriefe) werden die zu dokumentierenden und zu bewertenden Maßstäbe zusammengefasst. Da sich jedoch etliche Entscheidungskriterien von Bestandshaltern einer Bewertung über Benchmarks oder Checklisten entziehen, fließt die Beschreibung der wohnungswirtschaftlichen Konzepte, Strategien und Ziele sowie des Standorts samt Entwicklungsprognose mit ein. Um das Qualitätssiegel Nachhaltiger Wohnungsbau zu erhalten, muss der Bauherr die Unterlagen für das Gebäude entsprechend des Bewertungssystems zusammenstellen. Die einzelnen Kriterien können durch unterschiedliche Personen, wie Architekten, Dienstleister oder Mitarbeiter des Bauherrn, erstellt werden. Die ausführliche Behandlung des Bereiches Wohnqualität, das Herstellen eines methodischen Zusammenhangs zwischen Gebäudestandort und Umfeld, zwischen den planerischen und baulichen Reaktionen auf Standort und Umfeld, sowie die Einbeziehung der Wirtschaftlichkeit für den Bauherrn kennzeichnet das NaWoh-System.

Olaf Berger, DW Die Wohnungswirtschaft

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