16.11.2012 | Top-Thema Wohnen für ein langes Leben

Zukunftsforum Langes Leben: Die Chancen des demografischen Wandels

Kapitel
Bundesforschungsministerin Prof. Dr. Annette Schavan betonte die politische Notwendigkeit, ressortübergreifend zu handeln, um die Potenziale des Alters auszuschöpfen.
Bild: Gesundheitsstadt Berlin

Als „Demografiegipfel der Zivilgesellschaft und der Wirtschaft“ bezeichnete Kongresspräsident Ulf Fink das diesjährige Zukunftsforum Langes Leben. Rund 750 Fachleute aus Wohnungs-, Sozial- und Gesundheitswirtschaft sowie Politik trafen sich in Berlin, um über die Herausforderungen und Chancen des demografischen Wandels zu diskutieren.

Angesichts des demografischen Wandels gehöre die Frage, „wie unser Land ideenreich und innovativ bleiben kann, zu den großen Gestaltungsaufgaben für unsere Gesellschaft“, sagte Bundesforschungsministerin Prof. Dr. Annette Schavan in ihren Begrüßungsworten. Sie plädierte dafür, die durch die längere Lebensdauer geschenkten Jahre „zu einem Gewinn für alle“ zu machen, ohne indes die durch das Alter gesetzten Grenzen zu verschweigen. Um die Potenziale des Alters auszuschöpfen, brauche es eine Politik, die Schranken zwischen Ressorts und Verwaltungsebenen überschreite – auch wenn das erfahrungsgemäß schwierig sei.

Forderungen der Wohnungswirtschaft
Eine „Art Masterplan Wohnen für ein langes Leben“ forderte Axel Gedaschko, Präsident des GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen. Die Wohnungswirtschaft sei bereit, ihren Beitrag zur Bewältigung des demografischen Wandels zu leisten, sei dafür aber auf Unterstützung von Partnern gerade auch aus der Politik angewiesen. Dabei appellierte Gedaschko an den Bund, wieder in die Zuschussförderung des KfW-Programms „Altersgerecht Umbauen“ einzusteigen – und zwar für alle Gebäudeeigentümer (siehe Infokasten). Darüber hinaus sprach er sich dafür aus, telemedizinische Leistungen verstärkt in die Leistungskataloge der gesetzlichen Krankenkassen aufzunehmen und das ehrenamtliche Engagement besser zu unterstützen.
Dass die Wohnungsunternehmen ein ureigenes Interesse haben, sich um ältere Mieter zu bemühen, unterstrich Gedaschkos Vorgänger als GdW-Präsident, der Gewobag-Aufsichtsratsvorsitzende Lutz Freitag, in dem von ihm moderierten Forum ‚Wohnungsbestand altersgerecht umbauen’: „Mieter im hohen Alter sind unsere besten Kunden. Sie begehen keinen Vandalismus, produzieren keine Graffiti und zahlen pünktlich ihre Miete.“
Die Gewobag hat in ihrem Bestand rund 3.900 Wohnungen in Seniorenwohnhäusern, die den heutigen Anforderungen an Barrierearmut nicht mehr genügen.
Wie Gewobag-Vorstand Hendrik Jellema ausführte, konnte das Berliner Unternehmen im Rahmen eines Bundesmodellvorhabens aufzeigen, wie sich in diesen Seniorenwohnhäusern barrierearmes Wohnen ohne erhebliche Mietsteigerungen realisieren lässt (siehe den Beitrag auf S. 20). Für die Umbauarbeiten gab sie dabei pro Wohnung lediglich 5.000 € aus. Aufgrund des geringen Einkommens vieler älterer Berliner Mieter, erläuterte Jellema, dürfe eine Nettokaltmiete von 6,- €/m2 nicht überschritten werden. Eine barrierearme Wohnung allein reiche aber nicht, betonte der Gewobag-Vorstand: Wichtig sei auch die Vernetzung im Quartier.
Herausforderung für die Personalplanung
Weitere Schwerpunkte des Demografiekongresses waren die Möglichkeiten technischer Assistenzsysteme (siehe hierzu die Artikel auf den nachfolgenden Seiten) und die auch für Wohnungsunternehmen relevante Frage, wie sich der demografische Wandel auf die Mitarbeiterstruktur auswirkt. „Betriebliche Gesundheitsförderung“, sagte dazu Norbert Paland, Leiter der Unterabteilung Prävention im Bundesministerium für Gesundheit, „wird gerade in Zeiten des demografischen Wandels immer mehr an Bedeutung gewinnen.“

Christian Hunziker

Freier Immobilienjournalist Berlin

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