01.07.2013 | Top-Thema Wohnen für ein langes Leben

Soziale Einbindung: Aktiv Wohnen im Alter

Kapitel
Voneinander lernen: ein älterer Mieter aus dem GEWOBAG-Seniorenhaus bastelt und werkelt mit Kindern aus der Nachbarschaft
Bild: GEWOBAG, Berlin

Die GEWOBAG Wohnungsbau-Aktiengesellschaft beschränkt ihr Engagement im Bereich altersgerechtes Wohnen nicht allein auf bauliche Maßnahmen. Sie setzt auf eine aktive Nachbarschaft und ein Angebot an Hilfen und sozialen Aktivitäten.

„Ich bin Kindernarr. Am Schluss hätte ich sie alle in den Arm nehmen und drücken können.“ GEWOBAG-Mieter Gerhard Kurth, 80, ist von der „Hänsel und Gretel“-Aufführung der Grundschüler in Berlin-Spandau sichtlich gerührt. An diesem Vormittag in der Aula fiebert er als unmittelbar Beteiligter mit: Schon in der Probephase hat er mit anderen Senioren die Viertklässler begleitet und aktiv mitgewirkt. Im Rahmen des generationenübergreifenden Kulturprojekts „Abenteuer Oper!“ waren Bewohner eines GEWOBAG-Seniorenwohnhauses in den Schulworkshop der Komischen Oper Berlin eingebunden. Gerhard Kurth: „Als die Kinder in der Probe nach der 2. Strophe von ‚Brüderchen, komm tanz mit mir’ mit dem Singen aufgehört haben, fiel mir doch tatsächlich die dritte Strophe ein. Die habe ich vor 76 Jahren selbst im Kindergarten gelernt.“ Später fehlten in der Probe Hexenbesen als Requisite. Auch hier wusste Gerhard Kurth Rat und nahm die Sache gemeinsam mit den Schülern in die Hand: „Eigentlich benutzt man Weide, doch im Schulgarten haben wir nur Reisig gefunden. Aber auch daraus kann man Besen machen. Das hab ich damals beim Bauern gelernt.“ Das Kulturprojekt „Abenteuer Oper!“ der GEWOBAG ist ein gutes Beispiel für die große Vielfalt an sozialen Angeboten, die das kommunale Wohnungsunternehmen für ältere Mieter wie Gerhard Kurth anbietet.

Bauliche Maßnahmen allein reichen nicht aus
Das Thema „Wohnen im Alter“ beschäftigt die GEWOBAG schon lange, denn jeder dritte Mieter der GEWOBAG ist älter als 65 Jahre. Die GEWOBAG verfügt derzeit über 29 Seniorenwohnhäuser mit 2.928 Wohnungen. Die Häuser stammen überwiegend aus den 1960er und 1970er Jahren. Doch natürlich leben ältere Mieter überall in Berlin im normalen GEWOBAG-Wohnungsbestand und wollen auch so lange wie möglich in ihrer vertrauten Umgebung bleiben. Bis Ende 2012 nahm die GEWOBAG als einziges Berliner Wohnungsunternehmen am bundesweiten Modellvorhaben „Altersgerecht Umbauen“ teil. Im Projekt „Seniorenwohnhäuser – altersgerechte Anpassung und Vernetzung im Quartier“ wurde beispielhaft an drei Seniorenwohnhäusern dargestellt, wie ein Umbau sinnvoll funktionieren kann und eine Einbindung als Kristallisationspunkt im Quartier möglich ist.
Doch Wohnen im Alter darf sich nicht auf die „vier altersgerechten Wände“ in einem entsprechenden Wohnumfeld beschränken. Kerstin Kirsch, Geschäftsführerin der GEWOBAG MB Mieterberatungsgesellschaft mbH: „Um dem Wunsch unserer Mieter nachzukommen, so lange wie möglich in ihrer Wohnung und ihrer gewohnten Umgebung bleiben zu können, bedarf es deutlich mehr als baulichen Anpassungen in der Wohnung. Vitalität ist ein Schlüsselbegriff, der durch soziale Kontakte und Aktivitäten gefördert und erhalten wird. Hier setzen wir mit ganz unterschiedlichen Partnern Impulse und schaffen neue Möglichkeiten.“

„Jelängerjelieber“: Praktische Hilfen und Vernetzung im Quartier
Im Rahmen des GEWOBAG-Projekts „Jelängerjelieber“ werden Senioren durch Bürgerarbeit tatkräftig unterstützt. So bekommen zum einen engagierte Seniorenhelfer die Chance, sich beruflich zu qualifizieren und ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen. Zum anderen profitieren die Mieter davon. Katrin Mahdjour, Mitarbeiterin der GEWOBAG MB Mieterberatungsgesellschaft mbH, kennt den aktuellen Bedarf älterer Menschen: „Barrierearme Zugänge und Wohnungen werden immer häufiger nachgefragt. Doch der Alltag unserer älteren Mieter kennt noch einige andere Klippen: Das Einkaufen fällt schwer, Arztbesuche und Behördengänge stellen eine Herausforderung dar. Dabei ist der finanzielle Spielraum gering, denn viele Bewohner verfügen nur über eine kleine Rente.“ In den zwei Seniorenwohnhäusern des Projektes „Jelängerjelieber“ unterstützen die Seniorenhelfer die Bewohner bei Erledigungen, man liest gemeinsam Zeitung, diskutiert darüber und es gibt ein Freizeitprogramm. Die älteren GEWOBAG-Mieter bleiben aktiv und eingebunden. Die Bewohner von zehn weiteren GEWOBAG-Seniorenwohnhäusern können auf einen Seniorenservice zurückgreifen. In der Schöneberger Winterfeldtstraße z. B. steht in einer zum Gemeinschaftsraum umgebauten Wohnung die Mitarbeiterin eines langjährigen Partners den Senioren zur Seite. Aktive Mieter im Haus übernehmen Aufgaben für die Gemeinschaft. Neu ist auch das Angebot einer Lotsin für Gesundheit und Lebensumfeld. Viele GEWOBAG-Mieter wünschen sich persönliche Ansprechpartner für Themen rund um Gesundheit und Versorgung. Die Gesundheitslotsin erkennt Versorgungslücken und schafft Zugang zu Informationen und Dienstleistungen.

Fokus Seniorensicherheit
Seit Januar 2013 wappnet die GEWOBAG insbesondere ältere Mieter vor Trickbetrügern und Einbrechern. Gemeinsam mit dem Landeskriminalamt Berlin startete die GEWOBAG eine Veranstaltungsreihe in Seniorenwohnhäusern zur Seniorensicherheit. Erfahrene Beamte des Landeskriminalamtes berlin geben den teilnehmenden Senioren Tipps, wie man sich durch richtiges Verhalten vor Betrug und Diebstahl effektiv schützen kann. Hilfreich sind auch einfache, aber wirkungsvolle Hilfsmittel wie zum Beispiel ein Türstopper.

Nachbarschaftliche Gemeinschaft ist wichtig
Mieterbeiräte sind ein Alleinstellungsmerkmal städtischer Wohnungsgesellschaften. Die ­GEWOBAG fördert dieses Ehrenamt und investiert in die Weiterbildung. 2013 kommen zu den acht bestehenden fünf neue Mieterbeiräte hinzu. Die Mieter finden die Mieterbeiräte vor Ort in den GEWOBAG-Kiezstuben, „den guten Stuben“ außerhalb der eigenen vier Wände. 2013 eröffnen fünf neue Kiezstuben und bieten Räume für Möglichkeiten wie Gespräche, Bildung, Sport und Kreativität. Die Schaffung eines starken nachbarschaftlichen Miteinanders zieht sich wie ein roter Faden durch die Projekte und wird auch die Arbeit der nächsten Jahre prägen.

Dr. Gabriele Mittag

GEWOBAG, Berlin

Schlagworte zum Thema:  Demografischer Wandel

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