04.03.2014 | Top-Thema Wohnen für ein langes Leben

Wohnen für ein langes Leben: Koalitionsvertrag will den Gesundheitsstandort „Wohnung” stärken

Kapitel
Barrierefreie und barrierearme Wohnungen bei den Unternehmen des GdW
Bild: GdW

Der Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD schafft für die Wohnungswirtschaft in wichtigen Bereichen sehr schwierige Rahmenbedingungen. Mietendeckel im Bestand und bei der Wiedervermietung sowie die Absenkung zeitlicher Befristung des Mieterhöhungsanspruchs bei Modernisierung sind dafür nur zwei Beispiele. Allerdings enthält der Vertrag im Bereich Alter, Gesundheit und Pflege auch gute Ansätze.

Positiv ist z. B. die Absicht der Koalitionäre zu bewerten, dass wieder Mittel für den altersgerechten Umbau zur Verfügung gestellt werden sollen. Angesichts der steigenden Zahl älterer Menschen sind dringend mehr altersgerechte Wohnungen nötig, und eine entsprechende Entscheidung war bereits überfällig. Der GdW hatte schon seit Langem gefordert, dass die Bundesregierung im Rahmen der Demografiestrategie wieder neue Mittel für das KfW-Programm „Altersgerecht Umbauen” bereitstellen muss. Der GdW hofft, dass Mieter und alle Wohnungs- bzw. Gebäudeeigentümer künftig von der geplanten Zuschusskomponente profitieren können.

Vergütung telemedizinischer Leistungen

Als richtungsweisend könnte sich die Festlegung erweisen, dass telemedizinische Leistungen gefördert und angemessen vergütet werden sollen. Konkret wird vorgeschlagen, entsprechende Anwendungen in den Leistungskatalog der Krankenkassen aufzunehmen. Dies hatte auch der GdW ausdrücklich gefordert und hofft nun, dass diese Förderung als wichtiger Beitrag zur Stärkung des Gesundheitsstandortes „Wohnung” beiträgt und damit der Grundsatz „ambulant vor stationär” endlich stärker gelebt wird.
Positiv sind auch einige Festlegungen zum Thema Pflege. Auch hier begrüßt der GdW, dass – wie von ihm gefordert – der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff auf der Grundlage der Empfehlungen des Expertenbeirates in dieser Legislaturperiode so schnell wie möglich eingeführt werden soll. Ebenfalls erfüllt wurde die Forderung des GdW, die Zuschüsse für das Wohnumfeld verbessernde Maßnahmen auszubauen.


Technische Unterstützungssysteme

Positiv ist zudem, dass die Entwicklung von Angeboten altersgerechter Begleitung und technischer Unterstützungssysteme gefördert und in den Leistungskatalog der Pflegeversicherung aufgenommen werden soll. Von der weiteren Förderung von Angeboten altersgerechter Begleitung und technischer Unterstützungssysteme und deren Aufnahme in den Leistungskatalog der Pflegeversicherung erwartet der GdW besondere Anreizwirkungen für eine wohnnahe Versorgung.
Der im Januar 2014 veröffentlichte Abschlussbericht der vom Bundesministerium für Gesundheit beauftragten Studie „Unterstützung Pflegebedürftiger durch technische Assistenzsysteme” stützt die GdW-Positionen. Die Empfehlung der Studie, das Hilfsmittelverzeichnis der Kassen breiter um technische Assistenzsysteme – auch im Vorfeld einer eingetretenen Pflegebedürftigkeit – zu öffnen, geht in die richtige Richtung. Auch wird auf die Notwendigkeit zur Entwicklung geeigneter Geschäftsmodelle für Assistenzsysteme verwiesen.

Mehr Licht als Schatten?

Zusammenfassend begrüßt der GdW, dass wesentliche Forderungen im Bereich Alter, Gesundheit und Pflege Eingang in den Koalitionsvertrag gefunden haben. Dies gilt auch für die Förderung von Assistenzsystemen in sogenannten Smart-Home-Umgebungen, um Menschen den Alltag zu erleichtern. Der GdW mahnt jedoch, bei der konkreten Ausgestaltung die Kriterien Kundennutzen und Wirtschaftlichkeit in den Vordergrund zu stellen. Er vermisst Regelungen für eine verbesserte Koordination der Aktivitäten der jeweiligen Ressorts bei den Themen Wohnen für ein langes Leben und Ambient Assisted Living (AAL). Entscheidend bleibt aber, auch die persönlichen Dienstleistungen zu stärken – z. B. über verbesserte Bedingungen für ehrenamtliches Engagement. Der GdW begrüßt diese Ankündigung der Koalition und hofft, dass hierbei auch nachbarschaftliche Betreuung gestärkt und Strukturen in Wohnsiedlungen praxisnah ausgestaltet werden.
Die Koalitionsprosa weckt hier positive Erwartungen, die nun durch eine rasche Umsetzung erfüllt werden müssen.

Dr. Klaus Wedemeier, Referent Multimedia und IT, Wohnen für ein langes Leben, GdW, Berlin

Schlagworte zum Thema:  Wohnungswirtschaft, Demografischer Wandel

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