01.07.2013 | Top-Thema Wohnen für ein langes Leben

Innovatives Wohnen im Alter: Das neue Ludwigsburger Seniorenmodell

Kapitel
So soll das Seniorenwohnprojekt mal aussehen: Vorläufige Visualisierung des Projekts „Wohnen im Weinbergblick“
Bild: WBL/Ackermann+Raff

Besonders in prosperierenden urbanen Räumen herrscht ein wachsender Wohnungsmangel, der auch Senioren betrifft, die für das selbstbestimmte Wohnen im Alter entsprechende Angebote suchen. Für Wohnungsunternehmen bedeutet dies, zunehmend Konzepte für seniorengerechtes Wohnen in die aktuelle und zukünftige Planung einbeziehen zu müssen. Die Wohnungsbau Ludwigsburg GmbH geht neue Wege mit einem interessanten Seniorenwohnmodell.

Dass die Menschen immer älter werden und auch im Rentenalter noch viele Jahre ihr Leben selbst aktiv gestalten wollen, ist keine neue Erkenntnis. Im Mietwohnungsbereich leben Paare oder verwitwete Senioren oft in den Wohnungen, die einst das Zuhause einer ganzen Familie waren. Eine kleinere Wohnung für die altersspezifischen Bedürfnisse und Ansprüche zu finden, ist nicht einfach. Und betreutes Wohnen oder Seniorenheime kommen für selbstständige, nicht auf fremde Hilfe angewiesene Menschen in der Regel nicht infrage. Wie und wo können aber Senioren den richtigen Ort für ein individuelles und wertvolles Wohnen im Alter finden?
Die Wohnungsbau Ludwigsburg GmbH (WBL) hat sich intensiv mit dem Thema „Selbstbestimmtes Wohnen im Alter“ auseinandergesetzt. Ziel war es, neuartige und flexible Konzepte für ein eigenverantwortliches, seniorengerechtes Wohnen zu entwickeln. Das Ergebnis: ein innovatives Seniorenwohnmodell. „Unsere Grobkonzeption basiert darauf, dass die Mieter dieser Wohnform Interesse am zwanglosen gemeinschaftlichen Wohnen haben sowie interessiert an gemeinschaftlichen Aktivitäten sind, damit eine gute Nachbarschaft mit gegenseitiger Unterstützung entsteht“, erläutert Geschäftsführer Andreas Veit. „Die WBL begleitet und unterstützt die Mietergruppe bei diesem Vorhaben in der Startphase.“

Pilotprojekt „Wohnen im Weinbergblick“
Das Pilotprojekt des neuen Modells entsteht derzeit im Neubaugebiet Neckarterrasse im Ludwigsburger Stadtteil Neckarweihingen. Auf einem 1.700 m2 großen Grundstück – umgeben von Wiesen, Feldern und Weinbergen – baut die WBL hier ein Mehrfamilienhaus mit ca. 1.730 m2 Wohnfläche und insgesamt 20 Wohneinheiten und einer Gemeinschaftswohnung. Im ersten, zweiten und dritten Obergeschoss des energieeffizienten Mietwohnungsneubaus sind neun 2-Zimmer-Wohnungen für Senioren vorgesehen. Die Wohnungen werden barrierearm ausgestattet, das Haus wird vollständig barrierefrei erschlossen, mit einem Aufzug versehen und nach dem KfW-Standard 55 erstellt.
Neben ihrer eigenen Wohnung steht den älteren Mietern in diesem Objekt im Erdgeschoss zusätzlich eine großzügige Gemeinschaftswohnung mit Gartenanteil zur Verfügung, die als Treffpunkt dient und für unterschiedlichste Aktivitäten genutzt werden soll. Innerhalb der Gemeinschaftswohnung befindet sich zudem eine Gästewohnung für Angehörige und Besucher.
Die weiteren Mietwohnungen des Mehrfamilienhauses werden hauptsächlich an Familien vermietet, sodass sich innerhalb der Hausgemeinschaft soziale Kontakte über Generationengrenzen hinweg entwickeln können. Als Faktor kommt hinzu, dass das Neubaugebiet eine gute Nahversorgung sowie eine gute öffentliche Verkehrsanbindung aufweist.

Senioren planen mit
Das Besondere am Modell „Seniorenwohnen“ liegt darin, dass nicht nur für, sondern vor allem mit den späteren Mietern geplant wird. Schon in der frühesten Planungsphase wurden potenzielle Bewohner aus dem Mieterkreis der WBL angeschrieben und zu einem ersten Informationsgespräch eingeladen. Über die lokalen Medien wurden ferner weitere interessierte Senioren angesprochen. Sehr schnell fand sich eine Gruppe von fünf Mietinteressenten, die sich schon jetzt gemeinsam aktiv in das Projekt einbringt.
Die Mietinteressenten nehmen an den regelmäßigen Treffen der Projektgruppe Seniorenwohnen Neckarterrasse teil und wirken auch bei der inhaltlichen Ausarbeitung des Wohnprojekts mit. Die Senioren beraten die WBL nicht nur hinsichtlich der Ausstattung der Seniorenwohnungen, sondern auch hinsichtlich der Gemeinschaftsbereiche. Daneben sollen die Mieter das Wohnungsbauunternehmen bei der Auswahl geeigneter künftiger Mitmieter unterstützen.

Die Wohnungsausstattung nimmt Gestalt an
Gemeinsam mit dem planenden Architekten Alexander Lange vom Tübinger Architekturbüro Ackermann+Raff fanden inzwischen erste Planungsgespräche in den Geschäftsräumen der WBL statt, die als gemeinsam erarbeitete Anforderungen in Planungsarbeit einfließen. Dabei kristallisierten sich schnell spezifische Anforderungen an die Wohnung und die Wohnungsausstattung heraus. So sollen z. B.:
• die Türen im Schleusenbereich zur Wohnung sowie die Eingangstüren elektrisch zu bedienen sein können,
• die Spione der Eingangstüren auch von Rollstuhlfahrern genutzt werden können,
• eine Videosprechanlage,
• ein Hauptschalter zum Abschalten gekennzeichneter Steckdosen vorhanden sein sowie
• die Stromanschlüsse an gut zugänglichen Stellen installiert werden.
Weitere Wohn- und Ausstattungswünsche, die über die übliche altengerechte Ausstattung hinausgehen, wurden ebenfalls bereits formuliert. So ist den Senioren wichtig, dass in allen Wohn- und Schlafräumen TV- und Telekommunikationsanschlüsse vorgesehen werden. Auch sollen die Fenster nicht bodentief sein, da das Fensterbrett gerne als Abstellfläche genutzt wird. Ebenso werden in Küche und Bad nur kleine Fenster gewünscht. Auch für Senioren geht die Tendenz zu offenen Küchen, die jedoch auch mit einem Handicap leicht zu bedienen sein sollen.
Zahlreiche Bedürfnisse betreffen die Badausstattung: Neben bodengleichen Duschen mit Klappsitz und Duschvorhängen statt starrer Kabinenwände sind Haltegriffe neben Dusche und Toilette sowie eine normale WC-Höhe gefordert. Auch Stromanschlüsse sowie Zu- und Abläufe für Waschmaschine und Trockner sollen im Bad vorgesehen werden. Gewünscht sind ferner sich nach außen öffnende Türen insbesondere in Bad und WC, damit bei einem eventuellen Sturz ein einfacher Zugang für die Helfer möglich ist.

Gemeinschaftsräume und Gartenfläche
Teilweise wiederholt sich dieser Anforderungskatalog für die Gemeinschaftswohnung im Erdgeschoss. Hier sind darüber hinaus Fußbodenheizung, elektrische Rollläden an großen Fensterfronten und dimmbares Licht im Wohnbereich gefordert. Die Küche soll rollstuhlgerecht mit teilweise unterfahrbaren Arbeitsflächen und verschiedenen, eventuell verstellbaren Arbeitshöhen ausgestattet werden, der Zugang zu allen Lichtschaltern soll für Rollstuhlfahrer einfach erreichbar sein.
Statt Schiebetüren werden normale Glastüren als Zugang zu Terrasse und Garten bevorzugt. Und für den Garten wünschen sich die Senioren neben einer Sitzecke und Spiel- und Sportgeräten für Erwachsene besonders auch leicht zu bewirtschaftende Hochbeete für die Gartenarbeit. Schließlich soll das in die Gemeinschaftswohnung integrierte Gästeappartement mit Bad über eine separate Eingangstür verfügen, sodass sich die Besucher der Senioren in einem abgeschlossenen Wohnbereich wohlfühlen können.

Erfahrung und Reife fließen synergetisch ein
Ganz bewusst ist das Ludwigsburger Seniorenwohnmodell als fließender, flexibler Prozess gestaltet. Das kommunale Wohnungsunternehmen reagiert dabei auf die individuellen Bedürfnisse der späteren Mieter und schafft einen pragmatisch ausgestatteten und gleichzeitig komfortablen Wohnraum für Senioren. Die geplanten Wohnungen „Im Weinbergblick“ sind sowohl für Interessenten des freien Mietmarktes als auch für Mieter mit Wohnberechtigungsschein – dann mit entsprechend freiwillig reduzierter Miete – zugänglich. Die Gemeinschaftswohnung im Erdgeschoss ist für die Projektteilnehmer mietfrei, hier werden nur die Betriebskosten anteilmäßig auf die Bewohner umgelegt.
„Die WBL geht mit diesem Modell einen neuen Weg in der Schaffung von Wohnraum für Senioren, bei dem der Aspekt des selbstbestimmten und eigenverantwortlichen Wohnens im Alter im Vordergrund steht“, so der Geschäftsführer Andreas Veit. Die Fertigstellung des Gebäudes und der Erstbezug sind für Ende 2014/Anfang 2015 vorgesehen.

Sabrina Bleher,

Assistentin der Geschäftsführung Wohnungsbau Ludwigsburg GmbH

Schlagworte zum Thema:  Demografischer Wandel

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