01.07.2013 | Top-Thema Wohnen für ein langes Leben

Der Hospizgedanke - eine Herzensangelegenheit

Kapitel
Bild: GdW

Die Hospizidee betrachtet das Sterben als einen Teil des Lebens. Durch den Einsatz von ehrenamtlichen Helfern wird außerdem dem Wunsch vieler Menschen Rechnung getragen, trotz schwerster Krankheit zuhause den Lebensabend zu verbringen. Im Oktober 2009 gab es in Hamburg eine Hospizwoche, die Axel Gedaschko, heute Präsident des GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen, damals Wirtschaftssenator der Freien und Hansestadt Hamburg, mit begleitete.

Vor Jahren haben Sie sich im Vorstand einer Bürgerstiftung zur Einrichtung eines Hospizes engagiert. Was hat Ihnen diese Arbeit gezeigt? Hat Sie Ihr Verhältnis zum Thema Tod verändert?
Ja, und zwar ziemlich intensiv, wobei ich allerdings neben dem Tod insbesondere die letzte Phase des Lebens geeigneter finde, um das Thema in seiner ganzen Bedeutung zu umschreiben: Es gibt Lebensphasen, in denen man sich nicht vertieft mit dem Thema Sterben beschäftigt, weil es z. B. im familiären Umkreis allen gut geht. Sich dann über das Thema Hospiz mit dem Tod und dem Sterben zu beschäftigen, war ein Weg, den man gehen konnte. Wie viele meiner Mitstreiter habe ich mich dadurch erstmalig für dieses Thema geöffnet und mich innerlich darauf eingelassen. Sehr schnell bemerkt man dann, welcher wichtige Teil des Lebens bei uns regelmäßig gesellschaftlich komplett ausgeblendet wird: der letzte Lebens-
abschnitt, von dem aber doch jeder für sich hofft, ihn in Würde gehen zu können.
Aber wie erreichen wir das? Um diese Antwort mogeln wir uns im alltäglichen Denken und Handeln letztlich doch häufig herum. Warum sollte sich die Wohnungswirtschaft jetzt damit auseinandersetzen?
Die Wohnungswirtschaft kann gemeinsam mit anderen Mitstreitern vor Ort wesentliche Anregungen geben und neben den intensiven Aktivitäten der Wohnungsunternehmen zum altersgerechten Wohnen in den Quartieren diese Lebensphase für die Menschen zu Ende denken. In der sicheren Erkenntnis, dass die Menschen in ihren Wohnungen alt werden wollen, sind wir auch als Verband engagiert, so auf die gesetzlichen Rahmenbedingungen einzuwirken, damit dieser Wunsch Realität wird. Daher sollten wir beim bürgerschaftlichen Engagement auch versuchen, gemeinsam mit anderen eine Antwort auf die Frage zu geben, wie ein Leben ohne Angst vor dem „was dann?”würdevoll zu Ende gelebt werden kann.
Ich versuche auch in meiner Arbeit in der Wohnungswirtschaft, vor dem Hintergrund meiner eigenen Erfahrungen in der Unterstützung des Aufbaus einer Bürgerstiftung zur Gründung eines Hospizes, Beispiele an Interessierte weiterzugeben. Es geht auch darum, denjenigen, die sich zum ersten Mal an ein solches Projekt herantrauen, Mut zu machen. In der Wohnungswirtschaft gibt es schon viele gute Beispiele, auf die wir aufbauen können. Diese Informationen wollen wir weitergeben und damit interessierte Wohnungsunternehmen bei deren Überlegungen unterstützen.
Herr Gedaschko, vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Bärbel Wegner, freie Journalistin, Hamburg.

Schlagworte zum Thema:  Hospiz, Demografischer Wandel

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