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Zinsmärkte – wohin geht die Reise? (Symbolfoto) Bild: Haufe Online Redaktion

Wenn Wohnungsunternehmen in Deutschland die aktuellen Zinserhöhungen kritisch aufstoßen, dann ist es ein Zeichen für zuvor zu eng kalkulierte Kapitalkosten in ihren Investitionsplänen. Vor diesem Hintergrund sind aktuelle Zinsentwicklungen ein sehr wichtiger und effizienter Stresstest für Wohnungsunternehmen. Denn das historisch weiterhin niedrige, weil politisch determinierte Marktzinsniveau erfährt gerade eine relativ drastische, absolut jedoch nur marginale Korrektur.

Ein nachhaltiges Finanzmanagement in Wohnungsunternehmen, das den politisch bedingten Kapitalkostenvorteil nutzte, aber auch als solchen erkannte, wird für den Fall der Entlassung der Zinsmärkte aus den Klauen der politisch nicht legitimierten geldpolitischen Institutionen risikotechnisch vorgesorgt haben. Übersteigen die aktuellen Korrekturen jedoch die Spielräume möglicher Kapitaldienstfähigkeiten einzelner Immobilieninvestitionen, wurde das aktuelle Marktzinsniveau nicht strategisch erfasst und liefert Hinweise für mögliche und durchaus immense finanzwirtschaftliche Risiken für Zeiten nach der expansiven Geldpolitik des Eurosystems.

Zinswende: Worauf sollten Kreditnehmer gefasst sein?

Sollten die Korrekturen um den Jahreswechsel 2016/17 an den Zinsmärkten nur die dritte Möglichkeit einer Zinswende seit dem Jahr 2008 sein und auf Grund weiterer, gar noch verstärkter expansiver Geldpolitik im Eurosystem erneut verpuffen, dann empfiehlt sich zwingend, aus den Entwicklungen die richtigen, risikobasierten Lehren zu ziehen. Werden aber US-Wahl, Brexit, italienische Bankenkrise, die deutschen und französischen Wahlen die Welt, Europa, die Euro-Staaten und Deutschland nachhaltig negativ beeinflussen, könnte sich dieser dritte Ansatz einer Zinswende nach jenen der Jahre 2010 und 2012 vollenden. Vor diesem Hintergrund sollten Kreditnehmer im Jahr 2017 wachsam bleiben und daran denken: Das niedrige Zinsniveau ist nicht ökonomisch bedingt, sondern politisch und der Bestand des Niveaus hängt vom Good will politischer Entscheider ab. Derartige Marktgegebenheiten machen Prognosen von Marktentwicklungen nahezu unmöglich. Zur strategischen Voraussicht unternehmerisch Verantwortlicher bleibt daher allein die Notwendigkeit, selbst makroökonomische Entwicklungen zu verfolgen, antizipieren – und zwar im Vertrauen darauf, dass sich die Politik daran ausrichten wird.

Schlagworte zum Thema:  Finanzierung

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