Wie gelingt soziales Miteinander im Quartier?

Gute Nachbarschaft will gepflegt sein. Deshalb hat die nebenan.de Stiftung für den 24. Mai den "Tag der Nachbarn" ausgerufen. Aber was machen gute Nachbarschaft und ein soziales Miteinander im Quartier aus? Die Suche nach Antworten hat unseren Autor nach München-Schwabing geführt.

"Tag der Nachbarn“ hat die nebenan.de Stiftung ihre Initiative genannt, mit der sie Menschen die Möglichkeit geben will, das "Sicherheits- und Zuhause-Gefühl" zu stärken.  Über eine Plattform können deutschlandweit kleine und große Nachbarschaftsfeste bekannt gemacht oder auch gefunden werden

Wenn einer den ersten Schritt tue und etwa ein Nachbarschaftsfest vorbereite, könnten andere aus der Deckung kommen und mitmachen, auch wenn sie sich selbst nicht getraut hätten, das Fest selbst anzustoßen, erklärt Michael Vollmann, Geschäftsführer der Stiftung, die Motivation dafür, einen solchen "Tag der Nachbarschaft" zu initiieren. Daraus könnten sich zudem gemeinsame Projektideen ergeben, etwa dass eine größere Gruppe gemeinsam für eine Verkehrsberuhigung einsteht oder den Park aufräumt.

Flohmarkt Ackermannbogen München
Der vom Ackermannbogen-Verein einmal pro Jahr veranstaltete Flohmarkt ist ein soziales Event für das Viertel.

Profis für soziales Miteinander: Am Ackermannbogen kennt man sich

Am Ackermannbogen in München-Schwabing gehören Nachbarschaftsfeste längst dazu. Etwa das Vereinsjubiläum des Vereins "Ackermannbogen", der 2008 gegründet worden ist, feierten die Bewohner des Viertels unter anderem mit einem gemeinsamen Picknick zwischen den Häusern. Mit dem Quartier, in dem heute rund 7.000 Menschen leben, wuchs auch der Verein: Aktuell zählt er 600 Mitglieder und ist "Dachmarke" für drei Nachbarschaftstreffs, das Kulturbüro, den Gemeinschaftsgarten sowie mehrere ehrenamtliche Projektgruppen, die sich für Hallensport, Stadtnatur oder ältere Menschen im Viertel engagieren.

Modernes Viertel mit 2.250 Wohnungen und 500 Arbeitsplätzen

Hier leben überwiegend Familien mit Kindern. Mehr als 25 Prozent der Bewohner sind unter 20 Jahre alt. Auch baulich ist die Siedlung am Fuße des Olympiaberges noch jung: 2017 wurde der Stadtplatz im Zentrum eingeweiht, mit einem Brunnen als Mittelpunkt, einem Supermarkt und einer Ruhezone. Nebenan liegen der 1.000 Quadratmeter große Gemeinschaftsgarten und ein Park mit alten Bäumen, die aus einer Zeit stammen, als das Gelände militärisch genutzt wurde. Seit Baubeginn im Jahr 2000 sind hier auf knapp 40 Hektar Fläche rund 2.250 Wohnungen, mehr als 500 Arbeitsplätze, zwei Schulen, Kindergärten, ein Jugendtreff und Kulturstätten entstanden.

Nachbarschaftsbörsen und Mitmachangebote

Diese Entwicklung hat viel mit dem Nachbarschaftsverein und seinen Treffs zu tun, die am Ackermannbogen Börsen heißen. Bei den sogenannten Nachbarschaftsbörsen geht es um niederschwellige Angebote und Orte, die kostenlos nutzbar sind. Daneben gibt es Mitmachangebote, von Spielgruppen und Hausaufgabenbetreuung über Bastelkurse und Fitnesstraining bis zu Naturerfahrung und Meditation.

"Das A und O unserer Arbeit ist es, Räume bereitzustellen, in denen man sich ohne Konsumzwang treffen kann." Heidrun Eberle, Leiterin der Nachbarschaftstreffs

Das Team um Heidrun Eberle organisiert außerdem Flohmärkte, Repair-Cafés und Kleidertausch-Partys; es gibt einen interkulturellen Frauenabend sowie ein Frauen-Café für Migrantinnen. Einmal jährlich findet das Kulturwochenende statt, ein Event mit Live-Musik, Theater und Ausstellungen von Künstlern aus dem Viertel.

Die Arbeit des Vereins stößt bei den im Viertel engagierten Wohnungsunternehmen, einem Mix aus Genossenschaften, städtischen Gesellschaften und privaten Bauträgern, auf positive Resonanz.

"Im Grunde verfolgen wir das gleiche Ziel: funktionierende Nachbarschaften.“ Michael Schmitt, Pressesprecher der städtischen GWG, die am Ackermannbogen knapp 180 Wohnungen betreut

Die stadteigene Wohnungsgesellschaft Gewofag ist am Ackermannbogen mit knapp 50 Wohnungen und diversen Einrichtungen vertreten. Von der Nachbarschaftsbörse, die ihre Räume bei der Gewofag angemietet habe, profitiere das gesamte Quartier, sagt Michael Dengler, Sprecher der Geschäftsführung. Als Betreiber eigener Nachbarschaftstreffs arbeitet das Unternehmen im Rahmen der quartiersbezogenen Bewohnerarbeit eng mit dem Verein zusammen.


Der vollständige Artikel von Hartmut Netz zum Ackermannbogen-Verein erschien im Magazin DW "Die Wohnungswirtschaft", Ausgabe 04/2019.


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Schlagworte zum Thema:  Nachbarschaft, Wohnungswirtschaft