24.11.2015 | Top-Thema Mit Bildung gegen den Fachkräftemangel

Ohne Hochschulkooperationen ist es besonders schwer

Kapitel
Fachkräftemangel trotz attraktiver Bezahlung? Die Infografik zweigt die Gehaltsentwicklung in der Immobilienbranche seit 2006.
Bild: Haufe Online Redaktion

Der Fachkräftemangel trifft die Immobilienwirtschaft schon heute. Um den Bedarf für die Zukunft decken zu können, ist die Branche verstärkt auf gut ausgebildete Nachwuchskräfte angewiesen – doch auch hier herrscht bereits Mangel. Durch Kooperationen mit Bildungseinrichtungen und die Gründung betriebseigener Akademien können Immobilienunternehmen gegensteuern: Denn die heutige Generation fordert Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten. Für 60 Prozent von ihnen ist dieses Kriterium ausschlaggebend bei der Arbeitsplatzwahl.

Spezialisierte Bildungseinrichtungen steuern mit Maßnahmenpaketen und Firmenprogrammen gegen den Nachwuchskräftemangel. Allein die Zahl der Studiengänge mit immobilienwirtschaftlichem Bezug ist in den letzten Jahren auf knapp 180 angestiegen. Doch Vorsicht: "Der Bildungsmarkt im Immobilienbereich ist unübersichtlich und von verschiedenster Qualität. Dies stellt Bildungsinteressierte und Human Resources Manager vor neue Herausforderungen, denn keiner weiß, in welchem Studiengang welcher Schwerpunkt mit welcher Qualität gelehrt wird. Am Ende wird es nicht auf den einzelnen Studiengang, sondern auf die Bildungseinrichtung als Marke ankommen", sagt der Geschäftsführer der IREBS Immobilienakademie, Markus Amon.

Gegen den Nachwuchskräftemangel - ohne Hochschulkooperation ist es besonders schwer

Unternehmen ohne Hochschulkooperation tun sich bei der Rekrutierung von Nachwuchskräften besonders schwer, weil sie "nur die frei schwebenden Mitarbeiter am Markt ansprechen können", berichtet Professor Hanspeter Gondring, Studiengangsleiter Immobilienwirtschaft am Institut für Finanzwirtschaft der DHBW Stuttgart und wissenschaftlicher Leiter der ADI Akademie der Immobilienwirtschaft. Und diese frei schwebende Masse wird es bald so nicht mehr geben. "Wir haben uns frühzeitig auf den erhöhten Bildungsbedarf der Branche eingestellt und bieten ein Komplettpaket." Berufsbegleitend können Mitarbeiter, die noch eine immobilienwirtschaftlich intensive Ausbildung benötigen, an der ADI ein 15-monatiges Intensivstudium zum Diplom-Immobilienökonom absolvieren und - soweit sie einen Bachelor- oder vergleichbaren Abschluss haben - anschließend ein vollwertiges staatliches Masterstudium beginnen, das mit einem MBA Real Estate abschließt.

Hard- und Softskills auf den Lehrplänen

Als Vollzeitstudium bietet die DHBW Stuttgart ein duales Studium an, das für Abiturienten geeignet ist, die ein betriebswirtschaftliches Studium in der Vertiefung Immobilienwirtschaft absolvieren wollen. Neben dem fachlichen Know-how werden auch sicheres Auftreten, Rhetorik, Vortragsweise, Führungstechnik und Verkaufstechnik geschult. "Wichtig ist uns auch, dass die Studierenden abstrakte Probleme rasch erfassen, analysieren und einer Lösung zuführen können. Dazu haben wir spezielle Integrationsseminare entwickelt, in denen die Teilnehmer komplexe Aufgabenstellungen der Immobilienpraxis über Wochen selbstständig bearbeiten können", sagt Professorin Jenny Arens, die an der DHBW BWL-Immobilienwirtschaft lehrt.

Quereinstieg in die Immobilienwirtschaft

Das EBZ geht mit seinem Bildungsangebot auch sehr gezielt auf die Mangelsituation der Immobilienwirtschaft ein, indem es Programme für Quereinsteiger entwickelte. "Beispiele sind unser Immobilientechniker-Programm oder die Verwalterkurse für Property Management. Außerdem können wir Mitarbeiter mit modularen Programmen gezielt auf die Übernahme neuer Aufgaben vorbereiten. Diese Programme entwickeln wir im engen Dialog mit den Unternehmen", erzählt Klaus Leuchtmann, Vorstandsvorsitzender des Europäisches Bildungszentrum der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft (EBZ): "Frauen, die nach der Elternzeit wieder in den Beruf einsteigen möchten, bieten wir Kurse für den Wiedereinstieg an. Der Fernlehrgang "Geprüfte/r Immobilienverwalter/in (EBZ)" bereitet beispielsweise auf Karrieren in WEG- und Hausverwaltungen vor und ist eine guter Start für kaufmännische Quereinsteiger."

Offene Zertifizierungsprogramme für firmenspezifische Ausbildungsangebote

Auch das Real Estate Management Institute der EBS Universität für Wirtschaft und Recht (EBS REMI) in Wiesbaden hat offene Zertifikatsprogramme etabliert, die zu besonderen, modular aufgebauten Abschlüssen und zum Master führen und sich für Firmenkooperationen anbieten. "Wir haben unser Vollzeit-Master-Programm für Quereinsteiger aus anderen Bereichen wie zum Beispiel für Techniker, Architekten und Ingenieure geöffnet, um den Talentpool zu verbreitern", erzählt Professor Jan Mutl, Managing Director vom Real Estate Management Institute der EBS Universität für Wirtschaft und Recht. Um die Erwerbsbeteiligung von Frauen zu fördern und diese Gruppe verstärkt dem Arbeitsmarkt zur Verfügung zu stellen, hat die EBS außerdem ein spezielles Stipendienprogramm für Frauen in der Immobilienwirtschaft eingerichtet. Außerdem werden diverse Intensivstudiengänge angeboten wie etwa Betreiberimmobilien, Asset- und Risikomanagement. "Wir stellen außerdem maßgeschneiderte firmenspezifische Programme zusammen und kooperieren stark mit den Unternehmen", erzählt Mutls Kollege Dr. Stefan Kayser von der EBS Executive Education GmbH: "Dabei legen wir großen Wert auf die Ausbildung der Führungskompetenz und der persönlichen Kompetenzen im Bereich der Teamarbeit, Kommunikation und Verhandlungsführung."

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Hinweis:

Dieser Artikel ist ein Auszug aus der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins "Immobilienwirtschaft" (11/15). Hier finden Sie weitergehende Informationen zum Fachkräftemangel sowie Lösungsansätze für die Nachwuchsproblematik in der Branche.

Schlagworte zum Thema:  Fachkräftemangel, Studium, Duales Studium, Immobilienwirtschaft

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