Wertorientiertes Personalmanagement: Die Bremer Gewoba

In unserer Serie stellen wir regelmäßig ein Wohnungsunternehmen mit seinen Zukunftsvisionen vor. Diesmal: Die Bremer Gewoba, die auf ein wertorientiertes Personalmanagement setzt. Personalchef Stefan Geussenhainer vertraut dabei auf eine Mischung aus finanziellen Leistungen und Investitionen in die Mitarbeiter, die sich für beide Seiten langfristig auszahlen.

Wer Geburtstag hat, darf mittags nach Hause. Es ist ein halber Tag, den die Gewoba ihren Mitarbeitern schenkt – eine vermeintlich kleine Geste, die den etwa 500 Beschäftigten viel bedeutet: So können sie planbar nachmittags mit Familien und Freunden feiern.

"Nicht alles, was den Menschen wichtig ist, kostet eine Menge." Stefan Geussenhainer, Personalchef der Bremer Gewoba

War for Talents – auch in der Wohnungswirtschaft

Im Wettbewerb um die besten Nachwuchs- und Führungskräfte zählen auch bei der Gewoba das Gehalt und zusätzliche finanzielle Leistungen zu den Hauptargumenten für einen beruflichen Einstieg. Das Unternehmen, nach eigenen Angaben der größte Vermieter im Land Bremen, zahlt Geussenhainer zufolge gut und über Tarif. Dazu kommen Sozialleistungen wie die betriebliche Altersvorsorge, die bei Beschäftigten einen hohen Stellenwert genießt.

"Bei uns spielt aber auch das Betriebsklima eine wichtige Rolle." Stefan Geussenhainer, Personalchef der Bremer Gewoba

Allem voran gehe es um das Gefühl, einen sicheren Arbeitsplatz zu haben. "Die Branche tut hierfür eine Menge", sagt der Personalmanager unter Verweis auf die boomende Immobilienbranche. Bei der Gewoba vertrauen die Mitarbeiter offenbar darauf, dass dies auch so bleibt: In einer Befragung vor knapp zwei Jahren erklärten 91,5 Prozent der Umfrageteilnehmer, ihren Arbeitgeber dem besten Freund oder der besten Freundin zu empfehlen.

Geussenhainer, selbst seit zwei Jahren bei der Gewoba, empfindet die Atmosphäre im Unternehmen nach wie vor als etwas Besonderes. Für ihn soll die Personalstrategie das widerspiegeln, was die Geschäftsstrategie als ganze vorgibt: Wo Immobilienobjekte nachhaltig und mit investivem Einsatz bewirtschaftet werden, sollen auch Mitarbeiter das Gefühl haben, dass man sich um sie kümmert.

Flexible Arbeitszeitmodelle für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Die gemeinnützige Hertie Stiftung zertifiziert die Gewoba seit mehr als zehn Jahren als familienfreundliches Unternehmen nach dem "audit berufundfamilie".

Um Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen, können Mitarbeiter flexible Arbeitszeiten wählen, Lebensarbeitszeitkonten anlegen und sie erhalten Betreuungszuschüsse. Deutlich werde das, wenn sich etwa Bauleiter bewerben, erzählt Geussenhainer. Diese Tätigkeit könne man in der Regel kaum ausüben, wenn man Familie hat – zu unregelmäßige Arbeitszeiten, zu viele Wochenenden auf der Baustelle.

"Wir sagen: Komm zu uns, da gibt es geregelte Zeiten und die Möglichkeit, sich eine Stelle zu teilen." Stefan Geussenhainer, Personalchef der Bremer Gewoba

Diese Teilzeitmodelle seien zwar geringfügig teurer für das Unternehmen, fielen aber nicht wesentlich ins Gewicht, so der Personalleiter.

Zufriedenheit durch Fort- und Weiterbildung sowie Mitbestimmung

Neben vielfältigen internen Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten reagiert die Gewoba nach eigenen Angaben auch auf den Wunsch eines Teils der Mitarbeiter, mitbestimmen zu können.

Gerade jüngere Kollegen äußerten diesen Wunsch, sagt Geussenhainer, und führt das Beispiel eines Büroneubaus an: Die Unternehmensleitung werde Arbeitsgruppen bilden und fragen, wie das Gebäude nach Ansicht seiner Nutzer aussehen soll. In anderen Gruppen sollen Beschäftigte etwa über die Weiterentwicklung von Kundenbeziehungen diskutieren.

"Daran dürfen sich auch Ressortfremde beteiligen, sie bringen einen zusätzlichen Blick auf die Sachlage mit", sagt Geussenhainer. Bei den Mitarbeitern stiegen so Arbeitszufriedenheit und die Verbundenheit zum Unternehmen. Die Gewoba wiederum profitiere von den Ideen, die ansonsten verloren gehen würden.

Vor diesem Hintergrund verwundert es kaum, dass die Gesellschaft problemlos Stellen besetzen kann. Die Bewerbungen würden weniger, schränkt Geussenhainer gleichwohl ein. Bei den Auszubildenden mache sich zudem der Trend bemerkbar, dass fitte junge Menschen nach dem Abitur automatisch ein Studium anstreben, anstatt auf eine Ausbildung zu setzen. Wer sich bewerbe, vermittelt dafür häufig glaubhaft, dezidiert zur Gewoba zu wollen. Und wer einmal drin ist, bleibt: Der Anteil der Selbstkündigungen liegt zwischen einem und zwei Prozent.


Lesen Sie auch die anderen Teile der Serie:

Teil 1: Digitalisieren für den Mehrwert: Die Wohnungsgenossenschaft Neue Lübecker

Teil 2: Alles andere als konservativ: Die katholische Joseph-Stiftung

Teil 3: Nassauische Heimstätte/Wohnstadt: Geburtshelfer für Startups

Teil 4: Berliner Degewo: Ein Haus für die Zukunft

Teil 5: Kommunale Wohnungsgesellschaft Erfurt: Innovation in Serie

Teil 6: Spar- und Bauverein Dortmund: Nachhaltigkeit als Fundament und Rahmen

Teil 7: Hilfswerk-Siedlung GmbH: Im Einklang mit der Schöpfung

Teil 8: Frohen Mutes fürs Gemeinwohl: Die Hamburger Baugenossenschaft dhu

Teil 9: Clever dämmen mit Hanf: die Darmstädter Bauverein AG

Teil 10: Baukulturelles Erbe: Die Stuttgarter SWSG

Schlagworte zum Thema:  Wohnungsunternehmen, Personalmanagement