01.03.2016 | Top-Thema Wegen Wohnungsnot: Renaissance der Genossenschaften

Wegen Wohnungsnot – Renaissance der Genossenschaften

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Dass das erste Treffen der "Kooperative Großstadt" so gut besucht würde, hätte keiner gedacht.
Bild: Jörg Koopmann

Sie sind wieder angesagt. In Zeiten von Wohnungsknappheit erleben nicht nur bestehende Gemeinschaften regen Zulauf, es gründen sich auch zahlreiche neue Genossenschaften. Häufig geht es ihnen um mehr als nur bezahlbaren Wohnraum, wie das Beispiel München zeigt.

Diese Nachfrage hat Markus Sowa und seine 15 Gründungsgenossen dann doch überrascht. An die 400 Münchner kamen zu einem ersten öffentlichen Treffen der jungen Baugenossenschaft „Kooperative Großstadt“. Wer keinen Stuhl mehr ergatterte, reihte sich am Rand auf. „Die Veranstaltung war ein voller Erfolg“, zeigte sich der Architekt zufrieden.


Gründen von Wohnungsbaugenossenschaften boomt


Die Resonanz auf die Initiative kommt nicht von ungefähr: Das Gründen von Wohnungsbaugenossenschaften boomt. Allein in Bayern seien in den vergangenen fünf Jahren fast 20 neue Genossenschaften gegründet worden, berichtet der Direktor des Verbands bayerischer Wohnungsunternehmen (VdW), Hans Maier – bei mehr als 330 Genossenschaften insgesamt im Bundesland. „Wir erleben eine Art Renaissance dieser Organisationsform“, sagt Maier. Der Dachverband GdW spricht von an die 15 Genossenschaftsgründungen pro Jahr.

Die Entwicklung folgt damit einem Langzeit-Trend. Genossenschaften sind stets in Zeiten entstanden, in denen städtischer Wohnraum knapp wurde. Sie bieten die Möglichkeit, der einfachen Bevölkerung ein bezahlbares Dach über dem Kopf zur Verfügung zu stellen, und das ohne die Beteiligung von Investoren. So hat sich eine Vielzahl der traditionellen Wohnungsbaugenossenschaften in der Zeit der Industrialisierung gegründet, nach dem Ersten und nach dem Zweiten Weltkrieg.
Auch wenn sich die Lage in Großstädten derzeit weniger dramatisch gestaltet als in den Notperioden des vergangenen Jahrhunderts – vielerorts verzweifelt die Mittelschicht auf der Suche nach innerstädtischem Wohnraum. Besonders deutlich wird das in ohnehin hochpreisigen und angespannten Märkten wie München.

„Bei uns laufen die Preise so aus dem Ruder, dass wir konzeptionell etwas machen müssen“, beschreibt Stadtbaurätin Elisabeth Merk die Situation. Ihre Reaktion darauf ist zum bundesweit beachteten Modell geworden: Zunächst beschloss die Stadt, bis zu 40 Prozent eigener Flächen exklusiv an Baugenossenschaften zu vergeben.

Die Nachfrage war jedoch verhalten – traditionelle Genossenschaften arbeiteten häufig an ihrer Belastungsgrenze, interessierte Bürger verunsicherte die feste Rechtsform mit Auflagen und Pflichten.

 

Dieser Text erscheint im Fachmagazin "Immobilienwirtschaft", Ausgabe 03/2016.


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Schlagworte zum Thema:  Baugenossenschaft, Wohnungsnot, Stadtentwicklung

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