01.03.2016 | Top-Thema Wegen Wohnungsnot: Renaissance der Genossenschaften

Münchens „Mitbauzentrale“

Kapitel
Gute Realisierungsmöglichkeiten bieten sich in den städtischen Neubauquartieren, die Zug um Zug von der Stadt entwickelt werden.
Bild: Mitbauzentrale München in Zusammenarbeit mit LHM

Hier sah die Stadt eine Möglichkeit einzuhaken: Mit der „Mitbauzentrale“ steht Gründungswilligen seit eineinhalb Jahren eine zentrale Beratungsstelle zur Verfügung.

„Wir waren unzufrieden mit der Münchner Situation und wollten selbst etwas auf die Beine stellen“, beschreibt Genossenschaftsvorstand Sowa die Motivation. Das Bündnis vor allem aus Architekten und Stadtplanern sieht sich in erster Linie als Baugenossenschaft, möchte aber auch eine Diskussion über Stadtentwicklung und architektonische Qualität anstoßen. „Wir wollen gar nicht in erster Linie für uns selbst bauen, die meisten sind mit Wohnraum versorgt“, erklärt Sowa.


Gründen mit Mehrwert

Die Hauptgeschäftsführerin des Wohnungswirtschaftsverbands GdW, Ingeborg Esser, sieht dies als bundesweites Phänomen. „Wer jetzt gründet, möchte meist einen Mehrwert“, sagt Esser. Mehrgenerationen- und autofreies Wohnen etwa oder die Übernahme von Pflegeleistungen – viele der jungen Genossenschaften verbinden das Schaffen von Wohnraum mit weitergehenden Zielen.  

Der GdW versucht über seine „Beratungsprüfer“ die Kosten für Prüfungen zu minimieren und Hilfestellung bei den ersten Schritten zu leisten. Die Nachfrage steigt laut Esser vor allem beim Bildungsbürgertum und in den Ballungsräumen. Tatsächlich unterstützt etwa in Hamburg seit mehr als zehn Jahren eine landeseigene „Agentur für Baugemeinschaften“ Neugründungen von Initiativen. Dabei handelt es sich häufig um Kleingenossenschaften, die sich auf ein Projekt konzentrieren – seit 2013 sind 355 Wohneinheiten in 17 Projekten fertiggestellt worden. Das Land vergibt bis zu 20 Prozent landeseigener Grundstücke zum Verkehrswert an Genossenschaften, gegenwärtig sind auf solchen Flächen mehr als 50 Projekte in Planung oder Bau. Finanzielle Förderung können die Gemeinschaften durch Programme der Landesförderbank erhalten.   

 

Dieser Text erscheint im Fachmagazin "Immobilienwirtschaft", Ausgabe 03/2016.


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Schlagworte zum Thema:  Baugenossenschaft, Wohnungsnot, Stadtentwicklung

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