01.03.2016 | Top-Thema Wegen Wohnungsnot: Renaissance der Genossenschaften

Berlin bildet die Ausnahme

Kapitel
Auch in Berlin wird gebaut, allerdings nur von den landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften.
Bild: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt

Eine bundesweite Ausnahme ist ausgerechnet Berlin.

Dort sind die Grundstückspreise derart in die Höhe geschossen, dass es für Genossenschaften oder Baugemeinschaften nahezu unmöglich geworden ist, sich innerstädtisch Flächen zu sichern. Das Land hat viel Tafelsilber bereits verscherbelt, die restlichen Flächen vergibt es nun vorrangig an die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften.


Hilfe bei der Gründungsbürokratie 

Der „Kooperativen Großstadt“ half die Münchner „Mitbauzentrale“ zunächst bei der Gründungsbürokratie und ersten Workshops. Nun wird es um konkrete Baugrundstücke gehen. Sowa und seine Mitstreiter möchten in die Stadt – die dort verfügbaren Flächen liegen jedoch meist dezentral. Bei der Lösung könnte ein dritter Partner ins Spiel kommen: die Traditionsgenossenschaften. Sie besitzen Grundstücke in zentralen Lagen, auf denen zum Teil nachverdichtet oder neu gebaut werden kann. Ideen hierzu könnten von den Jungen kommen, die sonst an ihren finanziellen Möglichkeiten für solche Flächen scheitern würden. In Hamburg bemerkt das Land aus solchen Gründen bereits ein steigendes Interesse an Kooperationen zwischen Baugemeinschaften und Bestandsgenossenschaften. Seit 2013 sind durch solche Bündnisse 516 Einheiten in 19 Projekten entstanden. Diese sind in der Entwicklung weitaus stabiler als die klassischen Baugruppen. Auch dank solcher Erfahrungen tendieren Interessierte vermehrt zu professionelleren Strukturen. In München verweist Stadtbaurätin Merk außerdem auf die Vorteile, die eine genossenschaftliche Organisationsform für die Kommunen bietet: Wegen der Rechtsform seien mit diesen Bündnissen leichter Verträge abzuschließen. München will nun wie Hamburg verstärkt Brücken schlagen. Nicht zuletzt könnten die Ideen der Jungen in die Breite wirken, ist Merk überzeugt:  „Wir beobachten bereits ein steigendes Interesse aus der Privatwirtschaft, Modelle und kreative Lösungen zum Beispiel für die nachbarschaftliche Entwicklung in Quartieren zu übernehmen.“

Dieser Text erscheint im Fachmagazin "Immobilienwirtschaft", Ausgabe 03/2016.


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Schlagworte zum Thema:  Baugenossenschaft, Wohnungsnot, Stadtentwicklung

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