26.09.2014 | VNW-Arbeitstagung

Politische Forderungen aus Lübeck und neue Bündnisse

Die Arbeitstagung des VNW fand in Lübeck statt
Bild: Marlies Schwarzin ⁄

Mehr Weitblick in Bezug auf bezahlbaren Wohnraum und die demografische Entwicklung, fordert der VNW Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen e.V. von der Politik. Vom 22. bis 24. September 2014 fand die VNW-Arbeitstagung in Lübeck statt.

Angesichts einer hohen Wohnraumnachfrage in prosperierenden Städten, der starken Zuwanderung in die Metroploregionen und Regionen, gleichzeitig jedoch schrumpfenden ländlichen Regionen, Dörfnern und Kleinstädten drohten sich Disparitäten zu verschärfen, prosperierende und weniger prosperierenden Regionen auseinander zu treiben. Die Politik jedoch werfe "Nebelkerzen" und lenke mit der Mietpreisbremse von den eigentlichen Herausforderungen sowie den Ursachen und Folgen steigender Wohnkosten ab, so VNW-Verbandsdirektor Dr. Joachim Wege: "Die Entwicklung ist besorgniserregend. Während die Politik in den überlaufenden Regionen die Wohnungsknappheit durch eine Mietpreisbremse stoppen will, werden anderswo ganze Landstriche abgehängt. Volkswirtschaftlich ist das Irrsinn." Die Politik solle lieber ein Gesamtkonzept entwickeln, und das auf lokaler und regionaler Ebene verwurzelte Kirchturmdenken überwinden.

Aufwertung von Quartieren

Auf lokaler Ebene seien die 320 Wohnungsunternehmen in Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern mit ihren mehr als 730.000 Wohnungen aktiv dabei, bisher benachteiligte Quartiere behutsam aufzuwerten und damit Alternativen zu den stark nachgefragten Stadtteilen zu schaffen. Damit werde die auf einige metropole Regionen und "In-Stadtteile" konzentrierte Wohnungsnachfrage entzerrt und mehr Raum geschaffen, in dem Menschen gerne wohnen. Dies ließe sich mit Unterstützung der Politik auch auf regionaler und überregionaler Ebene schaffen, wenn Faktoren wie steigende Grundstücks- und Baulandpreise sowie explodierende Energiekosten in Gesamtkonzepten ebenfalls berücksichtigt würden.

Kritik an energetischen Vorgaben

Raimund Dankowski, VNW-Verbandsausschussvorsitzender und Vorsitzender des VNW-Landesverbands Schleswig-Holstein e.V., ergänzte die Kritik am wenig stringenten und abgestimmten Handeln der Politik: "Ob die immer neuen energetischen Vorgaben tatsächlich sinnvoll sind, scheint in der Politik keinen zu interessieren. Die EnEV 2016 sowie die EEG Novelle sind nur einige von vielen Regulierungen, die das Bauen und Wohnen verteuern. Gleichzeitig wird eine eigene alternative Energieversorgung der Mieter etwa durch Solaranlagen oder Blockheizkraftwerke durch staatliche Vorgaben unrentabel. Hier wird das Engagement der Wohnungsunternehmen, zur Energiewende beizutragen und ihren Mietern eine günstigere Energieversorgung anzubieten, blockiert", beklagte er.

Abgestimmte Strategien

Wie notwendig abgestimmte Strategien sind und welchen Erfolg sie haben können, verdeutlichte die "Schleswig-Holsteiner Erklärung", die im Städteverband Schleswig Holstein zusammengeschlossenen Städtebund Schleswig-Holstein und Städtetag Schleswig-Holstein sowie der VNW in Lübeck verabschiedeten. Da das Land wachse und der angespannte Hamburger Wohnungsmarkt besonders im infrastrukturell gut ausgestatteten Hamburger Umland für zusätzliche Zuwanderung sorgt, haben sich etliche Kommunen mit Blick auf die Folgen der demografischen Entwicklung einer klaren Wachstumsstrategie verschrieben. Dafür ist es wichtig, die richtigen Rahmenbedingungen mit den richtigen Partner zu verabreden. Kommunen und Wohnungswirtschaft befänden sich dabei in einer Schicksalsgemeinschaft, so Raimund Dankowski. Die regionale Wohnungswirtschaft sei dieser verlässliche, sozial und langfristig orientierte Partner.

Mit dem Wohnbündnis werben die Spitzen von Städtebund, Städtetag und VNW deshalb für eine besondere Aufmerksamkeit in Sachen Wohnungsbau. "Das Thema gehört dauerhaft auf die Agenda der Städte. Der stetige Dialog mit den Akteuren der Wohnungswirtschaft ist sinnvoll und notwendig, um Handlungsbedarfe rechtzeitig zu erkennen und nur schwer korrigierbare Fehlentwicklungen zu vermeiden", so Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe, zugleich Vorsitzender des Städtetages Schleswig-Holstein, und Norderstedts Oberbürgermeister Hans-Joachim Grote, zugleich Vorsitzender des Städtebundes Schleswig-Holstein.

Einladung an alle Akteure der Wohnungswirtschaft

Dr. Joachim Wege: "Wir haben die Schleswig-Holsteiner Erklärung mit erarbeitet, weil die Städte und unsere Mitgliedsunternehmen im selben Boot sitzen." Das Wohnbündnis für Schleswig-Holstein füge sich nahtlos in die Offensive für bezahlbares Wohnen der Landesregierung ein und sei eine Einladung an alle Akteure der Wohnungswirtschaft.  Zentrale Felder der Zusammenarbeit sind daher die Bewältigung des demografischen Wandels, klar abgestimmte Strategien der Landes- und Stadtentwicklung und des Wohnungsbaus, eine Liegenschaftspolitik für dauerhaft ausgewogene Einwohnerstrukturen, die Einflussmöglichkeiten im Bereich der Bauleitplanung sowie ein koordiniertes Vorgehen in den Bereichen Klimaschutz und Energiewende.

Schlagworte zum Thema:  Wohnungswirtschaft, Veranstaltung

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