Am 6. und 7. November 2018 hat das Fachmagazin DW Die Wohnungswirtschaft zum vierten Mal in Kooperation mit dem GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V. die DW-Werkstatt veranstaltet. Dieses Jahr drehte sich alles um das Thema "Bestandsmanagement".

In Zeiten der Transformation von Geschäftsmodellen müssen viele Prozesse neu angelegt, Strategien dem Marktumfeld angepasst und Lösungen, die auch firmenintern Akzeptanz finden müssen, erarbeitet werden. Dazu kommt die Tatsache, dass es in den Großstädten zwar an bezahlbarem Wohnraum mangelt, in vielen Regionen aber auch gegen Leerstand gekämpft werden muss. Es gilt, neue Konzepte für das regionale Umfeld zu entwickeln, um Investitionen zukunftssicher zu gestalten. Mehr als 40 Führungskräfte aus der Wohnungswirtschaft, Verbänden und der Industrie kamen hierzu in Hamburg zusammen, um gemeinsam in Impulsvorträgen und Tischgesprächen über die verschiedenen Facetten des Bestandsmanagements zu diskutieren und sich auszutauschen.

Nach der Begrüßung der Teilnehmer durch die DW-Chefredakteurin Ulrike Trampe, führte GdW-Präsident Axel Gedaschko in das Thema ein. Die wichtigsten strategischen Herausforderungen für Wohnungsunternehmen im Jahr 2018 seien, so Gedaschko, die Bereitstellung bezahlbaren Wohnraums, die Bau- und Modernisierungskosten, die demografische Entwicklung sowie die Bereitstellung barrierearmen und seniorengerechten Wohnraums. Auch die Integration von Flüchtlingen in den Bestandsquartieren und das damit einhergehende steigende Konfliktpotenzial in den Quartieren stelle Wohnungsunternehmen oft vor eine Herausforderung, die viel gemeinsame Quartiersarbeit und Toleranz erfordere. Hinzu komme die zunehmende Digitalisierung, von der sich viele Wohnungsunternehmen unter anderem eine Effizienzsteigerung von Kernprozessen erhoffen, wie eine aktuelle Gremienbefragung des GdW zeige.

Welche Strategien die Wohnungswirtschaft und die Industrieunternehmen bisher entwickelt haben und welche Lösungen darüber hinaus denkbar sind, war Thema in den anschließenden Business-Talks.

Businesslunch: Gute Gespräche bei gutem Essen

Bei einem Vier-Gänge-Menü kamen Vertreter der Wohnungswirtschaft und der Industrie zu unterschiedlichen Aspekten des Bestandsmanagements zu sogenannten Thementischen zusammen. DW-Chefredakteurin Ulrike Trampe und DW-Redakteurin Annika Klaußmann moderierten je einen Tisch rund um die Digitalisierung von Prozessen. DW-Redakteur Olaf Berger leitete die Diskussion um Portfoliostrategien und Instandsetzung, während sich Katharina Burkardt, Pressesprecherin des GdW und wi-Chefredakteurin, und ihre Tischgäste mit nachhaltigem Bauen und Sanieren auseinandersetzten.

Beim Businesslunch wurde zu den Themen "Digitalisierung von Prozessen", "Portfoliostrategie und Instandsetzung" und "Nachhaltiges Bauen und Sanieren" diskutiert

Crossover-Vortrag: Von der Landwirtschaft lernen

Mit Beständen hat aber nicht nur die Wohnungswirtschaft zu tun, sondern  beispielsweise auch die Landwirtschaft: Sie muss ihre Agrarflächen nachhaltig nutzen und biologisch-dynamische Faktoren in die Bewirtschaftung einbeziehen. Dr. Hartmut Spieß, Diplom-Agraringenieur und Leiter der Abteilung Forschung und Züchtung des Dottenfelderhofs im Norden Frankfurts, erklärte in seinem Crossover-Vortrag, mit welchen Herausforderungen die Landwirtschaft konfrontiert ist, welche Lösungen der Dottenfelderhof gefunden hat und wie die Prozesse in einem Agrarunternehmen optimiert wurden.

Über die Instandhaltungskosten als Benchmark referierte Christian Gebhardt, Wirtschaftsprüfer beim GdW, am Dienstagnachmittag der DW-Werkstatt. Er erläuterte verschiedene Analysemethoden für die Festlegung eines optimalen Budgets für die Instandhaltung von Immobilien und berichtete über den Arbeitskreis Instandhaltungskostenbenchmark. Dieser hat Kennzahlen definiert, die es Wohnungsunternehmen ermöglichen sollen, Bestände nachhaltiger wirtschaftlich und wertorientiert zu entwickeln, Instandhaltungsstaus zu vermeiden und politische sowie rechtliche Rahmenbedingungen der Wohnungswirtschaft in Deutschland mitzugestalten.

Vertiefende Gespräche und Networking

Nachdem anregende Vorträge gehört und während der Businesslunchs ausgiebig diskutiert wurde, hatten die Teilnehmer der Wohnungswirtschaft und Industrie die Gelegenheit, noch einmal in engeren Austausch zu treten. In sogenannten Tischgesprächen hatten die jeweiligen Vertreter die Möglichkeit, individuell Kontakte zu knüpfen, Partnerschaften zu bilden und sich über konkrete Projekte zu unterhalten und Kooperationen einzugehen. Für eine weitere Vernetzung der Wohnungswirtschaft mit Dienstleistern aus der Industrie diente ein gemeinsamer Abend im Kochstudio, bei dem Profiköche tatkräftig bei der Zubereitung der Speisen unterstützt werden konnten.

Im Vlet Kochstudio in Hamburg wurde gekocht, gegessen und genetzwerkt
Nachhaltiges Bauen und Changemanagement

Nachhaltigkeit ist eines der großen Schlagworte der letzten Jahre – auch in der Bauwirtschaft. Aber wie geht nachhaltiges Bauen eigentlich? Professor Natalie Eßig von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften München leitet das Fachgebiet Bauklimatik, das nachhaltiges und energieeffizientes Bauen als selbstverständlich und übergeordnet im Bauwesen etablieren will. In ihrem Vortrag erläuterte Professor Eßig unter anderem das Zusammenwirken von Bauphysik, Bauklima und Bauprodukten unter nachhaltigen Gesichtspunkten und stellte einige Nachhaltigkeitskriterien zur Zertifizierung von Gebäuden vor.

Changemanagement kann das Bestandsmanagement sinnvoll unterstützen – so zum Beispiel bei der Spar- und Bauverein eG Dortmund. Franz-Bernd Große-Wilde, Vorstandsvorsitzender der Genossenschaft, berichtete in seinem Vortrag von den aktuellen Herausforderungen der Spar- und Bauverein eG und wie das Wohnungsunternehmen ihnen begegnet ist, welche Rolle Changemanagement und Innovationen dabei spielten und welche Lösungen die Genossenschaft für sich und ihre Mitglieder gefunden hat.

Die DW-Werkstatt bietet eine Plattform, um voneinander zu lernen, sich auszutauschen, gemeinsame Projekte zu entwickeln und Vertrauen über ein persönliches Kennenlernen zu fassen. Auch in diesem Jahr hat sie spannende Gespräche ermöglicht. Eine Auswertung der bisher abgegebenen Feedbackbogen (rund 75 Prozent) zeigt, dass die DW-Werkstatt auch in diesem Jahr sehr gut bei den Teilnehmern ankam: Alle Befragten empfanden die Gespräche als hilfreich für ihre Arbeit, 100 Prozent der Befragten würden gern im kommenden Jahr wieder mit dabei sein.

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