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Twitter ist bei der Baugenossenschaft Langen eG nicht nur ein fester Bestandteil der Unternehmenskommunikation, sondern auch des Risikomanagements. Warum das so ist, erläutert Vorstandsvorsitzender Wolf-Bodo Friers. Lesen Sie hier eine leicht gekürzte Version seines Erfahrungsberichtes aus der DW 1/2018.

"Es gab einen Chemieunfall. Bitte halten Sie Türen und Fenster geschlossen!", klang es in den frühen Morgenstunden Ende Dezember 2015 aus dem Lautsprecher eines langsam durch menschenleere Straßen fahrenden Polizeiwagens. Weitere Informationen – Fehlanzeige. Fernsehen und lokales Radio bringen zu dieser Uhrzeit keine Nachrichten, die Onlineredaktionen der großen Tageszeitungen und Magazine sind noch nicht besetzt. Nur über den Suchmaschinenriesen Google finden sich Verlinkungen auf Kurznachrichten der Kommunikationsplattform Twitter.

Ob Chemieunfall in Frankfurt, Arabischer Frühling oder Krawalle beim G20-Gipfel in Hamburg: Die Echtzeit-Berichterstattung unmittelbar vom Ort des Geschehens ist eine der Stärken des Kurznachrichtendienstes. In Zeiten von Fake News und Social Bots zugleich auch die größte Schwäche.

Twitter für Immobilienunternehmen?

Die Nutzung als bloße Informationsquelle ist unter den sog. "Twitterati", denjenigen, die den Nachrichtendienst besonders rege nutzen, verbreitet. Vor allem weil die Nachrichten aufgrund der Zeichenbegrenzung kurz sind. Von den über eine Milliarde angelegten Nutzerkonten soll fast die Hälfte noch nie einen eigenen Text, den sogenannten Tweet, abgesetzt haben.

"Der Mehrwert, den Twitter einem Immobilienunternehmen bietet, geht weit über die Versorgung mit aktuellen Nachrichten im Telegrammstil hinaus." Wolf-Bodo Friers, Vorstandsvorsitzender der Baugenossenschaft Langen eG

Um alle Funktionen von Twitter nutzen zu können, reicht ein Zugangskonto, das auf jedem stationären Rechner oder Laptop schnell angelegt ist. Nach dem Aufruf der Twitter-Homepage und einem Mausklick auf "Registrieren", sind nur der Name, eine gültige E-Mail-Adresse und ein – möglichst sicheres – Passwort einzugeben. Anders als bei Facebook darf als Name ein Pseudonym verwendet werden. Die Abfragen nach Telefon, Interessen und Kontaktimport können übersprungen werden.

Erste Schritte im Twitter-Universum

Nach ersten Gehversuchen mit einem Pseudo-Account ist die Baugenossenschaft Langen seit Februar 2016 mit dem Account @wbf_langen, ihrem sogenannten "Vorstands-Account", auf Twitter aktiv. Zunächst mit dem Ziel, die Mieter der über 1.800 Wohnungen der Genossenschaft möglichst schnell mit wichtigen Informationen aus den Liegenschaften zu versorgen, zum Beispiel bei Ausfall einer Heizung. Eine Idee, die bald wieder verworfen wurde. Nur wenige Mieter twittern überhaupt. Noch weniger wollten dem Vorstand ihrer Genossenschaft folgen oder "Follower werden", wie die Vernetzung mit einem fremden Profil bei Twitter heißt.

Dafür wuchs die Zahl der Follower, die auf Dienstleistungen aufmerksam machen wollten, die wenig bis gar nichts mit Immobilien zu tun hatten. Ziel und Strategie mussten überarbeitet werden.

Weitere Kapitel:

Social Media und Risikomanagement

Follower - und jetzt?

Schlagworte zum Thema:  Risikomanagement, Wohnungswirtschaft