Trotz steigender Mieten ist der Thüringer Wohnungsmarkt im Bundesvergleich kaum angespannt: Zu diesem Ergebnis kommt der Mietenreport 2017 des Verbands Thüringer Wohnungs- und Immobilienwirtschaft (vtw). Darin ist lediglich ein leichter Anstieg der Bestandsmieten um 1,6 Prozent innerhalb eines Jahres verzeichnet. Ausgewertet wurden die Zahlen der vtw-Mitgliedsunternehmen, die insgesamt 265.500 Wohnungen in Thüringen bewirtschaften.

"Wir liegen selbst in den großen Städten mit unseren Bestandsmieten spürbar unter dem Bundesdurchschnitt", sagte Verbandsdirektor Frank Emrich. Thüringer zahlten demnach im vergangenen Jahr durchschnittlich 4,93 Euro Miete pro Quadratmeter. In größeren Städten war die Miete höher. So wurden in Erfurt im Schnitt 5,17 Euro pro Quadratmeter verlangt, in Jena 5,61 Euro. Dennoch bewegten sich die Thüringer Mieten unter dem Bundesdurchschnitt von 6,72 Euro pro Quadratmeter, so der vtw.

Einer JLL-Studie zufolge hat sich der Anstieg der Wohnungsmieten bundesweit im zweiten Halbjahr 2017 verlangsamt. In den acht Metropolen Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Köln, Leipzig, München und Stuttgart waren die Mieten auf Jahressicht im Durchschnitt nur noch um zwei Prozent gestiegen – nach sechs Prozent im Vorjahr.

Neubau ist unter zehn Euro pro Quadratmeter unmöglich

Der Mietenreport 2017 belege zudem, dass der Thüringer Wohnungsmarkt trotz leicht angestiegener Mieten nicht angespannt sei, betonte Emrich.

"Ich verstehe aufkommende Ängste zum Thema Wohnen. Sie sind aber nicht durch die Faktenlage gedeckt. Ängste sollten auch nicht verantwortungslos geschürt werden. Dafür ist dieses Thema für die Thüringer zu wichtig", Frank Emrich, vtw-Verbandsdirektor

So lägen die Angebotsmieten in Jena zwischen 4,25 Euro bis 10,50 Euro pro Quadratmeter in der Spitze, in Erfurt zwischen 4,60 bis 9,10 Euro pro Quadratmeter. In diesem Zusammenhang müsse man jedoch beachten, dass der Neubau von Wohnungen durch die steigenden Bau- und Baunebenkosten faktisch nicht mehr unter 10 Euro pro Quadratmeter zu realisieren sei – es sei denn, die Wohnungsbauförderung reduziere den Aufwand für die Unternehmen.

Wohnungsleerstand bereitet weiter Sorgen

Kritisch beobachte der vtw weiterhin den Wohnungsleerstand im Freistaat. Er liege in Stadt und Land durchschnittlich bei 8,1 Prozent. Städte wie zum Beispiel Jena und Erfurt wiesen mit 1,8 Prozent und 3,3 Prozent jedoch geringe Leerstandsquoten auf.

Wohnungsleerstand: Der vtw-Report verzeichnet eine durchschnittliche Quote von 8,1 Prozent
Fluktuationsraten von 10,2 Prozent in Jena beziehungsweise 8,6 Prozent in Erfurt zeigten darüber hinaus, dass der sogenannte Lock-In-Effekt nicht eintrete. Der Lock-In-Effekt gilt als Indikator für angespannte Wohnungsmärkte und beschreibt die Bindung von Mietern an ihre Wohnung.

Im Oktober 2017 hatte der TAG-Wohnungsmarktbericht 2017 27 ostdeutschen Groß- und Mittelstädten sinkende Leerstandsquoten aufgrund zunehmender Bevölkerungszahlen bescheinigt.

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