Tausende Wohnungen durch Aufstockung in Frankfurt möglich

Mike Josef, Frankfurter Planungsdezernent, sieht in der Aufstockung von bestehenden Gebäuden "Potenzial von mehreren tausend Wohnungen". Exemplarisch dafür steht ein Projekt der städtischen Wohnungsbaugesellschaft ABG in der Platensiedlung, einem ehemaligen Wohngebiet der US-Army.

Alleine im vergangenen Jahr habe die Stadt 450 Baugenehmigungen für Aufstockungen erteilt, sagte der SPD-Politiker am 27. Mai in Frankfurt am Main. So könnten schnell und kostengünstig Wohnungen entstehen, ohne dass Flächen versiegelt würden und hohe Bodenpreise bezahlt werden müssten.

Nach einer Studie der TU Darmstadt und dem Pestel Institut könnten auf Bürogebäuden, Parkhäusern und Supermärkten alleine im Rhein-Main-Gebiet 350.000 Wohnungen geschaffen werden, über alle Ballungsgebiete hinweg sind demnach mit Aufstocken und Umnutzen 2,7 Millionen neue Wohnungen möglich.

Platensiedlung: ABG baut 380 Wohnungen durch Aufstockung mit Holzmodulen

Die Wohnungsbaugesellschaft ABG etwa stockt derzeit in der Platensiedlung in Frankfurt-Ginnheim bis Ende des kommenden Jahres 19 Häuser aus den 1950er Jahren im Zuge der Modernisierung und Sanierung mit vorgefertigten Holzmodulen von drei auf fünf Stockwerke auf. So sollen 380 Wohnungen entstehen. Zusätzlich werden zwischen den Häusern etwa 300 neue, vor allem kleinere Wohnungen gebaut.

"Zusammen ist das die größte Baumaßnahme zum Thema Nachverdichtung in Deutschland. Eine 'Blaupause' für andere Städte." ABG-Chef Frank Junker

20 Prozent sollen nach Angaben der AGB als klassische Sozialwohnungen und weitere 30 Prozent über das Mittelstandsprogramm der Stadt Frankfurt gebaut werden.

Auch kleinere Wohnungsbaugenossenschaften stocken ihre Gebäude auf, zum Beispiel der Frankfurter Volks- Bau- und Sparverein im Dornbusch. Der Eigentümerverband Haus & Grund forderte, Privateigentümern das Aufstocken leichter zu machen. Das Interesse sei groß, in der Praxis gebe es aber häufig bürokratische Hürden.

Hessen: Heimstätte plant 5.000 Wohnungen auf Gewerbe- und Konversionsflächen

Die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Nassauische Heimstätte hat zeitgleich in der Landeshauptstadt Wiesbaden angekündigt, in den kommenden Jahren knapp 5.000 neue Wohnungen überwiegend im Rhein-Main-Gebiet fertigstellen zu wollen.

"Alle diese Wohnungen haben eines gemeinsam: Wir werden sie alle deutlich unter Marktpreis vermieten." Tarek Al-Wazir (Grüne), Wirtschaftsminister Hessen

Nassauische-Heimstaette_FFM+Darmstadt

Einige der geplanten Einheiten seien bereits im Bau, bis zum Jahr 2021 sollen dann alle Wohnungen zumindest "baureif" sein, sagte Al-Wazir in Wiesbaden.

Minister Al-Wazir: Mehr Sozialwohnungen noch in der laufenden Legislaturperiode

Die Flächen seien bereits gekauft, aber noch nicht für den Wohnungsbau zugelassen. Einige gälten noch als Gewerbegebiete oder Konversionsflächen.

"Eine Umwandlung in Wohnfläche dauert in vielen Kommunen jedoch länger als erhofft." Constantin Westphal, Geschäftsführung Nassauische Heimstätte

Das Problem sei weniger das Bauen als geeignete Flächen zu finden, sagte Al-Wazir. Der Minister versprach außerdem, mehr Sozialwohnungen erhalten und bauen zu wollen. Den bundesweiten Trend, dass es Jahr für Jahr weniger Sozialwohnungen gebe, wolle man in Hessen in dieser Legislaturperiode stoppen und umkehren.


Das könnte Sie auch interessieren:

GdW: Neuen Wohnraum durch Aufstockung schaffen

Frankfurter Ostend: Stadt will Vertreibung von Mietern verhindern

Kommunale Wohnungsgesellschaften überdurchschnittlich aktive Käufer

Schlagworte zum Thema:  Aufstockung, Stadtentwicklung, Wohnungsbau