Wärmedämmung und andere Maßnahmen zur energetischen Sanierung werden gefördert (Symbolfoto) Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Die Investitionen in energetische Sanierungen sind gesunken, wie ein Gutachten des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) zeigt. Die Sanierungsquote in WEG liegt mit 0,7 Prozent unter dem Durchschnitt. Das Europäische Bildungszentrum der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft (EBZ), Bochum, hat gemeinsam mit der Wüstenrot Immobilien GmbH (WI) nach Gründen dafür gesucht.

IW-Gutachten: Förderlandschaft muss übersichtlicher werden

Das Gutachten "Die komplexe Förderlandschaft für energetische Gebäudesanierungen in Deutschland" liefert einen Überblick über die unterschiedlichen Fördermöglichkeiten für energetische Gebäudesanierungen. Derzeit gibt es bundesweit 3.350 Förderprogramme für energetische Maßnahmen an Gebäuden. Die Vielzahl an Möglichkeiten mache es unnötig kompliziert, lautet das Fazit aus dem IW-Gutachten, das in Kooperation mit der Schwäbisch Hall-Stiftung, dem Zentralverband des deutschen Handwerks und dem Volkswirtschaftlichen Institut für Mittelstand und Handwerk entstanden ist.

Die Autoren des Gutachtens empfehlen daher, die Programme der KfW, des BAFA und der Länder zusammenzuführen. Nur noch auf kommunaler Ebene und von den Energieversorgern sollten ergänzende Programme angeboten werden. Alle lokalen Initiativen sollten aber auch auf einer bundesweiten Plattform gebündelt sein.

EBZ: Handlungsbedarf für WEG

Wohnungseigentümergemeinschaften (WEG) stellen in Deutschland mit 9,1 Millionen von insgesamt 40,5 Millionen Wohnungen die zweitgrößte Eigentümergruppe. Diese Eigentumswohnungen verteilen sich auf rund 1,8 Millionen Wohngebäude. Deren Sanierungsquote liegt mit rund 0,7 Prozent unter dem aktuell niedrigen Durchschnitt. Das Europäische Bildungszentrum der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft (EBZ), Bochum, hat gemeinsam mit der Wüstenrot Immobilien GmbH (WI) nach Gründen dafür gesucht.

Die Ursachen für das schlechte Abschneiden der WEG seien vielschichtig. "Die Eigentümer, ihre Wünsche und Bedürfnisse, aber auch ihre finanziellen Möglichkeiten sind oftmals sehr unterschiedlich. Dementsprechend sind die unterschiedlichen Interessen nur schwer unter einen Hut zu bringen und gemeinschaftliche Beschlüsse scheitern", erklärt Jochen Dörner, Geschäftsführer der WI.

Es geht vor allem bei älteren Gebäuden um größere Investitionen, die ohne Sonderumlagen nicht finanzierbar sind, weil die angesammelten Instandhaltungsrücklagen nicht ausreichen. Wenn die Finanzierung über Sonderumlagen nicht darstellbar ist, bleibt als Alternative eine Darlehensfinanzierung bei einer Bank. Hier müssten laut Wohnungseigentumsgesetz alle Eigentümer zustimmen – fehlt nur eine Zustimmung, wäre der Beschluss gerichtlich anfechtbar.

Die Gesetzgebung stammt aus dem Jahr 1951. Mehrere Vorschriften des Wohnungseigentumsgesetzes wurden seither novelliert. Um das Modernisierungsthema aber praxisgerechter zu machen und damit den dringend notwendigen Maßnahmen den Weg zu bahnen, seien Neuregelungen kurzfristig notwendig, sagte Klaus Leuchtmann, Vorstandsvorsitzender des EBZ. Erstens bedürfe es einer Anpassung des § 22 Abs. 2 WEG, da nur in Ausnahmefällen der durch den Gesetzgeber vorgeschriebene (doppelt qualifizierte) Mehrheitsbeschluss erreicht werden kann. Es sollte überlegt werden, die Vorschrift dahingehend zu ändern, als das Modernisierungsmaßnahmen mit 75 Prozent der in der Eigentümerversammlung vorhandenen Stimmen verabschiedet werden können, um damit eine Stimmmehrheit zu definieren, die in der Praxis auch realistisch erzielt werden kann. Außerdem sollten im Wohnungseigentumsgesetz keine konkreten Vorgaben zur 'Angemessenheit' einer Instandhaltungsrücklage, etwa durch eine Mindestrücklage und ein Verbot der Zweckentfremdung, vorgehalten werden. Und schließlich könnte eine Harmonisierung der Vorgaben der KFW mit den Vorschriften der EnEV Abhilfe schaffen.

Schlagworte zum Thema:  Sanierung, Modernisierung, Förderprogramm

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