Stadtbau Würzburg: Mitarbeiter als Innovationstreiber

In unserer Serie stellen wir regelmäßig ein Wohnungsunternehmen mit seinen Zukunftsvisionen vor. Im letzten Teil: Die Stadtbau Würzburg GmbH. Bei ihr sind Querdenker ausdrücklich erwünscht. Der innovative Ansatz ist preisgekrönt.

Auf der Suche nach neuen Mitarbeitern schaut sich Hans Sartoris gern auf Messen außerhalb der Immobilienbranche um. "Da ergeben sich bisweilen zufällige Kontakte, die unser Spektrum enorm erweitern", sagt der Geschäftsführer der Stadtbau Würzburg.

Menschen verschiedener Ausbildungsrichtungen, die einen fachfremden, anderen Blick auf Abläufe und Problemstellungen im Haus haben, sind bei dem fränkischen Wohnungsunternehmen ausdrücklich erwünscht, auf allen Ebenen. Die Stadtbau Würzburg hat dazu schon vor Jahren Projektgruppen angestoßen, in denen Beschäftigte gemeinsam Herausforderungen angehen und Strategien entwickeln. Für den Ansatz ist das kommunale Wohnungsbauunternehmen mit dem TOP-100 ausgezeichnet worden, dem Gütesiegel für die innovativsten Mittelständler des Landes.

Für die 80 Beschäftigten ist längst selbstverständlich, was in anderen Unternehmen allzu oft noch als Ausnahme gilt: Ihre Ideen werden nicht nur gehört, sondern ausdrücklich erwünscht. Sie erhalten die Freiräume, um Vorstellungen in Zusammenarbeit mit anderen umzusetzen. Um Selbstzweck geht es dabei freilich nicht, wie Sartoris betont:

"Anliegen ist stets, unser Kerngeschäft zu optimieren, also im Sinne der Mieterinnen und Mieter zu handeln." Hans Sartoris, Geschäftsführer der Stadtbau Würzburg

Dabei zahlt sich dem Unternehmen zufolge der gegenseitige Wissensfluss aus, also das Einbringen von Berufsalltagserfahrungen durch die Mitarbeiter und unternehmerischen Überlegungen von Seiten des Managements: Die Teams suchen nach Lösungen für die Probleme, die sich den Mitarbeitern und Kunden tatsächlich stellen, und können auf den perspektivischen Ansatz der Strategen im Haus bauen.

Digital erleichtert analog

Die Beschäftigten integrieren die Ideenarbeit in ihre täglichen Aufgaben, zwei Mitarbeiterinnen haben sich zusätzlich zu Projektmanagerinnen weiterbilden lassen. Zu Hilfe kommt der Stadtbau Würzburg dabei die Digitalisierung vieler Prozesse im Vermietungs- und Verwaltungsgeschäft. "So erhalten wir Freiräume für die spannenden Aufgaben und für persönliche Kontakte", sagt Sartoris. "Digital erleichtert bei uns analog."

Durch die Beschleunigung der Unternehmensprozesse bleibt den Mitarbeitern mehr Zeit, auf individuelle Wünsche der Kunden zu reagieren, diese zu erfüllen und ein Stück zu begleiten. So hat das Unternehmen beispielsweise auf den Wunsch von Bewohnern nach persönlicher Interaktion mit Nachbarn reagiert und dafür räumliche Treffpunkte im Quartier geschaffen, in denen man zum Kartenspielen, Qi Gong oder Feste feiern zusammen kommt.

Der Ansatz, sowohl analog als auch digital weiterdenken zu müssen, zählt für Sartoris zu einer der inhaltlichen Hauptsäulen, um die Stadtbau Würzburg auf ein zukunftssicheres Fundament zu stellen. Daneben geht es um die Fortentwicklung von Haustechnik und Hausmeisterleistungen – beides unter dem Vorzeichen der Digitalisierung und mit großer Bandbreite: Derzeit erprobt das Unternehmen etwa ein schlüsselloses Zugangssystem mit dem Startup Kiwi. Es wird außerdem darüber nachgedacht, wie man mit den wachsenden Papierabfallmengen wegen des Onlinehandels umgeht, und es werden Echtzeit-Meldungen beim Beheben von Problemen mit der Warmwasseraufbereitung erprobt.

Digitale Transformation als Daueraufgabe

Eine der anstehenden Kernaufgaben betrifft das Unternehmen im Kern: Zehn Jahre nach den ersten Digitalisierungsprojekten merken Sartoris und sein Team, dass sie mit ihrem Ansatz aus maßnahmenorientierten Teams an Grenzen stoßen. "Wir überlegen derzeit, wie wir diese Aufgaben verstetigen können", so der Geschäftsführer.

Inzwischen sei klar, dass die digitale Transformation ein fortlaufender, dauerhafter Wandel sei, darauf müsse man reagieren. "Dazu brauchen wir eine Lösung, die ein solides Bewältigen des Alltagsgeschäfts sichert und zugleich eine permanente Organisationsform für Digitales bereithält", erklärt Sartoris. Dass dies gelingt, daran hegt der Unternehmenschef keinen Zweifel: Schließlich arbeiten um ihn herum 80 Menschen, die sich nicht nur als Mitarbeiter bewährt haben, sondern auch als ständige Ideengeber.


Lesen Sie auch die anderen Teile der Serie:

Teil 1: Digitalisieren für den Mehrwert: Die Wohnungsgenossenschaft Neue Lübecker

Teil 2: Alles andere als konservativ: Die katholische Joseph-Stiftung

Teil 3: Nassauische Heimstätte/Wohnstadt: Geburtshelfer für Startups

Teil 4: Berliner Degewo: Ein Haus für die Zukunft

Teil 5: Kommunale Wohnungsgesellschaft Erfurt: Innovation in Serie

Teil 6: Spar- und Bauverein Dortmund: Nachhaltigkeit als Fundament und Rahmen

Teil 7: Hilfswerk-Siedlung GmbH: Im Einklang mit der Schöpfung

Teil 8: Frohen Mutes fürs Gemeinwohl: Die Hamburger Baugenossenschaft dhu

Teil 9: Clever dämmen mit Hanf: die Darmstädter Bauverein AG

Teil 10: Baukulturelles Erbe: Die Stuttgarter SWSG

Teil 11: Wertorientiertes Personalmanagement: Die Bremer Gewoba

Schlagworte zum Thema:  Wohnungsunternehmen, Wohnungsbau