Stadt Aachen saniert im Projekt "EU-GUGLE" 377 Wohnungen

Im Projekt EU-GUGLE wurden innerhalb der vergangenen sechs Jahre mit knapp 17 Millionen Euro Fördergeldern der Europäischen Union bereits 227.000 Quadratmeter Wohnfläche energetisch saniert. Aachen ist Modellstadt im Projekt und hat zwischen 2013 und 2017 in 377 Wohnungen, die zum großen Teil denkmalgeschützt sind, moderne Technik installiert. Dadurch sollen Energieeinsparungen von durchschnittlich 65 Prozent erzielt worden sein.

Am Projekt EU-GUGLE (European cities serving as Green Urban Gate towards Leadership in sustainable Energy) sind unter anderem auch Wien (Österreich), Mailand (Italien), Sestao (Spanien), Tampere (Finnland) und Bratislava (Slovakei) beteiligt.

Die ausgewählten Wohnungen in Aachen-Nord und im Rehmviertel befinden sich zu 75 Prozent im Eigentum der Stadt. Zu 25 Prozent gehören sie der städtischen Wohnungsgesellschaft Gewoge AG. Sämtliche Wohnungen werden im relativ niedrigen Preissegment unter 6,50 Euro pro Quadratmeter vermietet. Viele Mieter haben einen Wohnberechtigungsschein oder sind Transferleistungsempfänger.

Für Aachen gab es einen Zuschuss von 50 Euro pro Quadratmeter

Die Stadt Aachen konnte auf 2,8 Millionen Euro Fördermittel zugreifen. Das entsprach einem Sanierungszuschuss von 50 Euro pro Quadratmeter Bruttogeschossfläche. Aus den Projektmitteln wurden auch Energieberatungen für die Eigentümer in der Nachbarschaft finanziert.

"Die Maßnahmen verbessern nicht nur den Komfort in den jeweiligen Wohnungen erheblich, sondern werten das gesamte Stadtquartier auf." Professor Manfred Sicking, Wohnungsdezernent Aachen

Herausforderung Denkmalschutz

Die besondere Herausforderung für die Stadt Aachen bei der Umsetzung des Projekts waren 254 Werks- und Offizierswohnungen aus den 1920er Jahren, die unter Denkmalschutz stehen. Hier konnte die energetische Sanierung durch Fassadendämmung nicht oder nur zum Teil umgesetzt werden.

"Fassadendämmung war nur für die Rückseite erlaubt, aber dafür wurden Holzfenster in Dreifachverglasung mit attraktiven Sprossen eingesetzt und die Gebäude zum Keller sowie zum Dach hin gut gedämmt." Rolf Frankenberger, Fachbereichsleiter Wohnen, Soziales und Integration Aachen

Der Energiestandard der Häuser wurde außerdem durch eine moderne Wärmeversorgung und innovative Gebäudetechnik verbessert:

  • Moderne Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung sollen für ein angenehmes Wohnklima bei gleichzeitiger zusätzlicher Energieeinsparung sorgen.
  • Die Beleuchtung in den Treppenhäusern wurde auf LED-Technik umgerüstet.
  • Weitere bauliche Modernisierungsmaßnahmen waren barrierefreie Bäder, neue Wohnungszuschnitte und eine optische Aufwertung der Gebäude und der einzelnen Wohneinheiten.

Aachen EU-GUGLE energetische Sanierung vorher
Im Rahmen der Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes erhielt auch die zuvor graue Fassade einen neuen Anstrich

Monovalente Wärmeversorgung: bisher einzigartig in Deutschland

Die Aachener Stadtwerke AG (Stawag) nutzten die Gelegenheit, mit Fördergeldern des Bundesinnovationsprogramms und des Landes Nordrhein-Westfalen innerhalb des Projektes EU-GUGLE eine innovative Wärmeversorgung mit Wärme aus der Kanalisation umzusetzen: Die Abwassernutzungsanlage (AWNA) nutzt die Temperatur des Abwassers, die in diesem Bereich ganzjährig bei zwölf Grad Celsius im Durchschnitt liegt.

Hierzu wurden im Abwasserkanalsystem Wärmetauscher installiert, die über einen separaten Wasserkreislauf die Wärme für die Wärmepumpen liefern. Die Wärme wird dann in einem lokalen Wärmenetz zu den einzelnen Wohnblöcken geleitet, wo sie zusammen mit der Wärme aus den Lüftungsanlagen über dezentrale Wärmezentralen die jeweiligen Wohnungen in den Wohnblocks versorgt.

  • 120 Wohnungen neueren Baujahrs werden ausschließlich über dieses System mit Wärme für die Heizung und die Warmwasserversorgung versorgt. Die monovalente Wärmeversorgung, also ohne zusätzliche fossile Energie, ist bislang einzigartig in Deutschland.
  • Auch ein Teil der denkmalgeschützten Gebäudeblöcke werden über die AWNA versorgt, sind aber auch an die Fernwärmeleitung der Stadt angeschlossen worden. Die Grundlast für die Wärmeversorgung wird durch die AWNA gedeckt und durch die Zuschaltung der Fernwärme – bei Spitzenbelastung – ergänzt.

Mieterbeteiligung zur Sensibilisierung für das Thema Energiesparen

Rund 75 Prozent des Energieverbrauchs von privaten Haushalten geht auf das Konto der Raumwärme. Das ist vielen Bewohnern nicht bewusst:

  • sie kennen nur wenige Möglichkeiten des Energiesparens oder
  • sie haben kein Interesse daran, weil die Kosten möglicherweise nicht von ihnen selbst, sondern vom Sozialamt getragen werden.

Dies ist ein Ergebnis einer Mieterbefragung im Rahmen des Projekts. In Folge wurden die Mieter der Projektwohnungen in Aachen von Beginn an über das Projekt informiert und auf verschiedene Weise eingebunden. Mit Flyern und Aushängen wurde bereits im Vorfeld auf die Sanierungsmaßnahmen hingewiesen. Das Thema Energiesparen wurde bei Vor-Ort-Beratungen insbesondere zum Stromsparen vermittelt.

In der eigenen oder in einer leer stehenden Wohnung konnten sich die Mieter nach der Sanierung in die Nutzung des neuen Heiz- und Lüftungssystems einweisen lassen, um auch zum Heizwärmeverbrauch sensibilisiert zu werden.


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Schlagworte zum Thema:  Sanierung, Denkmalschutz, Wohnimmobilien, Klimaschutz