Serielles Bauen: Vom Hype ins Alltagsgeschäft

Vor mehr als einem Jahr haben der GdW und mehrere Unternehmen eine Rahmenvereinbarung für serielles und modulares Bauen geschlossen. Auch der Bund ist beigetreten, genauso wie Architekten- und Bauindustrieverband. Was seitdem passiert ist, beschäftigt die Teilnehmer auf der Expo Real.

Der Anfang immerhin ist gemacht: Ein Projekt ist inzwischen auf Basis der Rahmenvereinbarung verwirklicht worden. Die Kommunale Wohnungsbau GmbH Rheingau Taunus (kwb) hat in Idstein neun Wohnungen in modularer Bauweise errichtet.

„Außerdem sind verschiedene Vorhaben im Gange, bei denen eine Unterschrift gesetzt ist“, sagt Fabian Viehrig, der beim GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen für diesen Bereich zuständig ist. Unter anderem hätten in Nordhausen, Magdeburg, Berlin und Waiblingen kommunale Wohnungsunternehmen Verträge mit Bauunternehmen wie Goldbeck, Bögl oder der AH-Aktivhaus auf Basis der Rahmenvereinbarung unterzeichnet.

Die Vorteile des Abkommens liegen in der Preisgarantie, der damit verbundenen Planungssicherheit und der Zeitersparnis dank abgesprochener Vertragsbestandteile. „Die Rahmenvereinbarung nimmt große Teile einzelvertraglicher Regelungen vorweg“, erklärt Viehrig.

Wohnungsunternehmen sollen so schneller, einfacher und kostengünstiger bauen können. Das Mehrfamilienhaus der kwb in Idstein beispielsweise entstand dank der Modulbauweise in acht Wochen, nach vier Monaten war es bezugsfertig. Im Einzelfall hänge es natürlich von den Gestaltungswünschen der Bauherren ab, wie hoch die Zeitersparnis tatsächlich ausfällt, schränkt Viehrig ein. „Bei aufwändigeren Vorhaben mit vielen eigenen Ideen werden auch Abstimmungsprozesse schwieriger.“ Gegebenenfalls könne in so einem Fall eine konventionelle Planung vorteilhafter sein.

Auch der Bund setzt auf serielles Bauen

Den relativ schleppenden Start – immerhin ist die Rahmenvereinbarung bald eineinhalb Jahre alt – erklärt Viehrig auch mit Vorbehalten, die es aus Teilen der Wirtschaft und von Planern gab. Modulares Bauen sei schnell als moderner Plattenbau bei niedriger Qualität und mit einem Preisverfall bei Planungs- und Bauleistungen verbunden worden. Ein paar dieser Vorurteile habe man ausräumen können, sagt Viehrig nun.

„Wir kommen nun vom Hype ins Alltagsgeschäft.“ Fabian Viehrig, Leiter der Bereiche Bauen und Technik beim GdW

Der steigende Wettbewerb auf Anbieterseite wirke sich außerdem vorteilhaft auf die Preise aus.

Positive Impulse kämen auch vom Bund, der selbst über die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) mit der Bauweise neue Projekte umsetzen wolle. Die geht von einem Baupotenzial zwischen 6.000 und 8.000 Wohnungen auf ihren Liegenschaften aus; wo es „baurechtliche beziehungsweise städteplanerische Erfordernisse und tatsächliche Eigenschaften wie Lage und Zuschnitt der Grundstücke es zulassen“, werde man auf die Möglichkeit des seriellen Bauens zugreifen, erklärt die BImA auf Anfrage. Sie wolle in Kürze Vorbereitungen für die erste Vergabe von Leistungen auf der Grundlage der GdW-Rahmenvereinbarung treffen.

Auch die Behörde benötige, genauso wie die GdW-Mitgliedsunternehmen, „eine Lernphase“ im Umgang mit der Rahmenvereinbarung, merkt Viehrig an – zumal sie nicht den Bauchfachleuten aus dem Bundesbauministerium, sondern dem Bundesfinanzministerium unterstellt ist. Der Bund hatte sich über viele Jahre komplett aus dem Wohnungsneubau zurückgezogen. „Da geht es darum, wie ich bei Wohnungsbauten ausschreibe oder wie ich mich etwa einer Rahmenvereinbarung bediene“, so Viehrig.

Kleinteiligkeit bei Genehmigungsverfahren als Hindernis

Zur entscheidenden Beschleunigung würde nach Ansicht Viehrigs ein Schub beim Thema Typengenehmigung beitragen, also einheitliche Standards über Gemeinde- und Bundeslandgrenzen hinweg. Hier allerdings wollen Kommunen sich häufig das Heft nicht aus der Hand nehmen lassen, und so werden aus lokalen Besonderheiten schnell Hindernisse für moderne Genehmigungsverfahren. Damit durchbricht die Situation die Logik serieller Bauweise – denn ein wirklich großflächiger und in der Folge zeit- und kostensparender Einsatz wird unmöglich.

Veranstaltungstipps zum Thema:

Die Wohnraumoffensive des Bundes: Serielles Bauen für Heimat, Klimaschutz und Nachhaltigkeit

8. Oktober 2019

12:00 - 12:45 Uhr

Halle A1, Stand 250

Moderator: Tina Teucher, Sustainable Matchmaker

Teilnehmer: Anne-Katrin Bohle, Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI), Andreas Rietz, Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), Daniel Barthold, Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, Heide Schuster, Blaustudio - Nachhaltigkeit in Architektur und Städtebau

Bauen für den Bund: Laufende und zukünftige Projekte des Bundes

8. Oktober 2019

14:00 - 14:30 Uhr

Halle C1, Stand 210

Teilnehmer: Anne Katrin Bohle, Bundesministerium des Inneren für Bau und Heimat, Daniel Babiel, Hauptverband der Deutschen Bauindustrie e.V., Christoph Krupp, Bundesanstalt für Immobilienaufgaben


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