Serie Wohnungsunternehmen – Teil 9: Clever dämmen mit Hanf

In unserer Serie stellen wir regelmäßig ein Wohnungsunternehmen mit seinen Zukunftsvisionen vor. Diesmal: Die Darmstädter Bauverein AG, die erstmals ein Mehrfamilienhaus mit Hanf dämmt. Es ist der jüngste Schritt des kommunalen Unternehmens, Energieeffizienz und innovative Verfahren in seiner Nachhaltigkeitsstrategie zu verankern. 

"Wir sehen Hanf als interessante ökologische Alternative zu herkömmlichen Dämmstoffen", sagt Unternehmensvorstand Armin Niedenthal. Der natürliche Rohstoff sei nachwachsend und weise eine Ökobilanz auf, die beeindruckend sei:

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Die Bauverein AG sieht die Sanierung des Gebäudes in der Darmstädter Innenstadt als Pilotprojekt. Sie hatte das Haus vor 62 Jahren gebaut; damals war es als Wohnheim für Arbeiter konzipiert worden, später wurden die Grundrisse so umgeändert, dass Einzelwohnungen entstanden.

Dämmplatten binden Kohlendioxid

Die Hanf-Dämmplatten binden Kohlendioxid und sind recyclebar. Außerdem wirken sie positiv auf das Raumklima und verbessern den Schall- sowie den Hitzeschutz – Hanf, der natürliche und regional verfügbare Dämmstoff erweist sich in jeglicher Dimension als vorteilhaft. Bislang testen allerdings nur wenige Unternehmen das Material.

Die Bauverein AG nutzt ihr Modellprojekt darüber hinaus, um generell den Einsatz schadstofffreier und wiederverwertbarer Materialien zu erproben. Ein Gutachter prüft alle Stoffe vor deren Einbau auf Zertifizierung, Schadstofffreiheit und Recyclingfähigkeit.

Dach und Fassade: Gebäude wird komplett modernisiert

Die Mieter sind vor Beginn der Bauarbeiten ausgezogen, da das Gebäude komplett modernisiert wird: Die Bauverein AG lässt sowohl Dach und Fassade sanieren als auch das Dachgeschoss ausbauen. So entstehen vier zusätzliche Wohnungen.

Die Grundrisse der bestehenden Wohnungen werden an die veränderten Bedürfnisse heutiger Bewohner angepasst, eine Fußbodenheizung eingebaut, Elektrik sowie Sanitäranlagen erneuert. Auch erhält das Gebäude ein zweites Treppenhaus sowie einen Aufzug. Damit sind alle über dieses Treppenhaus angeschlossenen Wohnungen barrierefrei zugänglich. Ein Anbau auf einem hinteren Grundstück ergänzt das Hauptgebäude.  

Im dritten Quartal 2019 sollen die Bewohner in die dann insgesamt 21 Wohnungen einziehen können. Die Erfahrungen mit Materialien und dem gesamten Bauprozess sollen schließlich in weitere Sanierungsvorhaben des mehr als 16.000 Wohnungen umfassenden Bestands einfließen. Wie sich die Maßnahmen auf die Miethöhen auswirken, kann die Bauverein AG zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen.


Lesen Sie auch die anderen Teile der Serie:

Teil 1: Digitalisieren für den Mehrwert: Die Wohnungsgenossenschaft Neue Lübecker

Teil 2: Alles andere als konservativ: Die katholische Joseph-Stiftung

Teil 3: Nassauische Heimstätte/Wohnstadt: Geburtshelfer für Startups

Teil 4: Berliner Degewo: Ein Haus für die Zukunft

Teil 5: Kommunale Wohnungsgesellschaft Erfurt: Innovation in Serie

Teil 6: Spar- und Bauverein Dortmund: Nachhaltigkeit als Fundament und Rahmen

Teil 7: Hilfswerk-Siedlung GmbH: Im Einklang mit der Schöpfung

Teil 8: Frohen Mutes fürs Gemeinwohl: Die Hamburger Baugenossenschaft dhu